Cellular Vehicle to Everything (C-V2X) demonstration: 4-way stop intersection

Audi demonstriert das Potential von Cellular Vehicle to Everything (C-V2X) an einer Kreuzung. Bild: Audi

| von Götz Fuchslocher

Auch wenn die Anzahl der Verkehrstoten seit Jahren durch immer bessere Sicherheits- und Assistenzsysteme sinke, steige die Zahl der Verkehrsunfälle, hört man vom Zulieferer Continental. Besonders betroffen seien schwächere Verkehrsteilnehmer. So waren etwa ein Viertel der vom Statistischen Bundesamt erfassten Verkehrstoten 2017 Radfahrer und Fußgänger. Im Rahmen einer Innovationspartnerschaft zwischen Continental und Vodafone demonstrierten die beiden Unternehmen erst jüngst auf dem Mobile World Congress (MWC) 2019 in Barcelona, wie jährlich tausende Unfälle verhindert werden könnten.

Für schwächere Verkehrsteilnehmer: digitaler Schutzschild

5G ermöglicht Bandbreiten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde und damit beispielsweise Video-Streaming in Echtzeit, weiß man bei Continental. Die Mobilfunktechnologie C-V2X schöpfe mit einer Kombination aus direkter und netzbasierter Kommunikation zwischen Fahrzeugen, Infrastruktur und schwächeren Verkehrsteilnehmern das volle Potenzial vernetzter und intelligenter Mobilität aus. Schon Anfang der 2020er Jahre könnten Autos unterwegs sein, die mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer bieten, meint Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland und ergänzt: „Autos werden zum Smartphone auf Rädern. Mit Sensoren und Kameras, die per Mobilfunk in Echtzeit kommunizieren, vor Gefahren warnen und uns schützen.“

Zu den von Vodafone und Continental erforschten Anwendungsszenarien zählt der digitale Schutzschild. Bild: Continental

Ein Anwendungsszenario ist der digitale Schutzschild, bei dem die Verkehrsteilnehmer mit einem Kommunikationsmodul ausgestattet sind. Im Fall von Radfahrern und Fußgängern etwa mit einem Smartphone, im Fall von Autos mit einem speziellen V2X-Modul. Über eine Basisstation des Mobilfunknetzes tauschen die Verkehrsteilnehmer ihre Position und Fahrtrichtung aus. Stellt das System fest, dass sich die Wege gefährlich kreuzen, wird gewarnt.

Für mehr Schutz von Fußgängern und Radfahrern tragen zudem im Fahrzeug eingebaute Kameras sowie künstliche Intelligenz auf der Netzwerkseite (Mobile Edge Computing) bei, die die Intentionen von Fahrradfahrern oder Fußgängern erkennen. Die anfallenden Daten erfordern laut den Conti-Experten allerdings nicht nur eine intelligente Auswertung, sondern auch eine blitzschnelle Datenübertragung im Millisekunden-Bereich. Dies gelinge durch die Kombination von 5G-Technologie mit Mobile Edge Computing. Mobile Edge Computing entlaste auch die Rechenkapazitäten im Fahrzeug und den übergeordneten Rechenzentren, weiß man beim Zulieferer. Es spare zudem teure Chipsets im Fahrzeug. „Wir haben dieses System im 5G Mobility Lab getestet und die Resultate sind vielversprechend“, erklärt Johann Hiebl, Leiter der Continental Geschäftseinheiten Body & Security und Infotainment & Connectivity.

Marktbeschleunigung: Internationale Tätigkeiten

Im Bemühen um eine unfallfreie Mobilität sind freilich nahezu alle namhaften Player unterwegs. Audi demonstrierte sein Engagement im Bereich V-V2X erst kürzlich auf der CES in einem Showcase mit Ducati, Ford und Qualcomm – mit einem System zum gefahrlosen Linksabbiegen. Die teilnehmenden Fahrzeuge sendeten dazu ihre Positionsdaten an andere Fahrzeuge, in denen bei kritischen Situationen Hinweise im Kombiinstrument erschienen. Eine Szenerie war der in USA gängige 4-Way-Stop. Hier kommunizierten die Fahrzeuge dank C-V2X selbständig miteinander und legten fest, welches Fahrzeug fahren durfte. Im Nahbereich erfolge die C-V2X-Kommunikation direkt von Gerät zu Gerät, hört man von Audi, im Fernbereich nutze man das Mobilfunknetz.

