Oberleitungs-Lkw sind wirtschaftlich sinnvoll

Oberleitungs-Lkw könnten langfristig eine nachhaltige und effiziente Alternative für die Logistik bilden, so eine Ifeu-Studie. Bild: Siemens

| von Götz Fuchslocher

Die Errichtung elektrischer Oberleitungen für Lkw ist günstiger als die Umstellung des Schwerlastverkehrs auf synthetische Kraftstoffe. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) aus Heidelberg.

So könnten Oberleitungs-Lkw durch einen vergleichsweise geringen Materialaufwand ihren Vorteil ausspielen. Ein Hybrid-Lkw rechne sich 2030 Ifeu zufolge schon dann, wenn lediglich ein Drittel der jeweiligen Strecke unter Oberleitung zurückgelegt wird. „Gegenüber dem Einsatz von synthetischen Kraftstoffen kann ein O-Lkw-System bereits dann etwa 10 Prozent Systemkosten einsparen, wenn die Oberleitungen allein durch besonders geeignete inländische Verkehre genutzt werden“, sagt Studienleiter Julius Jöhrens.

Schon 2030 können den Angaben nach Oberleitungs-Lkw auf stark befahrenen Autobahnabschnitten in Deutschland wirtschaftlich attraktiv sein. Voraussetzung ist natürlich der Ausbau der notwendigen Infrastruktur, die sich vor allem auf den hoch frequentierten Strecken zwischen Ballungszentren wie Hamburg, Berlin, Rhein-Main-Gebiet und Ruhrgebiet lohne. Auf weniger befahrenen Strecken könnten Brennstoffzellen-Lkw sinnvoll sein, so das Institut.

Zudem könne ein O-Lkw im Jahr 2030 die CO2-Emissionen gegenüber einem Diesel-Lkw fast halbieren, auch wenn die Fahrzeug- und Infrastrukturherstellung sowie die Stromerzeugung mit eingerechnet werden. Sollte es bis in zehn Jahren gelingen, ein Oberleitungsnetz von 3.200 Kilometern Länge zu errichten, könnten jährlich bis zu 9,2 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, schreibt das Institut. Die Kosten für einen solchen Ausbau taxiert das Ifeu auf insgesamt etwa sieben Milliarden Euro. Das entspreche den aktuellen, jährlichen Einnahmen aus der Lkw-Maut.

Zentral sei die Gestaltung der Einführungsphase. Flottenbetreiber und Hersteller müssten über finanzielle Anreize ermutigt werden, in die Technologie zu investieren. Das könnten beispielsweise eine Kaufprämie oder eine Befreiung von der Lkw-Maut sein. Außerdem müsse es eine Eine „ambitionierte CO2-Bepreisung“ geben. Sie sei das „sinnvollste Instrument für eine nachhaltige und für den Staat kostenneutrale Antriebswende“, so die Forscher.

Autor: Jonas Rosenberger