Chris Sheldrick 1

what3words-Gründer Sheldrick: „Wir nutzen heute ein Adresssystem, dass im 18. Jahrhundert für die Postzustellung erfunden wurde.“ Bild: what3words

| von Yannick Tiedemann

Im Zuge der hat Daimler die Integration des Navigations-Dienstes „what3words“ bekannt gegeben. Zudem beteiligen sich die Stuttgarter mit rund zehn Prozent am Startup aus London, das ein Dreiwort-Adresssystem entworfen hat.

Per Text- oder Spracheingabe können Mercedes-Kunden mit nur drei Wörtern wie körper.blende.räumen das gewünschte Ziel eingeben, welches sie dann auf neun Quadratmeter genau erreichen können. Wie das innovative Adresssystem genau funktioniert und was what3words in Zukunft erreichen will, hat Gründer und CEO Chris Sheldrick carIT im Interview am Rande der CES in Las Vegas genauer erläutert.

carIT: Herr Sheldrick, worin liegt der spezifische Vorteil Ihrer Idee gegenüber dem seit langem genutzten Adresssystem?

Sheldrick: Das klassische Adresssystem wurde im 18. Jahrhundert erfunden, um Post auszuliefern. Heute, im Jahr 2018 nutzen wir immer noch das gleiche System, aber für einen ganz anderen Zweck: Navigation. Um von A nach B zu kommen ist jedoch eine viel höhere Zuverlässigkeit und Genauigkeit vonnöten, gerade mit der Entwicklung autonomer Fahrzeuge und Taxis. GPS-Koordinaten sind zwar sehr präzise, jedoch 18 Zeichen lang, weswegen es sehr aufwändig und fehlerbehaftet ist, sie in ein Navigationssystem einzugeben. Wir wollten daher ein System erfinden, das über die Genauigkeit von GPS verfügt, aber gleichzeitig einfach zu nutzen ist. Wir haben die Welt in 57 Billionen Quadrate im Format drei mal drei Meter eingeteilt und jedem dieser Quadrate eine Dreiwortadresse zugeteilt. Wenn man also seinem autonomen Fahrzeug sagt „bring mich zu tisch.stuhl.löffel“, wird es die drei Wörter in die zugeordneten GPS-Koordinaten übersetzen und den Nutzer dorthin navigieren.

Mercedes-Benz hat angekündigt, dass what3words Bestandteil des neuen User Interface MBUX in der neuen A-Klasse sein wird. Warum braucht man Ihr System als Teil eines modernen Fahrzeug-Infotainments?

Das neue Mercedes-Infotainment ist unglaublich sprachzentriert. Mercedes-Kunden soll es möglich sein, möglichst natürlich mit dem eigenen Auto sprechen zu können. Doch Spracherkennung hat große Probleme mit Straßenadressen. Wenn ich beispielsweise in London meinem Auto sage „bring mich zur Church Road 5“, dann muss ich durch eine Optionenliste von 14 verschiedenen Straßen namens „Church Road“ durchscrollen – keine wirklich natürliche Konversation. Daher hat Mercedes unsere Idee des hochgenauen, für Sprache optimierte Dreiwort-Adresssystems sehr gefallen. In einem nächsten Schritt müssen wir sicherstellen, das Mercedes-Fahrern bewusst wird, dass ihr Auto über what3words verfügt und wie sie davon profitieren können. 

Um ihr System zum Laufen zu bringen, müssen Sie Ihr Netzwerk schnellstmöglich ausbauen. Wie gehen Sie strategisch vor, Ihre Form der Navigation zu etablieren?

Wir arbeiten daran, so gut wie möglich in das bestehenden Ökosystem integriert zu werden. Neben Mercedes-Benz haben wir mittlerweile 600 Partner, die what3words verwenden. Dazu gehören E-Commerce- und Logistik-Unternehmen, genauso wie digitale Reiseführer und Mobilitätsplattformen. Und zudem ist es wichtig, unsere Nutzer zu aktivieren, sodass sie unser System ausprobieren und merken, wie einfach die Bedienung ist. Den Leuten scheint es zu gefallen, mit nur drei Wörtern ihr Zuhause oder ihren Arbeitsplatz zu finden und es bringt sie zum Lächeln. Niemand hat bisher vergleichbare Gefühle bei der Eingabe von Postleitzahlen oder anderen alphanumerischen Codes gehabt.

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