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Jean Leflour (l.): „Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass in Zukunft nur solche Plattformen bestehen können, die agil, flexibel und sehr kurzfristig auf veränderte Anforderungen reagieren.“

| von Yannick Tiedemann

Die Groupe PSA will seine Bemühungen bei der Fahrzeugvernetzung mit einer neuen einheitlichen Plattform auf ein neues Level heben. , die künftig in allen Konzernfahrzeugen verbaut sein soll. Im Interview am Rande der Hannover Messe 2018 sprachen Jean Leflour, Senior Vice President, Connected Vehicle & Services Architecture und Dominique Sahler, Infotainment and Car Connectivity Director, Groupe PSA, über das Konzern-Interesse in China, den Umbau speziell bei Opel und die Anstrengungen, sich vom Autobauer zum Mobilitätsdienstleister zu wandeln. 

carIT: Warum haben Sie sich für den chinesischen ITK-Player Huawei als Partner für die Fahrzeug-Plattform entschieden?

Sahler: Wir haben im Oktober 2016 das Projekt „Connected Vehicle Modular Platform (CVMP)“ ausgerufen. Zu Beginn hatten wir sechs Wettbewerber. Am Ende des Jahres haben wir drei davon in die engere Auswahl genommen. Huawei hat gezeigt, dass ihnen das Thema Agilität am Herzen liegt. Zudem hat sich beim Proof of Concept gezeigt, dass die Kompatibilität zwischen PSA und Huawei recht hoch ist. Das haben wir zu Beginn nicht unbedingt erwartet, da es zwischen europäischer und chinesischer Kultur Unterschiede gibt. In der bisherigen Zusammenarbeit haben sich aber keinerlei Differenzen ergeben. Huawei bietet zeitgemäße Lösungen im Bereich Konnektivität und Sicherheit. Das Unternehmen erfüllt zudem alle technologischen Anforderungen, die wir für die Plattform stellen.

Sie haben die CVMP-Plattform mit der Vorstellung des DS 7 Crossback zuallererst in China eingeführt. Warum der Marktstart zunächst in Fernost?

Der Grund ist, dass wir seit November 2017 den Aufbau der Plattform gemeinsam mit Huawei vorangetrieben haben. Der DS 7 Crossback wurde Anfang 2018 in Europa das erste Mal vorgestellt. Dort aber noch ohne die Plattform. Der kommerzielle Launch in China steht diesen Monat an. So hatten wir noch mehr Zeit zur Finalisierung der Plattform.

Ist der chinesische Markt für PSA mittlerweile wichtiger als andere Absatzmärkte?

Leflour: Die Erwartungshaltung der chinesischen Bevölkerung in den Bereichen Konnektivität und Digitalisierung ist höher als in Europa. Darum bieten wir den Menschen mit der CVMP-Plattform im DS 7 verschiedene Vernetzungsfeatures. Gleichwohl vernachlässigen wir auf keinen Fall den europäischen Markt. Wir sind ein Anbieter, der bereits seit 2004 vernetzte Fahrzeuge anbietet. Die CVMP-Plattform hilft uns dabei, die Konnektivität auf eine neue Stufe zu heben. In Europa gibt es aber bisher noch zu viele lokale Lösungen im Bereich der Fahrzeugvernetzung. Wir möchten eine Plattform-Generation bieten, die skalierbar, modular und offen für Serviceprovider ist.

Konkurrenten wie Daimler und BMW verfolgen ähnliche Konzepte und wollen rund 100 Millionen Nutzer auf ihre jeweilige Plattform ziehen. Welche Nutzerzahlen peilen Sie an?

Jedes unser in Europa produzierten Fahrzeuge wird in Zukunft vernetzt sein. Pro Jahr produzieren wir eine Million Fahrzeuge und werden daher bis zum Jahr 2021 rund drei Millionen Pkw mit der Plattform koppeln.

Zum PSA-Markenportfolio zählt bekanntermaßen ja auch Opel. Gibt es Schwierigkeiten, die Fahrzeuge, die früher mit dem GM-Dienst Onstar ausgestattet wurden, auf die neue Plattform zu überführen?

Leflour: Natürlich müssen wir noch Wegstrecke zurücklegen, aber direkt nach der Übernahme von Opel haben wir damit begonnen, die neu konzipierten PSA-Services in die Opel-Fahrzeuge zu integrieren. Wir sind in der Entwicklung nun recht weit fortgeschritten und werden Mitte 2019 die ersten Opel-Modelle mit unserer Plattform auf den Markt bringen.

Sahler: Wir sprechen bei Opel über drei unterschiedliche Kategorien von Fahrzeugen. Erstens: Wir haben Fahrzeuge im Markt, die bereits mit Services von PSA kompatibel sind. Zweitens: Autos der Marke Opel, die PSA neu entwickelt, werden automatisch mit unseren Plattform-Diensten ausgestattet. Drittens: Bei Fahrzeugen, die in der GM-Ära produziert und mit entsprechender Elektronik ausgestattet wurden, stellen wir sicher, dass der in der EU gesetzlich vorgeschriebene eCall nachgerüstet wird.

Welche Opel-Modelle wurden bisher mit PSA-Technologie ausgestattet?

Leflour: Bisher wurde unsere Technologie in die SUV-Modelle Crossland und Grandland integriert. Der Opel Combo ist das nächste Modell mit Technik von PSA.

PSA möchte ja auch Carsharing-Services über seine Plattform anbieten. In Europa entsteht durch den Zusammenschluss von car2go und DriveNow gerade ein großer Player, auf der anderen Seite bringen sich weltweit operierende Akteure wie Uber und Didi Chuxing in Stellung. Welche Rolle möchte PSA auf diesem Feld einnehmen?

Mit einigen Anbietern wie beispielsweise car2go arbeiten wir ja bereits über unsere Mobilitätsplattform Free2Move zusammen. Unsere Idee dahinter: Verschiedene Mobilitätslösungen orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen der Nutzer und können über eine Plattform gebucht werden – sei es ein Rad für kurze Wegstrecken oder ein Fahrzeug für wenige Stunden. Dieses offene System möchten wir durch Kooperationen mit verschiedenen Partnern weltweit ausbauen.

Lassen sie uns einen Blick in die Zukunft werfen. Glauben Sie daran, dass es in 15 Jahren eine bestimmte Plattform geben wird, auf der alle Services zusammenlaufen oder wird jeder Hersteller seine eigenen Plattformen haben?

Das ist schwer zu beantworten. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass in Zukunft nur solche Plattformen bestehen können, die agil, flexibel und sehr kurzfristig auf veränderte Anforderungen reagieren.

Agilität und Flexibilität sind also wichtige Voraussetzungen, um im digitalen Markt bestehen zu können. Könnte es daher auch dazu kommen, dass sie ihr eigenes Geschäftsmodell mit dem Verkauf von Fahrzeugen überdenken müssen?

Das entscheidende Stichwort lautet Mobilität. Wir sehen uns natürlich nach wie vor als Fahrzeughersteller, aber mittlerweile auch als Mobilitätsdienstleister, der die unterschiedlichen Bedürfnisse seiner Kunden erfüllen möchte. Das umfasst sowohl Fahrzeugverkauf, Carsharing als auch weitere smarte Mobilitätskonzepte.

Das Interview führten: Claas Berlin & Yannick Polchow

Fotos: Claus Dick

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