Bereits 2016 haben Audi, BMW, Daimler, Ericsson, Huawei, Intel, Nokia und Qualcomm die globale branchenübergreifende 5G Automotive Association mit dem Ziel gegründet, neue Kommunikationslösungen zu entwickeln, zu testen und zu fördern, die Standardisierung zu unterstützen sowie ihre Markt-Verfügbarkeit und globale Verbreitung zu beschleunigen. Ford kündigte auf der diesjährigen CES an, alle seine US-Fahrzeuge ab 2022 mit C-V2X zu vernetzen. Das französische Système Coopératif SCOOP, das 2014 eingeführt wurde, testet die Vernetzung zwischen Fahrzeugen und die Vernetzung von Fahrzeugen mit ihrer Umgebung unter realen Verkehrsbedingungen. Renault hat dazu eine Fahrzeugflotte von 1.000 Mégane mit dem SCOOP-Protokoll ausgestattet, um die neuen Technologien zur Vernetzung zu testen. PSA bietet seit vergangenem Jahr Besitzern der Modelle Citroën C4 und DS 4 die Möglichkeit, sich am SCOOP-Projekt zu beteiligen. In Spanien startete im letzten Jahr Seat gemeinsam mit dem Telefonkonzern Telefónica einen Testlauf mit C-V2X-Technologie.

Britische Idee: virtuelle Augen und Balkenprojektionen

Projektionen vor dem Fahrzeug zeigen an, ob das selbstfahrende Modell anhalten, beschleunigen oder abbiegen will. Bild: JLR

Eine Idee für die Kommunikation, insbesondere für jene zwischen autonomen Fahrzeugen mit Fußgängern, zeigt Jaguar Land Rover. Der OEM machte bereits im vergangenen Sommer mit der Idee „virtueller Augen“ auf sich Aufmerksam. Im Rahmen eines Forschungsprojekts erhielten selbstfahrende Fahrkokons, so genannte „Pods“, große Anzeigen, die wie Augen aussehen und sich auch so verhalten. Auf diese Weise sollen die autonomen Fahrzeuge etwa am Straßenrand wartenden Fußgängern signalisieren, dass eine Überquerung der Fahrbahn problemlos möglich ist. Aktuelle Studien hätten ermittelt, dass nicht weniger als 63 Prozent der Fußgänger sich darüber Gedanken machen, ob sie in Zukunft die Straßen gefahrlos überqueren können, heißt es dazu. Mit einer Art Blickkontakt zwischen Fahrzeug und Fußgänger soll Vertrauen zwischen den Verkehrsteilnehmern geschaffen werden.

Jüngster Coup des britischen Premiumherstellers in Sachen vertrauenschaffender Interaktion zwischen Fahrzeug und Fußgänger sind Projektionen auf die Fahrbahn, mit denen man an die 2018er-Testreihe mit virtuellen Augen anknüpft. In der Abteilung für Future Mobility Research testeten Ingenieure das neue System mit Hilfe von elektrisch angetriebenen und autonom fahrenden Pods des Herstellers Aurrigo, einem Partner von Jaguar Land Rover im Konsortium UK Autodrive. Durch auf die Fahrbahn projizierte digitale Balken sollen Fußgänger erkennen können, ob das autonom fahrende Modell als nächstes anhalten, losfahren oder nach links oder rechts abbiegen will. Die Abstände zwischen den waagerechten Balken sind variabel, werden während eines Bremsvorgangs immer enger, um sich beim Anhalten nahezu komplett zusammenzuschieben. Beim erneuten Beschleunigen weiten sie sich wieder und vor dem Abbiegen fächern sie in die gewählte Fahrtrichtung aus. Auch hier stand zunächst eine „Vertrauensfrage“ im Raum: Studien haben laut JLR nämlich gezeigt, dass sich 41 Prozent der befragten Fußgänger und Radfahrer weniger sicher fühlen, sobald sie die Straße mit autonomen Fahrzeugen teilen müssen. Wie JLR mitteilt, könnten solche Projektionen in Zukunft sogar dazu genutzt werden, Hinderniserkennung und Reise-Updates mit Fußgängern zu teilen.

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