Renault Master Z.E. 2018-23 2
| von Pascal Nagel

Bei der Elektromobilität hakt es bekanntlich noch an einigen Ecken. Probleme um Reichweite, Infrastruktur oder Preis sind hinlänglich diskutiert, gelöst sind sie nicht. Bei Nutzfahrzeugen auf der letzten Meile sieht die Welt allerdings anders aus: Die täglich benötigte Reichweite ist begrenzt und gut kalkulierbar, geladen wird über Nacht im Fuhrpark. Da verwundert es ein wenig, dass elektrifizierte Transporter etwas auf sich warten ließen. 

Einer der ersten auf dem europäischen Markt ist der Master Z.E. von Renault, der Ende dieses Jahres auch in Deutschland erhältlich sein wird. Der Transporter setzt auf ein vom Elektromotor des Zoe abgeleitetes 76-PS-Aggregat und die von Renault bekannte 33-kWh-Batterie von LG Chem. Ja, richtig gelesen: Motor und Akku aus dem Kleinwagen sollen nach dem Kangoo auch den Master lokal emissionsfrei antreiben.

120 Kilometer Reichweite im Realbetrieb

Was zunächst unpassend klingt, erweist sich im Praxistest auf den Straßen von Lissabon als ausreichend für Paket- und Lieferdienste. Mit 200 Kilometern Reichweite gibt Renault den Master Z.E. nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) an. Im Realbetrieb sollen die 33 Kilowattstunden des Lithium-Ionen-Akkus auch voll beladen und im Stop-and-Go-Verkehr zumindest für 80 bis 120 Kilometer reichen. Dass der Transporter das Versprechen durchaus halten kann, deutete er auf der Testfahrt bereits an: Nach 30 Kilometer Strecke standen noch 90 zur Verfügung. Um die Reichweite auch bestmöglich zu garantieren, ist der Master auf 100 Kilometer pro Stunde elektronisch begrenzt.

Geladen wird per Wallbox. Mit 7,6 Kilowatt Ladeleistung soll der Akku in rund sechs Stunden wieder voll einsatzfähig sein. Mit den in Deutschland bislang erlaubten 4,6 Kilowatt muss sich der Flottenbetreiber allerdings neun Stunden gedulden. Eine Schnellladefunktion bietet der Akku übrigens nicht – bewusst. Man habe mit Kunden gesprochen und Quick-Charging wird durch das Aufladen im Fuhrpark über Nacht nicht benötigt, die Kosten konnte sich Renault demnach sparen, heißt es.

Auch die 225-Newtonmeter des Elektromotors reichen für die meisten Alltagssituationen aus. Allerdings ging dem Master auf den steilen Straßen der portugiesischen Hauptstadt mit immerhin 450 Kilogramm Testbeladung im Gepäck dann doch das eine oder andere Mal ein wenig die Puste aus. Der Motor ist übrigens fremderregt: Auf den Rotoren befindet sich eine Erregerwicklung, die durch fließenden Strom magnetisiert wird. Damit sparen die Franzosen seltene Erden für die sonst üblichen Magneten an den Rotoren.

Wenig Assistenz, aber neue Services

Die Liste der Assistenten und digitalen Helferlein liest sich eher kurz: Auf Wunsch gibt es eine akustische Einparkhilfe hinten, Rückfahrkamera, Tempopilot mit Geschwindigkeitsbegrenzer – nähert sich der Fahrer dem vorab eingestellten Höchsttempo, spürt er einen Wider­stand im Fahrpedal – sowie das 7-Zoll große Touchscreen-Infotainmentsystem Renault R-Link. 

Optional kommt der Master Z.E. mit dem 7-Zoll-Infotainmentsystem R-Link.

Die Liste der Services fällt hingegen umfassend aus. „My Z.E. Connect“ etwa gibt Fahrer und Flottenbetreiber jederzeit wichtige Informationen über Ladestand, Ladeverlauf oder Restreichweite des Master. Mit „Z.E. Trip“ und dem bereits bekannten „Z.E. Pass“ lassen sich öffentliche Ladepunkte finden, ansteuern und bargeldlos bezahlen. 

Ganz neu ist hingegen die Flottenlösung „Renault Easy Connect“: Ein Telematikmodul informiert das Flottenmanagement permanent über Reichweite, aktuellen Standort des Fahrzeugs, Stromverbrauch, Reifendruck und technische Fehlfunktionen. Außerdem gibt es Auskunft über den Kilometerstand und die Dauer bis zum nächsten Serviceintervall. Um den Service umzusetzen hat sich Renault Partner wie Fleetmatics, Kuantic, Masternaut oder TomTom Telematics mit ins Boot geholt. Renault Easy Connect wird ab Mitte dieses Jahres europaweit zur Verfügung stehen. 

Gebaut in Batilly, elektrifiziert von PVI

Die elektrische Version des Master wird wie seine Geschwister mit Verbrennungsmotor im Renault-Werk in Batilly gefertigt. Für die Elektrifizierung des bis zu 6,2 Meter langen Transporters akquirierten die Franzosen bereits im vergangenen Jahr das Unternehmen Power Vehicle Innovation (PVI), das auf die Umrüstung von Fahrzeugen auf elektrische Antriebe spezialisiert ist. Etwa 10.000 Fahrzeuge pro Jahr könne Renault mit den aktuellen Kapazitäten fertigen. 

Mit einem Einstiegspreis von rund 60.000 Euro ist der elektrische Transporter allerdings kein Schnäppchen, zumal die Batterie in Deutschland nur zum Kauf und nicht als Leasing angeboten wird. Renault verspricht für den Master Z.E. „niedrigere Unterhalts- und Wartungskosten“, ohne allerdings ins Detail zu gehen. Ob sich der Umstieg auf das elektrische Nutzfahrzeug für Flottenbetreiber also rechnet, wird sich wohl erst ab Ende des Jahres zeigen. Dann nämlich rollt der Master Z.E. auch in Deutschland zu den Händlern.