Lieber gemeinsam siegen als alleine verlieren

Medienberichten zufolge schmieden die deutschen Autohersteller und Zulieferer derzeit eine Allianz beim autonomen Fahren. Bild: Volkswagen

| von Werner Beutnagel

BMW und Daimler haben bereits im vergangenen Jahr angekündigt, ihre Carsharing-Angebote Car2go und DriveNow zusammenzulegen. Nun bahnen sich Medienberichten zufolge die nächsten Kooperationen an. Zunächst war zu lesen, dass Daimler und BMW auch beim autonomen Fahren gemeinsame Sache machen möchten, inzwischen ist die Rede von einem branchenweiten Bündnis zahlreicher Hersteller und Zulieferer. Die Kooperationen, die noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wären, zeigen deutlich auf, wie sich die Machtverhältnisse im Mobilitätsmarkt inzwischen gewandelt haben.

Die Zusammenarbeit der deutschen Hersteller und Zulieferer wäre, sofern sie denn zu Stande kommt, eine Sensation – aber eben auch eine Reaktion. Eine Reaktion auf die immense Machtposition, die sich branchenfremde Konkurrenten – allen voran die Google-Tochter Waymo – bereits erarbeitet haben. Der US-Konzern hat nämlich, ebenso wie die chinesische Konkurrenz, eine Tatsache früh verstanden: Um autonome Fahrfunktionen oder Mobility Services anzubieten, ist es nicht zwingend nötig, von Grund auf ein eigenes Fahrzeug zu entwickeln und zu produzieren. Knowhow in der Software-Entwicklung und eine direkte Kundenschnittstelle würden für Tech-Unternehmen ausreichen, die Autohersteller zu Zulieferern zu degradieren. In der Beziehung zwischen Waymo und Fiat Chrysler ist es nicht der Autohersteller, der den Ton angibt.

Die deutsche Autoindustrie muss bei Zukunftsthemen zusammenrücken, meint carIT-Redakteur Werner Beutnagel. Bild: Jonas Wresch

Gleichzeitig zeigt jedoch ausgerechnet das IT-Beispiel Apple, dass es der User Experience durchaus zuträglich ist, Hard- und Software aus einer Hand anzubieten und optimal aufeinander abzustimmen. Eben hier liegt die Chance der deutschen Industrie – nicht nur beim autonomen Fahren, sondern auch beim Aufbau gemeinsamer Mobilitätsplattformen, die den logischen nächsten Schritt einer entsprechenden Zusammenarbeit darstellen müssen.

Die Marktchancen eines Konglomerat der deutschen Autoindustrie stehen derweil nicht schlecht – unter anderem aufgrund der Expertise deutscher Zulieferer im Bereich des autonomen Fahrens. Mit Bosch und Continental finden sich gleich zwei Tier-1-Supplier unter den drei patentstärksten Unternehmen, mit Audi auf Rang zwei ist das Treppchen fest in deutscher Hand. Wenn es den hiesigen Unternehmen gelingt, den immensen Wissensschatz schnell auf die Straße zu bringen und einen eigenen Standard zu setzen, müssen sich Konkurrenten aus der IT- und Autobranche warm anziehen. Hierfür ist es jedoch auch nötig, schnell und unbürokratisch agile Strukturen über Unternehmensgrenzen hinweg aufzubauen – etwa in Form von Gemeinschaftsunternehmen wie dem Kartenanbieter Here.

Autonome Fahrzeuge werden in Zukunft auch neue Modelle der Fahrzeugnutzung mit sich bringen, die mit neuen Mobilitätsdiensten kombiniert werden müssen. Hier geht es neben der Schaffung des größten Mehrwertes für den Kunden auch darum, möglichst schnell eine kritische Größe zu erreichen – Mit der Balkanisierung von Mobilitätsdiensten ist weder Kunden noch Anbietern geholfen. Es bleibt zu hoffen, dass die Branche für den Erfolg des Standortes Deutschland auch hier zusammenrückt und ein simples Credo beherzigt: Lieber gemeinsam siegen als alleine verlieren.

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