| von Hilmar Dunker

Daimlers Technologie 6D-Vision wurde jetzt von Bundespräsident Christian Wulff für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. Das Projekt gilt als Grundlage für künftige Sicherheitssysteme des Stuttgarter Autobauers.

Entscheidend für die Reduzierung von Unfällen ist das rechtzeitige Verstehen der oft komplexen Verkehrssituation. Andere Verkehrsteilnehmer müssen in Sekundenbruchteilen erkannt und Kollisionsgefahren zuverlässig ermittelt werden. 6D-Vision bildet erstmalig im Auto die dreidimensionale Wahrnehmung des Menschen und das Erkennen von potentiellen Gefahren auf einer kleinen, leistungsfähigen und serientauglichen Hardware ab.

Analog zum menschlichen Vorbild mit zwei Augen verwendet 6D-Vision dazu eine Stereokamera, aus deren Bildern in Echtzeit die dreidimensionale Geometrie der Situation vor dem Fahrzeug mit Hilfe der bei Daimler entwickelten Algorithmen berechnet wird.  Dr. Uwe Franke vom Entwicklungsteam: „Aufgrund der Leistungsfähigkeit von 6D-Vision können wir den Fahrer gerade in den Situationen unterstützen, die aufgrund der Komplexität des Verkehrsgeschehens besonders unfallträchtig sind, etwa an Kreuzungen oder in Baustellen.“

Das Zusammenführen von räumlicher und zeitlicher Wahrnehmung ermöglicht es, aus einem fahrenden Fahrzeug heraus stationäre von bewegten Objekten zu unterscheiden. Bewegte Objekte, zum Beispiel Kinder, die unerwartet auf die Straße laufen, werden in weniger als 200 Millisekunden wahrgenommen.

Ein aufmerksamer Mensch benötigt dafür mehr als die doppelte Zeit; war er abgelenkt, kommen mindestens weitere 500 Millisekunden hinzu. Eine zusätzliche „Schrecksekunde“ vergeht für die Bewertung der Situation und die anschließende Reaktion.

Rein rechnerisch entspricht eine Sekunde bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h einem Fahrzeugweg von rund 15 Metern. Der Computer arbeitet mehr als doppelt so schnell wie der Fahrer und leitet bereits nach sieben Metern Sicherheitsmaßnahmen ein. Das Fahrzeug kommt beim Notbremsen also mehr als eine ganze Fahrzeuglänge früher zum Stehen. Daimler will die Technologie  zukünftig auch anderen Herstellern zugänglich machen.