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Die Kameras zeigen mehr als ein Spiegel – tote Winkel gibt es nicht mehr. Bilder: BMW

| von Pascal Nagel

BMW hat auf der diesjährigen CES in Las Vegas einen Prototypen des Hybrid-Sportwagens i8 gezeigt, der gänzlich auf Kameras statt Spiegel setzt. An der Stelle der Rückspiegel gibt es zwei kleine Flügelchen, in denen jeweils eine nach hinten blickende Kamera eingebaut ist. Eine Stereo-Kamera oberhalb der Heckscheibe liefert weitere Bilder von den Geschehnissen hinter dem Fahrzeug.

Angezeigt werden alle drei Bilder dort, wo sonst der Innenspiegel angebracht war: Das Display hat Ähnlichkeit mit einem herkömmlichen Rückspiegel, ist aber mit rund 30 Zentimetern breite und 7,5 Zentimetern Höhe etwas größer. Entscheidender Vorteil: Alle drei Kamerabilder werden zu einem einzigen Bild zusammengefügt, das eigene Auto ist als Schattenriss innerhalb der sich bewegenden Fahrzeuge zu erkennen. Nach etwas Eingewöhnung soll der Fahrer so Situationen schneller – weil mit nur einem Blick – erfassen. „Normalerweise guckt der Fahrer in die einzelnen Spiegel und ordnet die Verkehrsteilnehmer hinter sich räumlich zu“, erklärt BMW-Projektleiter Philipp Hoffmann. „Das übernimmt nun das System, für den Fahrer genügt ein Blick, um die Situation zu erfassen.“

Außerdem deckt das Abbild des rückwärtigen Verkehrsgeschehens größere Blickwinkel ab, als bisher die Innen- und Außenspiegel. Hoffmann: „Die Kamera-Bilder überlappen sich. Wir schneiden die redundanten Bereiche weg und zeigen dafür seitlich mehr – einen toten Winkel gibt es so nicht mehr.“ Tatsächlich sieht man das Fahrzeug auf der Nebenspur entweder im Display oder beim Blick aus dem Fenster – selbst kleinere Verkehrsteilnehmer wie Motorräder sollen so nicht im toten Winkel verschwinden.

Weil beim Rechtsabbiegen das Bild im Display automatisch ausgedehnt wird und zudem eine Warnung aufleuchtet, wenn sich in dieser Situation von hinten ein Radfahrer nähert, soll auch eine typische innerstädtische Unfallsituation vermieden werden. Auch wenn der Fahrer blinkt, obwohl sich von hinten ein schneller Wagen nähert – weist ein gelbes Warnsymbol auf die Kollisionsgefahr hin.

Bis die Spiegel in Serienfahrzeugen durch Kameras ersetzt werden, dauert es wohl noch einige Jahre. Vor allem, weil die rechtliche Lage noch nicht geklärt ist: In Europa rechnet BMW in diesem Jahr mit einer Entscheidung, 2017 in den USA und im asiatischen Raum könnte es bis 2018 dauern, bis geklärt ist, ob Fahrzeuge mit Kameras statt Spiegeln zulassungsfähig sind.

Künftig könnten BMW-Modelle allerdings nicht nur während der Fahrt mehr sehen als der Fahrer: So zeigt BMW auf der Consumer Electronics Messe auch die Funktion „Bumper Detect“, ein Sensorsystem, das erkennen soll, wenn das eigene Fahrzeug angefahren wurde. Über die Vernetzungs-Funktion BMW Connected sendet das Auto einen Hinweis, dass es berührt wurde, an das Smartphone des Fahrers. Außerdem werden die Kameras aktiviert, um den Verursacher des Unfalls zu filmen.

BMW will die Gestensteuerung verfeinern

Der Münchener Autobauer zeigt in Las Vegas auch seine Vorstellung vom Bedienkonzept der nahen Zukunft. Die Air Touch genannte Technik ist eine Erweiterung der Gestensteuerung, die in der neuen Generation des BMW 7er debütiert. Können dort lediglich eher simple Anweisungen – etwa zur Regulierung der Radiolautstärke – gegeben werden, soll bei der neuen Ausbaustufe auch das Navigieren durch komplexere Menüs möglich sein. Als zusätzliches Bedienelement gibt es einen in Lenkradnähe sowie beim Beifahrer angebrachten Bestätigungstaster, der die Bedienung schneller und einfacher machen soll. Wann die Technik in Serie geht, verrät der Hersteller noch nicht. sp-x/Red

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