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Das SUV ZS aus dem Hause MG soll 2019 als elektrische Version auf den Markt kommen. Bild: MG

| von Werner Beutnagel

Shanghai Automotive wurde bekannt, als das Unternehmen 1984 als erster chinesischer Autokonzern ein Joint Venture mit einem ausländischen Autobauer unterschrieb: Gemeinsam mit Volkswagen startete SAIC damals die lokale Produktion der in Deutschland gefloppten Limousine Santana, die alsbald in einigen Städten des Landes als Taxi durch die Straßen rollte – und in China zur großen Erfolgsstory wurde. Privatwagen gab es damals kaum. Heute betreibt SAIC ein weiteres Dreier-Joint Venture mit General Motors (GM) und Wuling Motor sowie weitere Partnerschaften im Bereich Nutzfahrzeuge oder der Teilefertigung. Beide Auto-Joint Ventures besitzen je mehrere Fabriken; erst im Herbst legte SAIC-Volkswagen den Grundstein für ein Werk in Shanghai, in dem ab 2020 bis zu 300.000 Elektroautos vom Band laufen sollen.

Doch anders als die meisten chinesischen Staatskonzerne betreibt das – für ein Staatsunternehmen nach Ansicht von Experten recht modern geführte – SAIC parallel zu diesen Gemeinschaftsunternehmen mit leidlichem Erfolg auch zwei eigene Marken: Roewe und MG, die in Shanghai, Nanjing und Zhengzhou vom Band laufen. Roewe ist laut der SAIC-Website „Chinas erste eigene Marke im mittleren bis oberen Segment.“ Die Markenrechte für MG erwarb der Konzern auf Umwegen. 2005 hatte der kleinere Staatskonzern Nanjing Automotive die bankrotte britische Marke übernommen; zwei Jahre später fiel Nanjing Auto im Rahmen einer Konsolidierungswelle an SAIC – und damit auch Rover. Der erste Roewe ging 2006 an den Start, das erste MG-Modell 2007. Beide Marken hielten sich im Markt und legten 2018 trotz des eines schrumpfenden Gesamtmarktes zu. 2018 verkaufte SAIC nach Daten von LMC Automotive aus Shanghai 470.757 Roewe (plus 22 Prozent) und 231.097 MG (plus 71 Prozent). Zudem baut SAIC in Thailand mit der Charoen Pokphand Group MG-Modelle mit Rechtssteuerung für den dortigen Linksverkehr.

Das erste Auto von SAIC in den 1950er Jahren hieß allerdings „Phoenix“. Das Unternehmen war kurz vorher aus einer bereits vor dem zweiten Weltkrieg existierenden Werkstatt für Automotoren hervorgegangen und wurde nach der Gründung der Volksrepublik China verstaatlicht.  Der Phoenix wurde das wichtigste Auto für Südchina – während die Rote Fahne von FAW in Nordchina dominierte. Diese Zeiten sind seit der Ende der 1970er Jahre angestoßenen Reformära vorbei. Parallel zum Aufstieg regionaler Autobauer begann mit der Gründung von SAIC-Volkswagen die Zeit der Joint Ventures mit den ausländischen Marken.

Einschließlich seiner Partnerschaften lieferte SAIC 2018 gut sieben Millionen Fahrzeuge aus, 1,75 Prozent mehr als 2017. Auf der Fortune 500-Liste rangierte es als größter Autobauer Chinas 2018 auf Rang 36. Und die Expansion geht weiter: In Ningde, Standort des Batterie-Riesen CATL, startete SAIC den Bau einer Fabrik für Elektroautos. Die Produktion soll bereits in diesem Jahr anlaufen.