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Die Telekom möchte mit Ladesäulen für Elektroautos in neue Geschäftsfelder vordringen. Bild: Deutsche Telekom

| von Ralf Bretting

Jahrelang hat die Deutsche Telekom tatenlos zu gesehen, wenn Hightech-Startups in ihrem Stammgeschäft mit innovativen Angeboten Umsätze und Erträge wilderten. Jetzt scheinen die Bonner ihre digitale Schockstarre abzustreifen. Der Konzern geht zum Gegenangriff über und will sich in fremden Branchen neue Einnahmequellen erschließen. Beispielsweise gibt es Überlegungen, in Deutschland flächendeckend Ladesäulen für Elektroautos aufzubauen. Für Kommunen will die Telekom neue Parkraumkonzepte umsetzen.

Das Rückgrat der Lade-Infrastruktur sollen die rund 300.000 grauen Multifunktionsgehäuse bilden, die – verteilt über das ganze Bundesgebiet – praktisch in allen Straßen stehen. In den Kabelverzweigern sind verschiedene Komponenten untergebracht, zum Beispiel Multiplexer oder aktive Netzabschlüsse. Letztere arbeiten mit Strom – der künftig auch dazu genutzt werden könnte, Elektroautos, E-Bikes oder Roller zu laden.

Warum sollten wir die vorhandene Infrastruktur nicht ausbauen“, fragte Telekom-Vorstand Reinhard Clemens kürzlich auf einer Automotive-Veranstaltung in Stuttgart bewusst provokativ in die Runde. Er rechne in diesem Business-Case mit 1,8 Milliarden Euro Investitionskosten, 6000 pro Säule. „Die Energieversorger haben uns nicht auf dem Schirm und nehmen uns als Wettbewerber nicht ernst“ – eine Haltung, die Clemens nur zu gut aus seinem eigenen Haus kennt. „Im Moment sehen etablierte Branchen, dass sie zu lange von sich und ihren bestehenden Technologien überzeugt waren. Sie haben neue Ansätze oft nur belächelt, statt den Weckruf zu hören.“ Damit sei bei der Telekom nun Schluss. Allein durch den Messenger-Dienst WhatsApp habe der TK-Riese in kürzester Zeit Milliardenumsätze im SMS-Geschäft eingebüßt. „Das war ein Aha-Effekt, den ich kein zweites Mal erleben möchte“, so Clemens.

Neues Geschäftspotenzial sehen die Bonner zum Beispiel im Bereich Parkraumbewirtschaftung. In einem Pilotprojekt will die Telekom der Hansestadt Hamburg helfen, mehr Parkgebühren einzunehmen. Möglich machen soll das die Vernetzung von Stellflächen mittels robuster Sensoren. Die kompakten Einheiten zeichnen sich durch langlebige Batterien aus und können auf Freiflächen, in Parkhäusern und Tiefgaragen zum Einsatz kommen. Die Intelligenz, um die im Ultraschmalband übermittelten Messdaten auszuwerten, soll aus der Cloud kommen. Laut Reinhard Clemens ist die Telekom nicht abgeneigt, die ICT-Leistungen über ein langfristig angelegtes Konzessionsmodell abzurechnen. In Hamburg schickt der Landesbetrieb Verkehr täglich noch Kontrolleure vor allem in die Innenstadtbezirke, um dort Falschparker und Nichtzahler zu ermitteln. Schon ab 2017 könnte diese Aufgabe Schritt für Schritt digitalisiert werden.

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