Lkw werden vernetzt, elektrisch und autonom

Nicht nur Pkw-Kunden, sondern auch Käufer von Lkw verlangen zunehmend neue Mobilitätsformen. Bild: Tesla

| von Werner Beutnagel

Der Weltmarkt für schwere Lkw wird einer McKinsey-Studie zufolge von heute 170 auf rund 240 Milliarden Euro im Jahr 2030 wachsen, der Gesamtgewinn nehme von 11,2 auf 16,1 Milliarden Euro zu. „Das Umfeld ist für die Hersteller von schweren Nutzfahrzeugen positiv“, erläutert Co-Autor Bernd Heid, Seniorpartner und Leiter des Bereichs Commercial Vehicles bei McKinsey. „Aber der Markt alleine wird es nicht richten. Die zusätzlichen Gewinn- und Umsatzpotenziale müssen erarbeitet werden.“ Nach Berechnungen von McKinsey werden die Hersteller mehr als die Hälfte der neuen Erträge durch neue Technologien erwirtschaften. Connectivity, E-Mobility und autonomes Fahren wirken sich demnach mit 2,7 Milliarden Euro Gewinn auf die Branche aus. 

Ein Ertragsträger sei unter anderem das Geschäft mit E-Bussen: In China waren 2017 rund 80.000 Einheiten verkauft worden, allein in der Metropole Shenzhen seien derzeit 16.000 Elektro-Busse unterwegs. Dies sind mehr Busse als in ganz Europa – sowohl mit E- als auch mit Dieselantrieb.

Dass auch die Käufer von Lkw Wert auf neue Technologie legen, zeigt derweil eine Studie des Beratungsunternehmens Bain & Company. Demnach seien die Gesamtbetriebskosten nach wie vor das wichtigste Kriterium für Lkw-Käufer, gefolgt von Leistung und Ausstattung, Servicequalität, Händlerbeziehung, digitalen Diensten, Umweltaspekten und Markenimage. Groß sei zudem das Interesse an alternativen Antrieben: Rund zwei von fünf Befragten möchten bei der nächsten Investition einen oder mehrere Elektro- oder Hybrid-Lkw anschaffen. „Das Interesse der Lkw-Käufer an alternativen Antrieben ist kein Strohfeuer“, erklärt Bain-Partner Eric Zayer. „Die Kunden wollen Erfahrung mit diesen Technologien zu sammeln, um die Vorgaben des Regulierers zu erfüllen und ihr Umweltimage zu stärken. Entsprechend groß ist die Aufgabe für die Hersteller.“

Die Hersteller sollten, so der Rat der Bain-Experten, den Kundenwunsch nach E-Mobilität ernst nehmen. Gleichzeitig müsse die Branche neue Technologien in ein Gesamtkonzept einbinden, also umfassende Angebote für zukünftige Transportsysteme erarbeiten. Laut der Studie erwartet jeder zweite Lkw-Käufer, dass digitale Plattformen schon in zehn Jahren mehr als 40 Prozent des Frachtvolumens in Europa kontrollieren. Gleichzeitig müsse der Lkw-Handel stärker digitalisiert werden.