Auf ins E-Dorado

In China könnte sich der Wettlauf um die Pfründe der Elektromobilität entscheiden. Bild: Audi

| von Yannick Tiedemann
  

Das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach ermittelt in jedem Jahr den Marktführer in Sachen Elektromobilität. Seit mehreren Jahren gibt es dafür eigentlich nur eine Antwort: China. Das Reich der Mitte ist beim Absatz von Elektrofahrzeugen mit sehr deutlichem Abstand vor den USA und Norwegen führend. Im Gesamtjahr 2018 stiegen die E-Fahrzeug-Verkäufe dort um 62 Prozent auf den Rekordwert von fast 1,3 Millionen Einheiten. Damit kommen 60 Prozent der 2,1 Millionen global abgesetzten E-Autos aus China.

Für die Autohersteller weltweit und ganz speziell für die deutschen OEM ist längst klar, dass sich Wettstreit unter anderem bei neuen Antriebstechnologien in erster Linie in China abspielen wird. „Die Zukunft von Volkswagen wird sich auf dem chinesischen Markt entscheiden“, sagte Konzernchef Herbert Diess zu Beginn des Jahres. Die Bedeutung wird von der Tatsache unterstrichen, dass Diess seit neuestem auch die Führung des China-Geschäfts übernommen hat.

Ein Kernelement der Strategien für China ist für die Autobauer ohne Zweifel die Elektromobilität. BMW kündigte Ende vergangenen Jahres umfangreiche Investitionen in den Ausbau der Produktionskapazitäten im chinesischen Shenyang an. „Wir setzen unsere Wachstumsstrategie für China konsequent um“, betonte BMW-Boss Harald Krüger damals. „Mit kontinuierlichen Investitionen sowie der Entwicklung und Produktion elektrischer Fahrzeuge unterstreichen wir Chinas Bedeutung als dynamischem Wachstumsmarkt für uns.“

Volkswagen und BMW sind freilich nicht die einzigen OEMs, die massiv in den chinesischen Markt für Elektromobilität investieren. Die Nachrichtenagentur Reuters hat errechnet, dass die 29 größten Autobauer weltweit in den kommenden Jahren zusammen rund 300 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung von Batteriezellen und Elektroautos stecken wollen – und davon gehen gut 45 Prozent beziehungsweise 135 Milliarden Dollar nach China. Aus diesem Grund könnten die Ausgaben der ausländischen Hersteller wie Volkswagen, Daimler oder General Motors sogar mit denen der chinesischen OEMs wie SAIC oder Great Wall gleichziehen oder sie gar übertreffen, so die Autoren bei Reuters.

Quelle: Reuters

Investitionsführer auf dem chinesischen Markt ist ganz eindeutig Deutschland, das mit 67,8 Milliarden US-Dollar fast genauso viel Geld nach China pumpt, wie im eigenen Land bleibt (71 Mrd. US-Dollar). An erster Stelle steht dabei der Volkswagen-Konzern, der von seinen 91 Milliarden US-Dollar Gesamtinvestitionen in Elektromobilität gut die Hälfte (45,5 Milliarden) ins Reich der Mitte ableitet. Bis 2022 wollen die Wolfsburger 17 Milliarden US-Dollar in die chinesischen Joint-Venture-Partner SAIC, FAW und JAC für die Produktion von E-Autos investieren.

Vorne mit dabei ist auch Daimler. Bis 2030 will der schwäbische Premium-OEM 130 elektrifizierte Modelle, darunter Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge, auf den Markt bringen. Fast 22 Milliarden US-Dollar, sprich mehr als die Hälfte der insgesamt 42 Milliarden Dollar für Elektromobilität, gehen nach China. Die angesprochene BMW Group befindet sich mit 6,5 Milliarden US-Dollar Gesamtvolumen und einem China-Anteil von 385 Millionen (sechs Prozent) eher im Mittelfeld der Top E-Mobilitäts-Investoren. Die Münchener wollen zusammen mit Partner Great Wall immerhin 770 Millionen US-Dollar in Kleinst-Elektrofahrzeuge investieren.

Bei den Berechnungen hat Reuters indes die Ausgaben von Zulieferern, Technologie-Firmen und großen Konzernen anderer Industrien nicht berücksichtigt. Zudem schränken die Autoren ein, das sich die tatsächlichen Ausgaben der OEMs in Sachen Forschung & Entwicklung, Produktionsanlagen und Beschaffung noch um einiges höher liegen werden. Ein Fakt, der die enormen Ausmaße des E-Mobility-El Dorados in Fernost noch einmal viel stärker unterstreicht.

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