Zulieferer profitieren von neuer Mobilität

Elektromobilität, Vernetzung und autonomes Fahren eröffnen neue Geschäftsfelder, von denen auch die Zuliefererindustrie profitieren kann. Bild: ZF

| von Werner Beutnagel

Die durchschnittlichen Herstellungskosten eines in Deutschland verkauften Pkw könnten sich demnach bis 2030 von circa 18.000 Euro um 10 Prozent auf circa 19.800 Euro erhöhen. Dabei verliere zwar der traditionelle Antriebsstrang an Bedeutung, entsprechende Verluste in der Wertschöpfung seien jedoch über elektrische Antriebsstrangkomponenten mehr als kompensierbar. Schon heute sorge die Nachfrage des deutschen Markts nach elektrischen Antrieben für eine Wertschöpfung von circa 1,3 Milliarden Euro, so die Analysten. Im Jahr 2030 entspreche dieser Wert einschließlich der erforderlichen Batteriespeicher rund 14,7 Milliarden Euro.

„Die Debatte um die Zukunft der Zulieferindustrie ist noch zu einseitig auf die potenzielle Ablösung traditioneller Antriebstechnologien fokussiert“, erklärt Christoph Stürmer, Global Lead Analyst von PwC Autofacts. „Natürlich werden im Elektroauto viele klassische Fahrzeugteile wie der Grundmotor oder die Abgasanlage verschwinden – aber das Verbrennerfahrzeug wird noch viele Jahre gebraucht werden. Zudem erschöpft sich der Wandel ja nicht in der Elektrifizierung des Antriebs.“ Parallel erschließen auch autonome Fahrsystem, Connectivity-Bausteine oder intelligente Interieurs neue Geschäftsmodelle.

Unter anderem sei durch die stärkere Auslastung von geteilten Fahrzeugen künftig mit geringeren Lebenszyklen bei einem höheren Bedarf an Ersatzteilen zu rechnen. Gleichzeitig ergeben sich neue Möglichkeiten im Interieur autonomer Fahrzeuge. Die Wertschöpfung im diesem Bereiche werde demnach von sieben auf etwa zehn Milliarden Euro im Jahr 2030 ansteigen. Insbesondere in diesem Bereich sei die Wertschöpfung fast ausschließlich bei den Zulieferern angesiedelt, so die Studienautoren.

„Viele mittelständische deutsche Zulieferer erscheinen aufgrund ihrer unternehmerisch geprägten Struktur, ihrer hohen Prozess- und Methodenkompetenz und ihrer engen Kundenverbindungen prädestiniert, diese zukunftsträchtigen Bereiche zu besetzen“, erklärt Felix Kuhnert, PwC Global Automotive Leader. Hierfür seien jedoch Änderungen im Geschäftsmodell ebenso nötig wie eine transformationsorientierte Unternehmenskultur, ein gutes Maß an Kapitalkraft sowie eine hohe Risikobereitschaft.