| von Sebastian Ballhausen

Festverbaut, Saugnapf, Smartphone: Start-Ziel-Navigation findet heute auf einer Vielzahl unterschiedlicher Endgeräte statt. Daran wird sich erst einmal wenig ändern. Dem Trend zur digitalen Konvergenz zum Trotz bevorzugen Verbraucher weiterhin den Gerätetyp, der ihrer Meinung nach am besten dem jeweiligen Einsatzzweck entspricht. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie unter 2000 Anwendern in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. „Sowohl reine Navigationsgeräte als auch Mobiltelefone mit Navigationsfunktion werden sich in Zukunft behaupten können“, sagt Thilo Heyder von der GfK in Nürnberg. Er hat die Befragung im November 2010 durchgeführt. Eine einheitliche Lösung für alle Einsatzszenarien ist tatsächlich nicht in Sicht. Während Smartphones mit GPS-Funktion wegen ihrer Handlichkeit zunehmend als mobile Stadtführer punkten, sind auf längeren Autostrecken am Wochenende und im Urlaub tragbare oder fest installierte Navigationsgeräte für die meisten Fahrer erste Wahl. Die größere Bildschirmdiagonale erlaubt eine wesentlich vielfältigere Kartendarstellung mit mehr Detailinformationen. Auch Peter Schubert, bei der Navigon AG für das Automotive-Geschäft zuständig, sieht eine klare Zweiteilung. Sein Unternehmen bietet neben mobilen Navigationsgeräten auch Softwarelösungen für integrierte Headunits an. „Im Fahrzeug können festverbaute Navigationssysteme und Nachrüstlösungen funktionale Vorteile gegenüber Smartphones verbuchen. Deshalb geht der Trend zum Zweitnavi, das in bestimmten Situationen eine gute Ergänzung sein kann. Zum Beispiel, wenn ich mich zu Fuß auf den letzten hundert Metern in Richtung Ziel bewege.“

bleibt die Hoheit über die elektronischen Orientierungshilfen im Fahrzeug hart umkämpft. Kein Wunder: Nach wie vor zählen Navigationssysteme zu den margenträchtigsten Komponenten, die Automobilhersteller verbauen. Entsprechend hoch ist der Aufwand, den sie auf dem Weg zum vernetzten Fahrzeug jetzt in die Entwicklung neuer Funktionen stecken. BMW zum Beispiel zeigt im März 2011 auf dem Genfer Automobil-Salon eine Roadster-Studie mit weitreichender Smartphone-Integration. Ab Mitte des Jahres bietet Audi im neuen A6 erstmals Online-Verkehrsinformationen an. Mit ihrer Hilfe sollen Fahrer stets die beste Route finden und unvorhergesehene Verzögerungen auf dem Weg vermeiden können. Lieferant dieser Verkehrsdaten ist das US-Unternehmen Inrix. Der Spezialist hat in Europa und Nordamerika ein Echtzeitnetzwerk aufgebaut, in dem mehr als vier Millionen GPS-Signale von Fahrzeugen und Mobilgeräten erfasst sind. Ihre Bewegungsdaten kombiniert Inrix mit Informationen von Flottenpartnern, offiziellen Behörden und Daten von Verkehrsschleifen und -kameras. Auf dieser Basis ermittelt das System optimale Fahrrouten und verlässliche Angaben zu Reise- und Ankunftszeiten. Minutengenau erhalten Autofahrer Kenntnis über Unfälle, Straßenbauarbeiten und andere Vorfälle entlang ihrer Strecke und wissen, wie man diese am besten umfährt. Auch Navigon nutzt Inrix-Daten für seinen „Traffic Live“-Service, der seit Herbst 2009 auf den Premiumgeräten des Unternehmens läuft. „Wir haben ein Modem integriert, das in Verbindung mit einer Roaming-Flatrate der Deutschen Telekom die grenzüberschreitende Nutzung von Verkehrsdaten in Europa zu einem Festpreis möglich macht“, erklärt Peter Schubert. Auch Daten zu Wetter, mobilen Radarfallen, Parkplätzen, Spritpreisen und Events werden in Echtzeit abgerufen. Selbst eine Google-Suche nach Zielen in der Umgebung ist möglich – allerdings keine Telefonie und weitere Internetnutzung: Das Datenvolumen ist begrenzt, weil sonst die Jahrespauschale von rund 50 Euro die Kommunikationskosten nicht abdecken würde. Hersteller wie Navigon wissen allerdings, dass sie sich genau an dieser Stelle bewegen müssen, wollen sie die nachwachsende Autofahrergeneration für ihre Geräte und Lösungen begeistern. Der Zugang zum Internet ist ein entscheidendes Kaufkriterium geworden. Neben der Vernetzung der Navigationsgeräte zeichnet sich ein zweiter wichtiger Trend ab: Festverbaute elektronische Orientierungshilfen werden schon bald auch in der Mittel- und Kompaktwagenklasse zur Serienausstattung gehören, so wie heute Radio und CD-Spieler. Experten rechnen damit, dass sich die Nachfrage nach Geräten mit integrierten Staumeldern mehr als verdoppeln wird.

Autor: Ralf Bretting

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