Der Mercedes-Benz EQC: Elektrische IntelligenzThe Mercedes-Benz EQC: Electric Intelligence

Auf Norwegens Straßen sieht man auch dank eines gut ausgebauten Ladenetzes zahlreiche E-Autos. Bild: Daimler.

| von Yannick Polchow

Norwegen ist bekanntermaßen der feuchte Traum eines jeden Elektromobilität-Enthusiasten. Im nördlichsten Land Skandinaviens kann man Teslas, i3s und Zoes erblicken soweit das Auge reicht. Aktuellen Zahlen des Center of Automotive Managements liegt der Marktanteil von elektrifizierten Fahrzeugen in Norwegen bei atemberaubenden 61 Prozent. Davon wagt man hierzulande momentan noch nicht einmal zu träumen.

Schaut man einmal näher auf die Bedingungen, in dem das E-Auto-Biotop im Königreich gedeihen kann, wundert dieser Durchbruch wenig: Stromer-Kunden müssen keine Mehrwert- und Erwerbssteuer und keine Gebühren für Brücken oder Fähren bezahlen. Und den morgendlichen Stau in der Innenstadt lassen sie links liegen, denn Elektrofahrzeuge dürfen auf der Busspur fahren. Und mit 185 Ladestationen pro 100.000 Einwohnern lässt Norwegen andere europäische Nationen ebenfalls alt aussehen.

Und in Deutschland? Hier hat die Bundesregierung in Person von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nun angekündigt, einem Ladenhüter eine zweite Chance zu geben: Die Kaufprämie für Elektroautos, die ursprünglich nur bis zu diesem Sommer laufen sollte, wird bis ins Jahr 2020 verlängert. Auch eine Verdoppelung der Prämiensumme ist noch in der Diskussion. Längerfristig mehr Geld für die Elektromobilität. Gut so, könnte man nun sagen.

Doch das Zuschussgeschäft hat der E-Mobility in den vergangenen drei Jahren längst nicht den versprochenen Push gegeben. Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zufolge lag der E-Auto-Bestand vergangenes Jahr gerade einmal bei 83.000 Fahrzeugen, Hybride immerhin bei 341.000. Mengen also, die weit jenseits der ihrerzeit von Kanzlerin Angela Merkel anvisierten, aber eigentlich nie wirklich realistischen einen Million E-Autos bis zum Ende der 2010er Jahre liegen.

Mehr Ladeinfrastruktur braucht das Land, meint Redakteur Yannick Polchow.

Wo ist also das große Maßnahmenpaket der Bundesregierung nach norwegischem Vorbild? Ja, es gibt auch für deutsche E-Auto-Besitzer steuerliche Vorteile: So spart sich der E-Mobility-Afficionado beispielsweise zehn Jahre lang die Kfz-Steuer. Auch Flottenkunden profitieren von steuerlichen Vergünstigungen. Doch bei Steuern muss auch von anderer Seite Druck ausgeübt werden: Eine spürbare CO2-Steuer beispielsweise könnte auch die Autokunden, die noch auf Diesel oder Benziner schwören, ins Grübeln bringen. Das hofft sogar der UN-Generalsekretär.

Doch der Schuh dürfte auch und vor allem an anderer Stelle drücken: Um einen wirklichen Markthochlauf von E-Mobilen zu befeuern, muss dringend in die Ladeinfrastruktur investiert werden – nicht nur herstellerseitig. Knapp über 17 000 öffentliche Ladepunkte gibt es derzeit in Deutschland, vom Verband der Automobilindustrie zurecht als „absolut unzureichend“ bezeichnet. Um einen Ausbau des Ladenetzes zu forcieren, müssen schnellstens Genehmigungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden. Ein Vorgehen, das schon vor Jahren hätte in Angriff genommen werden können.

Bis vor ein paar Jahren hätte man die Untätigkeit der verantwortlichen Politiker noch mit der Lobby-Kraft der deutschen Automobilindustrie erklären können. Doch spätestens mit dem strategischen Schwenk Volkswagens in Richtung elektrifizierter Zukunft, dürfte für Verkehrsminister Scheuer die Bahn frei sein, die E-Mobilität in Deutschland endlich nachhaltig zu fördern. Doch der dreht weiterhin nur marginal an den Stellschrauben und trägt in der Öffentlichkeit das Mantra der Technologieoffenheit vor sich her. Das könnte angesichts des Tempos, das andere große Industrienationen wie China oder die USA vorlegen, eine fatale (Nicht-)Entscheidung sein.