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Pierre Clasquin: „Wir wollen Wasserstoff im künftigen Energiemix eine besondere Rolle zukommen lassen.“ Bild: Total

| von Werner Beutnagel

Die Elektromobilität steht kurz vor dem Durchbruch. Für eine Reihe von verschiedenen Playern bringt dies ein hohes Maß an Disruption mit sich: Nicht nur die Hersteller und Zulieferer, sowie verschiedene Mobilitäts- und Aftersales-Player müssen umdenken. Auch das traditionelle Geschäftsmodell von Tankstellen muss auf den Prüfstand. carIT hat mit Pierre Clasquin, VP Electric Vehicle and Charge beim französischen Konzern Total, über die neuen Herausforderungen gesprochen.

Pierre Clasquin: Heute geht man in Frankreich beispielsweise davon aus, dass zu 40 Prozent am Arbeitsplatz, zu 40 Prozent zu Hause, zu 15 Prozent in den öffentlichen Infrastrukturanlagen und nur zu fünf Prozent an einer Tankstelle geladen wird. Die meisten Ladesäulen werden also an anderen Orten als an Tankstellen eingerichtet, da alle Parkplätze für E-Fahrzeuge eine Möglichkeit bieten, unser Angebot auszubauen. Bei Total haben wir verschiedene Ladeanagebote für E-Fahrzeuge, die sich an Unternehmen, Gebietskörperschaften und Privatpersonen richten, mit Lösungen, die den bestimmten Anforderungen angepasst sind. Dieses Komplettangebot ist überall und für alle verfügbar: an den Total-Tankstellen, in Unternehmen, zu Hause und auch auf der Straße, auf öffentlichen Parkplätzen und so weiter.

Die Zukunft wird stärker von geteilten und intermodalen Mobilitätsformen geprägt sein als heute. Wie verändert sich in diesem Zusammenhang die Rolle von Tankstellen?

Unsere Tankstellen sind echte „Orte des Lebens“, die unseren Kunden ein breit gefächertes Produkt- und Leistungsspektrum zur Optimierung des Mobilitätserlebnisses anbieten. Wir beginnen gerade damit, unsere ersten Hochleistungsladesäulen in den Total-Autobahn-Tankstellen in Europa einzurichten. Unser Ziel ist es, bis 2022 Schnellladestationen an den Autobahnen und Schnellstraßen zu installieren, die je nach Fahrzeug in zehn Minuten für 100 Kilometer Reichweite sorgen können. In Westeuropa werden 1.000 Ladesäulen mit einer Leistung bis zu 175 kW in 300 Tankstellen aufgestellt. Das bedeutet, dass man circa alle 150 km eine Ladesäule findet.

Welche Pläne verfolgt Total langfristig im Zusammenhang mit Wasserstoff als Energieträger?

Um unsere Tätigkeit im Bereich der E-Fahrzeuge zu diversifizieren, investieren wir auch in Wasserstoff. Wasserstoff ist ein Energieträger mit hohem Potenzial, mit dem Energie erzeugt werden kann. Wasserstoff ist lagerfähig und führt als Treibstoff zu keinem Kohlendioxidausstoß. Wir wollen Wasserstoff im künftigen Energiemix eine besondere Rolle zukommen lassen. Die Gruppe setzt den Ausbau der Wasserstoff-Tanksäulen im Rahmen des Joint Ventures H2 Mobility Germany fort, das 2015 mit Partnern wie Air Liquide, Daimler, Linde, OMV und Shell für die Einführung eines Netzes aus 400 Wasserstoff‑Ladesäulen in Deutschland gegründet wurde.