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„In unseren Zukunftsszenarien gehen wir klar davon aus, dass sich die Zahl der Motoren weltweit noch erhöhen wird“. Bild: Oliver Lauter

| von Claas Berlin

carIT: Herr Agata, gefahrene und abgefilmte Kilometer gelten mittlerweile als Währung im Segment „automatisiertes Fahren“. Werden Sie künftig auch ins Content-Geschäft einsteigen?

Agata: Klar ist, die Herausforderungen für die Zukunft schaffen wir nicht alleine. Wir werden neue Partner bei der Entwicklung haben. Allerdings: Unser Kerngeschäft als Zulieferer von hochwertigen Automobil-Komponenten werden wir nicht verlassen. Es wird von uns keine Middleware geben, bei der Programmierer über eine Art Appstore unterschiedliche Software zum autonomen Fahren aufspielen können. JTEKT wird auch in Zukunft ausschließlich Komponenten mit der dazu passenden Software anbieten. Allerdings sehen wir als Erfinder der elektrischen Lenkung das automatisierte Fahren als größten Wachstumsmarkt der Zukunft.

Wenn wir vom automatisierten Fahren sprechen, dann heißt das doch aber auch, dass sich die Stückzahlen der Autohersteller in den nächsten 20 Jahren drastisch reduzieren werden.

In letzter Konsequenz bedeutet es, dass kein Auto mehr 23 Stunden am Tag ungenutzt herumsteht. Mit dem automatisierten Fahren kann zum Beispiel ein Fahrzeug, nachdem es seinen Besitzer zur Arbeit gebracht hat, danach acht Stunden lang als unbemanntes Taxi unterwegs sein. Während der Halter nachts schläft, könnte das Fahrzeug als Disco-Shuttle Menschen nach Hause bringen, um dann morgens wieder pünktlich vor der Tür zu stehen. Wenn mehr Fahrzeuge geteilt werden, braucht man in letzter Konsequenz weniger Autos. Allerdings gilt das nur für Premiummärkte wie Europa oder die USA. In Indien wächst die Population extrem an. Schon 2030 wird Indien mehr Einwohner haben als China. In diesem Wachstumsmarkt boomt die Nachfrage nach neuen Autos. Dank unserer Kooperation mit der Marke Suzuki, die in Indien etwa 50 Prozent Marktanteil hat, werden wir unseren Absatz sogar noch deutlich steigern können. In unseren Zukunftsszenarien gehen wir klar davon aus, dass sich die Zahl der Motoren weltweit noch erhöhen wird. Aber die Verbrenner werden immer kleiner. Für uns als Hersteller von Bearbeitungszentren für die Nockenwellen-Produktion hat es zur Folge, dass wir dem Markt kleinere Maschinen anbieten müssen.

Welche Produktinnovationen können wir von JTEKT in den nächsten Jahren erwarten?

Um Fahrerassistenzsysteme in schwere Geländewagen und Limousinen zu implantieren, müssen die OEM von hydraulischer auf elektrische Lenkung umstellen. Hier ist das Problem, dass bei geringen Geschwindigkeiten oder beim Einparken zu wenig Energie vorhanden ist. Auch 48 Volt-Bordnetze würden der Lenkung nur bedingt mehr Energie zur Verfügung stellen. In der JTEKT Pipeline ist deshalb ein Strom Booster. Kurzfristig kann der „JTEKT Auxiliary Power Assist“ die Leistung für elektrische Lenkungen von 12 auf 18 Volt erhöhen. Dieses bei uns intern genannte Projekt Supercap kommt bis zu einer Temperatur von 85 Grad komplett ohne Kühlung aus. Das Ergebnis: Kein Performance-Verlust bei der Umstellung von hydraulischer auf elektrische Lenkung. Die Entwicklung startet, wenn wir positive Resonanz aus den Märkten bekommen. Ungefähr 400 Millionen Dollar müsste JTEKT bis zur Serienreife investieren. Damit ist JTEKT der einzige Zulieferer weltweit, der für alle Fahrzeugklassen elektrische Lenkungen anbieten kann.  

Das Interview führte: Oliver Lauter