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Mit dem chargeBIG-Ladesystem will Mahle einen schnellen Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur ermöglichen. Bild: Mahle

| von Götz Fuchslocher

Pluralität im Antrieb sowie im Angebot lautet für Jörg Stratmann, Vorsitzender der Geschäftsführung und CEO des Mahle-Konzerns, das Credo, um sich in schnell wandelnden Zeiten am Markt behaupten zu können. Das globale Powertrain-Szenario geht im Jahr 2030 von etwa 35 Prozent elektrifizierten Fahrzeugen aus. Doch werden Verbrennunsgmotoren weltweit noch lange und in großen Stückzahlen Bestand haben. Sich nur auf eine Technologie zu konzentrieren könne daher nicht die Lösung sein, zumal für einen Zulieferer, dessen Kompetenzen traditionell im Antriebsumfeld liegen, sagte der Mahle-Chef anlässlich einer technischen Pressekonferenz des Unternehmens.

Bei Mahle sieht man für die Zukunft einen Weg daher in der Differenzierung. Dies hat Auswirkungen auf die Produktpalette. Einen Zukunftspfad zeichnet dabei die so genannte duale Strategie des Unternehmens auf. Zu ihr zählen eine konsequente Weiterentwicklung konservativer Komponenten wie auch eine Öffnung gegenüber neuen Angeboten. Zu diesen jungen Entwicklungen zählt etwa das Thema Lade-Infrastruktur. Die Idee zu einer alltagstauglichen, erschwinglichen Lademöglichkeit entstand im Rahmen des hauseigenen Startup-Incubators. Mahle nennt das dort entwickelte System „chargeBIG“, ein Mehrpunktladesystem, das im Vergleich zu gängigen Systemen keine kostspielige Infrastruktur voraussetzt und mit einer Leistung von bis zu 7,2 kW die Zielgruppe der Dauerparker adressiert, also ein Szenario, bei dem maximale Ladegeschwindigkeit nicht die oberste Priorität besitzt. Ein erstes System kommt seit geraumer Zeit am Stuttgarter Flughafen zum Einsatz. Ein weiteres System wird Mahle am 16. Juli auf dem eigenen Werksgelände in Betrieb nehmen.

Durch Modularität den Aufwand verringern

Mahle Brennstoffzelle

Ein Team in Mahles Brennstoffzellenprojekthaus analysiert die Ergebnisse und definiert die Auslegung der Peripherie­komponenten, die zu einem kostenoptimalen Fahrzeug führt. Bild: Mahle

Seine Produkte, die vereinfacht gesagt aus dem klassischen Repertoire stammen, stimmt der Zulieferer auf die neuen ökologischen Herausforderungen ab. Dabei setzt man vor allem auf Modularität. Die Stuttgarter haben dabei etwa das Thema E-Fuels auf dem Radar und legen schon seit geraumer Zeit Produkte wie Kolben, Filtermedien oder Dichtungen so aus, dass sie insbesondere neuen chemischen Anforderungen gerecht werden. Mit E-Fuels erreiche man auch bei klassisch motorisierten Fahrzeuge eine „indirekte Elektrifiziereung“ zeigt sich Jörg Rückauf, Leiter Produktentwicklung Filtration & Motorperipherie bei Mahle, von den Möglichkeiten neuer Kraftstoffe im Fahrzeugbestand begeistert.

Ein Beispiel für das, was man unter Modularität bei Produkten versteht, bietet der Zulieferer indes auf dem Feld des Thermomanagements mit MCTS, kurz für: Modular Compact Thermal System. Fahrzeugherstellern will Mahle damit die Möglichkeit bieten, auf einer Plattform verschiedene Antriebsstränge einzusetzen und gleichzeitig den Bedarf an konstruktiven Aufwänden rund ums Thermomanagement klein zu halten. Mahles flexibles System soll eine Vielzahl unterschiedlicher Antriebsstränge auf einer Fahrzeugplattform unterstützen. Die Ingenieure verfolgen dabei vereinfacht gesagt die Idee, so viele Gleichteilkomponenten wie möglich über die unterschiedlichen Antriebe hinweg zu verwenden. Hinsichtlich der Kosten sei das System vergleichbar mit einem BEV mit elektrischer Heizung, erhöhe die Reichweite bei 0 °C Außentemperatur durch den Einsatz einer Wärmepumpe jedoch um zwölf Prozent nach WLTC, wie Thermodynamik-Experte Matthias Jung schildert.

Wie man die Stufen der Elektrifizierung von 48 Volt bis zum reinen E-Antreib unterstützen kann, zeigt Mahle anhand seines Portfolios an Traktionsmotoren. Das Repertoire des Zuliefefers reicht dabei von 48 bis zu 800 Volt. Insbesondere mit Blick auf hohe Leistungsdichten verweist der Zulieferer auf seine Expertise im Thermomanagement. Besonders stolz zeigt man sich überdies beim Engagement auf dem Feld der 48 Volt-Hybridisierung. Dazu hat Mahle einen Traktionsmotor entwickelt, der bis zu 40 Kilowatt leistet und in einer Antriebseinheit aus zwei Motoren bis zu 80 Kilowatt am Rad bereitstellen kann. Mit Blick auf Hybridantriebe über den Tellerrand hinaus zu denken, bedeute, die einzelnen Komponenten besser aufeinander abzustimmen, so Martin Berger, Leiter Engineering Services Mahle Powertrain. Eine Idee dabei ist es, den Range Extender auf die notwendigsten Funktionen abzuspecken. Die Stuttgarter zeigen dazu einen Verbrennungsmotor, den man auf seine wesentliche Funktion zugespitzt hat und der beim Material den Aufwand um bis zu 30 Prozent reduzieren kann.

Um je nach Anforderungsprofil die richtige Lösung anbieten zu können, ist das Unternehmen auch im Bereich der Brennstoffzellen aktiv. Insbesondere wenn hohe Lasten und Reichweiten gefragt seien, stelle die Brennstoffzelle ein gutes Angebot im Pluralitäts-Reigen der Antriebskonzepte dar, hört man von den Experten des Zulieferers. Mahles Leiter Konzernvorausentwicklung Mechatronik, Marco Warth, hob anlässlich der Pressekonferenz in Stuttgart daher auch auf die Expertise Mahles bei den Komponenten einer Brennstoffzelle sowie im Bereich der Simulation ab. Der Zulieferer bündelt diese Kompetenzen in einem so genannten Brennstoffzellenprojekthaus, in dem die Expertisen aus verschiedensten Forschungs- und Entwicklungsbereichen zusammenwirken. Insbesondere fokussiert man dort die Themen Dauerhaltbarkeit und Kosten.