Ein elektrischer Golf fährt durch Berlin. Im Hintergrund sieht man eine U-Bahn der BVG

Selbst beim Carsharing greifen die Kunden trotz gleicher Kostenstruktur in der Regel zum Verbrenner. Bild: We Share

| von Claas Berlin

Für weitere Strecken nutzen Autofahrer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor weit häufiger als Elektroautos. Das gilt nicht nur für Pkw im Privatbesitz, sondern insbesondere auch für Carsharing-Angebote, bei denen die Kostenstruktur für beide Antriebsarten gleich ist.

Höhere Anschaffungspreise und Unterschiede in den laufenden Kosten zwischen E-Autos und Verbrennern sind laut einer Studie der ZEW Mannheim somit nicht der einzige Grund für die geringe Fahrleistung von Elektrofahrzeugen. Stattdessen dürften auch verhaltensbezogene und nicht-monetäre Faktoren eine Rolle spielen.

Für private Fahrzeughalter sind E-Autos in der Anschaffung – auch nach Einbeziehung der aktuellen staatlichen Förderprämien – meist noch teurer. Die variablen Kosten pro Kilometer liegen laut der Studienautoren jedoch aufgrund des geringen Preises (pro Energieeinheit) von Strom gegenüber Benzin oder Diesel deutlich unter denen herkömmlicher Fahrzeuge.

Wie die Studie zeigt, fahren private Haushalte ihre E-Autos durchschnittlich 13.052 Kilometer im Jahr. Das sind etwa acht Prozent weniger als bei privaten Autos mit Verbrennungsmotoren. Dabei ist die höhere Kilometerzahl herkömmlicher Autos vor allem auf die starke Nutzung von Dieselfahrzeugen zurückzuführen.

Bei Carsharing-Diensten dagegen ist der Unterschied zwischen E-Autos und Autos mit Verbrennungsmotoren noch stärker ausgeprägt: Stromer, welche ganzjährig zur Verfügung standen, erreichen lediglich 21 Prozent der Jahresfahrleistung herkömmlicher Autos. Neben geringeren Fahrleistungen pro Buchung werden Elektroautos an Leihstationen, die Fahrzeuge mit beiden Antriebstechnologien anbieten, auch seltener gebucht als konventionelle Fahrzeuge.

Eine mögliche Erklärung für die geringere Nutzung trotz gleicher Kosten ist laut Studienautoren eine sogenannte Status-quo-Verzerrung. Das bedeutet, dass Nutzer den gegenwärtigen Zustand übermäßig bevorzugen und resistent gegenüber Veränderungen sind. Ein anderer Grund für die Zurückhaltung bei der E-Mobilität könnte Reichweitenangst sein.

„Selbst bei sehr ungünstigen Annahmen zu Reichweite und Lademöglichkeiten von E-Autos könnten zwischen 82 und 92 Prozent der täglich mit Verbrennungsmotoren zurückgelegten Fahrten grundsätzlich auch mit E-Autos bewältigt werden“, sagt Studienautor Martin Kesternich.