| von Gert Reiling

Der Test ist erfolgreich abgeschlossen, doch die Umsetzung in die Praxis dürfte noch einige Jahre dauern: In SARTRE Projekt (Safe Road Trains for the Environment) wurden Techniken entwickelt, die das eigenständige Fahren von Fahrzeugen im Kolonnenverkehr ermöglichen.

Aus der Vision wurde Wirklichkeit: Das Fahrzeug steuert autonom durch den Verkehr und fährt komplett eigenständig auf der Autobahn zum gewünschten Ferienziel. Währenddessen genießt der Fahrer die schöne Landschaft, liest ein gutes Buch oder arbeitet letzte Mails ab. Erstmals führten jetzt der schwedische Premium-Automobilhersteller Volvo und seine sieben Forschungspartner eine autonome Kolonnenfahrt auf einer öffentlichen Straße erfolgreich durch.

„Unsere Testkolonne fuhr mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 km/h teilweise mit weniger als vier Metern Abstand voneinander vollkommen autonom“, erklärt Erik Coelingh, Technik-Experte der Volvo Car Corporation. Hinter dem faszinierenden Forschungskonzept steht die langfristige Vision, ein Mobilitätssystem zu schaffen, bei dem das Buchen und die Teilnahme an Kolonnenfahrten auf Langstrecken einfacher ist, als die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Bei einer Kolonnenfahrt sind mehrere Fahrzeuge durch Sensoren untereinander sowie mit dem Führungswagen verbunden und kommunizieren miteinander. Dabei kommen verschiedene Techniken zum Einsatz, die bereits heute in Volvo Sicherheits- und Fahrer-Assistenzsystemen, wie dem aktiven Geschwindigkeits- und Abstandsregelsystem, dem Volvo City Safety System sowie den Spurhalte-, Toter-Winkel- und Einpark-Assistenten zum Einsatz kommen.

„Das Grundprinzip dieser innovativen Technik beruht darauf, dass die Kolonnenfahrzeuge die Bewegungen des Führungswagens übernehmen“, erklärt Erik Coelingh. Und der Volvo Technikexperte weiter: „Um dieses ambitionierte Ziel verwirklichen zu können, haben wir unsere Kameras, Radar- und Lasersensoren weiterentwickelt.“

Zu den herausragenden neuen Technik-Features gehören: 1.) Ein Schnittstellenprototyp zwischen Mensch und Fahrzeug (Human–Machine Interface) inklusive eines Touchscreens, dessen Display Informationen des Fahrers, beispielsweise der Wunsch, der Kolonne beizutreten oder sie zu verlassen, anzeigt und ausführt. 2.)Ein Kommunikationssystem (Prototyp), das die Informationsübermittlung und die Interaktion zwischen allen Fahrzeugen der Kolonne ermöglicht.

„Zweifelsohne werden wir diese fortschrittliche Technik, sobald sie Serienreife erlangt hat, in unser Volvo Sensus Infotainmentsystem integrieren. Die Teilnahme an einer autonomen Kolonnenfahrt muss so bequem wie möglich von statten gehen und reibungslos funktionieren”, betont Erik Coelingh. Und weiter: „Hinzu kommt die Herausforderung ein System zu realisieren, das den Kostenaspekt regelt. Es ist nachvollziehbar, dass die Nutzer der Kolonnenfahrt eine Gebühr zahlen und der Fahrer des Führungswagens eine Vergütung bekommt.“

Die erfolgreiche Umsetzung von Kolonnenfahrten auf Europas Straßen ist aber nicht allein eine Frage der Technik. Deshalb untersucht die SARTRE Forschung auch, welche Veränderungen notwendig sind, um Autokolonnen Realität werden zu lassen. Das Projektkonsortium stand im permanenten Dialog mit verschiedenen relevanten Interessengruppen. An einer ersten großen Gesprächsrunde über die nicht-technischen Herausforderungen, wie gesetzliche Bestimmungen, waren Politiker sowie Technik- und Verkehrssicherheitsexperten beteiligt.

„Bevor autonome Kolonnenfahrten auf europäischen Straßen Wirklichkeit werden, müssen noch zahlreiche Schlüsselfragen geklärt werden. Als führender Automobilhersteller im Bereich Sicherheit behalten wir auch den Umgang mit unvorhergesehenen Situationen wie plötzliche Ausweich- oder Bremsmanöver im Blick,“, erklärt Erik Coelingh abschließend.

Der Begriff SARTRE steht für „Safe Road Trains for Environment“. Es ist das derzeit einzige Forschungsprojekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine Technik zu entwickeln, die autonome Kolonnenfahrten auf europäischen Schnellstraßen innerhalb der konventionellen Verkehrsströme ermöglicht. SARTRE wird durch die Europäische Kommission teilfinanziert. Unter der Führung des britischen Unternehmens Ricardo UK Ltd umfasst das Forschungsprojekt Kooperationen zwischen den Firmen Applus+, IDIADA und Tecnalia (Spanien), Institut für Kraftfahrwesen (IKA) Aachen (Deutschland), SP Technical Research Institute aus Schweden sowie Volvo Car Corporation and Volvo Technology, Schweden.

 

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