Zetsche

In Car Office, Concierge-Service, Motion Seating – Dieter Zetsche hatte auf der IFA einige Neuheiten im Gepäck. Bild: carIT

| von Pascal Nagel

„Das autonome Auto gibt seinen Passagieren die Freiheit, ihre Zeit so nutzen, wie sie es wollen. Es wird zur ‚Quality Time Machine'“, erklärt Daimler-Chef Dieter Zetsche während seiner Keynote auf der Internationalen Funkausstellung IFA. Spätestens seit der CES im vergangenen Jahr gelten Autobauer nicht mehr als überraschende Gäste auf Consumer Electronics-Messen.

Zwar ist auf der IFA in Berlin kein Platz für große Ausstellungsflächen der OEMs, eine IAA wird aus ihr nicht werden. Dass die Schau dennoch in der Automobilwelt ernst genommen wird, zeigt die Rede von Zetsche: Gleich mehrere Premieren verkündet er am Freitagabend. Zetsche wartet nicht auf Paris, stattdessen gibt es neue Services in Berlin.

Allem voran stellt Zetsche den Dienst „In Car Office“ vor. Das Angebot basiert auf Microsoft Exchange und unterstützt den Fahrer bei Bürotätigkeiten, die im Auto sonst nur schwer zu realisieren wären. „In Car Office kennt Ihre nächste Telefonkonferenz und wählt sich automatisch ein. Es kennt Ihre Termine und navigiert Sie selbstständig dorthin. Sie müssen nicht einmal daran denken“, erklärt der Daimler-Boss.

Der Service wird im ersten Halbjahr 2017 in den ersten Modellen Einzug halten und sukzessive um weitere Anwendungen ergänzt werden. In China werde etwa die Integration des Messengers WeChat erprobt. Und Zetsche blickt noch etwas weiter in die Zukunft: „Wenn das Auto noch mehr Fahraufgaben übernimmt, dann spricht nichts gegen Videokonferenzen, Skype und Facetime.“ Um diese und weitere Lösungen zu entwickeln wurde erst kürzlich ein neues Forschungs- und IT-Zentrum in Tel Aviv eröffnet.

„Fahrer sollen fitter aussteigen, als sie eingestiegen sind“

Das nächste große Thema des Abends ist die Gesundheit des Fahrers. „Sie wissen ja, wie das ist: Man sitzt beim Frühstück, sitzt am Schreibtisch, sitzt in Konferenzen, auf der Couch und im Restaurant“, so Zetsche. Der Deutsche sitzt im Durchschnitt mehr als sieben Stunden am Tag, sagt er. „Und ich muss zugeben: Lange Autofahrten machen es natürlich nicht besser.“

In der neuen E-Klasse kommt deshalb eine Technologie zum Einsatz, die Daimler „Motion Seating“ nennt. Die Sitze der Limousine stellen permanent sicher, dass der Insasse nicht dauerhaft in einer Position verharrt. In regelmäßigen Abständen verändern Sitzkissen und Lehne dafür leicht ihre Ausrichtung. „So bleibt Ihr Körper in Bewegung“, sagt der Daimler-Chef.

Ohnehin ist Health ein wichtiges Thema für den Firmen- und Markenchef: „Wir möchten, dass jeder Mercedes-Fahrer geistig und körperlich in einem besseren Zustand aussteigt, als er eingestiegen ist.“ Mercedes-Benz-Modelle haben im Bereich Health daher noch mehr zu bieten als die Motion Seats. Das Active Comfort-System passt das Auto jederzeit an die Bedürfnisse des Fahrers an. Das betrifft neben der Klimaanlage auch Massage-Funktionen, Lichtverhältnisse oder Musik. Künftig können auch Informationen von Wearables in die Funktion einfließen.

Ein persönlicher Assistent und weitere Neuheiten

Alles an diesem Abend steht unter dem Leitsatz, das Leben der Autofahrer zu vereinfachen. Neben dem In Car Office und dem Motion Seating stellt Zetsche noch ein gemeinsam mit Bosch entwickeltes Pilotprojekt zum Community-based Parking (einen ausführlichen Bericht über das Vorhaben gibt es hier), den persönlichen Assistenten Mercedes Me Concierge Service sowie die bereits kürzlich kommunizierte In Car Delivery in Smart-Kofferräume vor.

Und zu guter letzt beschwört Dieter Zetsche den auch nach 130 Jahren noch ausgeprägten Startup-Geist des Autobauers und zeigt die App „Pactris“ von drei jungen Daimler-Mitarbeitern. Der Name erinnert nicht zufällig an dem Videospiele-Klassiker Tetris: Während des Einkaufs kann der Nutzer die Barcodes seiner Waren scannen und sich anzeigen lassen, ob und vor allem wie sie in den Kofferraum passen. Aktuell funktioniert die App in Verbindung mit dem Smart, weitere Modelle sollen aber folgen.

„Wir wissen nicht, wie das Autos in zehn Jahren aussieht. Wir wissen aber, dass es sehr nützlich für uns sein wird. Unsere Fahrzeuge haben deshalb längst damit begonnen, ‚Quality Time Machines‘ zu werden“, schließt Dieter Zetsche eine Keynote mit zahlreichen Ankündigungen – und nicht ohne Verweis auf die Nutzfahrzeug-Kollegen und auf Paris.

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