Selbstreinigende Wohnräume zum Falten
| von Pascal Nagel

Schon in drei bis fünf Jahren würden autonome Fahrzeuge in amerikanischen und chinesischen Städten fahren, prognostizierte Johann Jungwirth, Leiter der Digitalisierungsstrategien bei VW, auf dem von der ZEIT am Donnerstag in Berlin veranstalteten Forum Wissenschaft mit dem Thema „Autonom, intelligent, geteilt, vernetzt, elektrisch – wie sind wir in Zukunft mobil?“. Mit fünf Jahren schätzte Professor Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung des DFKI, den Zeithorizont ein wenig zurückhaltender ein.

Er setzt auf Fernsteuerung, damit sich die autonomen Autos ausreichend über die Stadt verteilen. So können allen Fahrgästen genug Autos zügig zur Verfügung stehen. Eine weitere Herausforderung des autonomen Fahrens ist das traditionelle Geschäftsmodell der  Autoindustrie. Denn von den intelligenten Autos wird sie kleinere Stückzahlen verkaufen, vor allem wenn sich viele Menschen diese Fahrzeuge teilen. Jungwirth verwies demgegenüber darauf, dass deren Lebensdauer auf bis zu zwei Jahre sinken werde. Das gilt allerdings nur für Autos von Großflotten, die dann wesentlich stärker genützt werden als das heute möglich ist. Wahlster erklärte, der Elektromotor habe eine längere Lebensdauer als der Verbrennungsmotor und das Material Carbon werde ebenfalls die Fahrzeuge langlebiger machen. Deren Software müsse man allerdings öfter austauschen.

Er entwarf futuristische Szenarien, die beim vorwiegend älteren Publikum im Saal auf Skepsis stießen: „Autos können künftig auf der Stelle wenden, die Treppe hochfahren und zusammengefaltet werden.“ Der Chef der Digitalstrategie von VW ergänzte, die autonomen Fahrzeuge benötigten künftig nur noch vier Knöpfe: zum Losfahren, Anhalten, Zusteigen lassen und zur Kommunikation des Passagiers mit seinem intelligenten Gefährt.  „Das Fahrzeug wird zum Wohnraum, Fitnessraum und Wellnessraum. Wir arbeiten schon mit Innenarchitekten zusammen“, sagte Jungwirth. Für 2018 kündigte er neue Elektroautos von VW an. Das seien dann „Fahrzeuge ohne Kompromisse“.

Nachdem sich das Publikum die Zukunftsentwürfe der schönen neuen Autowelt teils ungläubig, teils belustigt angehört hatte, stellte die erste Frage einer Zuhörerin einen bodenständigen Kontrast dar: „Wer reinigt die autonomen Autos?“ Jungwirth war um eine Antwort nicht verlegen: „Wir entwickeln bereits eine Lösung, dass sich das Auto autonom reinigt.“

Autor: Ulrich Hottelet