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Der Autoschlüssel habe ausgedient, heißt es bei Bosch, die Zukunft gehöre digitalen Keyless-Systemen.

| von Thomas Kiefer

Wie sich herausstellte, zelebrierte Bosch mit Pauken, Trompeten und Südstaaten-Beerdigungsredner die Bestattung des traditionellen Autoschlüssels, der uns mehr als hundert Jahre begleitete. An seine Stelle trete nun der digitale Autoschlüssel in Form des Systems „Perfectly Keyless“, bei dem sich die Schlüsselfunktionen über eine App ausführen lassen. Dabei soll die Lösung weitaus sicherer sein als herkömmliche Autoschlüssel. Weniger als fünf Sekunden dauert ein Hackerangriff auf ein handelsübliches schlüsselloses Zugangssystem von Fahrzeugen. „Mit unserem Perfectly Keyless-System revolutionieren wir Keyless-Entry-Systeme und schieben dem digitalen Autoklau einen Riegel vor“, verspricht Harald Kröger, Vorsitzender des Bereichsvorstandes von Automotive Electronics bei Bosch.

Um den Zugang zum Fahrzeug zu gewährleisten, erkennt dessen Sensorik das Smartphone des Besitzers und öffnet das Fahrzeug nur für ihn. Ein digitales Schlüsselmanagement verbindet die App und das Fahrzeug über eine Cloud. Der neue Fahrzeugschlüssel im Smartphone funktioniert in Autos, Sharing-Flotten und Nutzfahrzeugen.

Bosch war jedoch nicht das einzige Unternehmen, das sich im „Digital Kindergarten“ mit rund 50 Speakern, 60 Ausstellern und etwa 3.000 Teilnehmern präsentierte. Unter anderem zeigte sich auch der chinesische Autobauer Byton, der die Relevanz digitaler Services im eigenen Fahrzeug hervorhob. „Digitale Kriterien bestimmen bereits die Entwicklung unserer Fahrzeuge. Das Digitale ermöglichte es, das Auto laufend abzugreaten und den neuen Entwicklungen anzupassen, beispielsweise bei einer gemeinsamen Nutzung und der Verwaltung des digitalen Zugangsschlüssels“, erklärt Hanna Schumacher, verantwortlich bei Byton für die Marketingstrategie. Byton sieht sich nicht nur mit seinem Mobilitätsansatz, sondern auch mit seiner Unternehmensstruktur als Vorreiter. „Mehrheitsgesellschafter ist unser Gründerteam, das die Mehrheiten der Unternehmensanteile hält und von Firmen wie BMW, Audi oder Google kommt“, so Schumacher. „Bei Byton konnten wir noch einmal mit einen weißem Blatt neu anfangen. Design und Entwicklung sind schwerpunktmäßig in München angesiedelt. In Silicon Valley wird die Programmierung und Elektronik erstellt.“

„Digitale Transformation ist jedoch kein irgendwann abgeschlossenes Projekt, sondern muss jeden Tag neu gedacht und erfunden werden“, so Sascha Pallenberg, der als Head of Digital Transformation bei der Daimler AG arbeitet. Der ehemalige Blogger rät dabei zu kindlicher Phantasie, um Neues erkennen zu können. „Man muss noch einmal die unbefangene Neugier eines fünf oder sechsjährigen haben, um sich neu zu erfinden. Dabei müssen Fehler ausdrücklich erlaubt sein, wir brauchen eine Unternehmenskultur die Fehler akzeptiert. Fehler können enorm wachsen, wenn man sie nicht frühzeitig macht, dadurch erkennt und klein halten kann“, erklärt Pallenberg. Erfolg mache jedoch oft blind, wie die Industriegeschichte der vergangenen Jahre, etwa in Bezug zu den Telekommunikationskonzernen, zeige. „Das kann auch der Autobranche passieren, wenn sie die Trends nicht erkennt. Wenn jetzt jemand 18 wird und ich zu dem sage, „toll, endlich ein Auto“, dann werde ich da nur verständnislos angesehen. Diese Generation möchte, gerade wenn Sie in Städten wohnt, nicht in erster Linie ein Auto besitzen. Sie möchte Mobilität. Daher entwickeln wir bei Daimler auch neue Mobilitätsdienstleistungen“, so Pallenberg.