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Hecht: „Die OEMs können dem Push von Apple Carplay und Android Auto nichts entgegensetzen.“ Bild: Inrix

| von Pascal Nagel

Im Bereich der Datendienste für das Connected Car entsteht gerade ein neues Gravitationszentrum: Das US-Unternehmen Inrix, als Anbieter von verkehrsbezogenen Datendiensten eines der Schwergewichte der Branche, hat das kleine . Die Entwicklungsumgebung von OpenCar soll Autoherstellern Zugang zu einem umfassenden Ökosystem von Apps vermitteln, ohne dass die OEMs die markenspezifische Benutzererfahrung und die Hoheit über ihre Daten aus der Hand geben müssen, wirbt Inrix. Aber natürlich wollen die Amerikaner ihre Verkehrsdaten auch über diese Plattform an den Mann bringen. Wie wirkt sich das auf den Online-Kartenanbieter Here aus, den sich Audi, BMW und Daimler gekauft haben, um die Vorherrschaft des Silicon Valley im Bereich Connected Car zu brechen? Drei Fragen an Andreas Hecht, General Manager und Executive Vice President Automotive beim Services-Anbieter Inrix.

automotiveIT: Herr Hecht, was sind die Hintergründe dieser Übernahme und was bezweckt Inrix damit?

Hecht: Wir sehen eine Marktlücke bei Datendiensten dieser Art. Die OEMs können dem Push von Apple Carplay und Android Auto nichts entgegensetzen. Derartige Plattformen werden aber auf jeden Fall kommen, denn die Endverbraucher möchten Internet-Services im Auto haben. Aber damit werden die Fahrzeuge immer mehr zum Accessory von Google- und Apple-Smartphones werden. Die OEMs sehen diese Gefahr; sie haben dabei überhaupt keinen Einfluss auf das Look-and-Feel einer Android-Auto- oder Carplay-Umgebung, sie haben null Kontrolle über die Apps, die im Fahrzeug dargestellt werden. Und sie haben null Kontrolle über die Daten aus dem Fahrzeug. Zwar gibt es Alternativen wie MirrorLink, diese werden aber beispielsweise nicht von Apple unterstützt. In der Praxis werden alle OEMs Apple oder Google anbieten. Es gibt auch proprietäre Lösungen, aber die sind irrsinnig kostspielig und ermöglichen im Endeffekt keine wirklich globalen Services. Der Unterschied zu uns: Wir sind global, unser Kerngeschäft ist das (Daten)-Sourcing für solche Dienste. Wir wollen ein Portfolio mit globalem Footprint anbieten; wir bieten den OEMs Content und Apps als Fertiglösung für alle Länder, die für sie relevant sind. Wenn der OEM eigenen Content hinzufügen möchte, so kann er das tun. Heute haben viele OEMs selbstgebaute App-Lösungen, die aber alle auf die gleichen Services zugreifen, etwa auf Spotify, auf die Spritpreise, oder in den USA auf Pandora. Jeder erfindet das Rad neu. Für App-Developers ist dieser Markt wegen seiner hohen Fragmentierung nicht interessant.

automotiveIT: Was wollen Sie anders machen?

Hecht: Wir wollen eine offene Plattform anbieten. Darin müssen nicht nur Inrix-Produkte enthalten sein; auch Wettbewerbsprodukte können darauf laufen. Die Apps können von mehreren OEMs verwendet werden, dadurch hat die App-Community ein größeres Interesse, Anwendungen zu entwickeln. Und obwohl die Apps auf Autos verschiedener Hersteller laufen, haben die OEMs die Möglichkeit, den Content gemäß ihres Marken-Look-and-Feels darzustellen. Der Developer entwickelt die App einmal; sie kann dann aber auf verschiedenen Plattformen von verschiedenen OEMs unterschiedlich dargestellt werden. Heute schon arbeiten auf dieser Plattform rund 1400 App-Entwickler aus hunderten von Firmen. Die Apps decken im wesentlichen vier Themengruppen ab: Search, Route, Medien und Kommunikation.

automotiveIT: Jetzt haben aber mehrere deutsche OEMs gemeinsam den Online-Kartendienst Here gekauft, nicht zuletzt, um damit auch Echtzeit-Services anbieten zu können. Damit dürfte Inrix mit seinem Angebot zu Here im Wettbewerb stehen. Wie soll das aussehen?

Hecht: Ich glaube der Fokus von Here liegt woanders. Here wurde für sein hochgenaues Kartenmaterial gekauft, für High Definition Maps für das autonome Fahren. Ich glaube nicht, dass Here für seine Echtzeit-Verkehrsinformationen gekauft wurde. Wir bieten solche Dienste auch für Here-Karte an. Wir bieten ja selber keine Karten an, wir sind agnostisch, was Karten betrifft.

Das Gespräch führte: Christoph Hammerschmidt

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