Eine Hand bedient an einem Tier-Scooter den Geschwindigkeitshebel

Der Markt rund um die elektrifizierten Roller ist hart umkämpft. Der Erfolg der Anbieter hält sich bisher in Grenzen. Bild: Tier

| von Claas Berlin

Im Frühsommer 2019 waren sie in Deutschlands Großstädten plötzlich allgegenwärtig: Elektro-Tretroller. Buchstäblich über Nacht brachten Verleihfirmen ihre batteriegetriebenen Flotten in Stellung. Die am stärksten finanzierten Anbieter sind aktuell Lime (765 Millionen US-Dollar), Bird (548 Millionen US-Dollar) und Voi (168 Millionen US-Dollar).

„Ein harter Verdrängungswettbewerb begann unmittelbar mit dem Startschuss“, sagt Andreas Nienhaus, Partner der Strategieberatung Oliver Wyman. „Nach einem dreiviertel Jahr zeigt sich heute: Das Geschäftsmodell der Mikromobilität wurde teils massiv überschätzt, zahlreiche Anbieter werden verschwinden. Durch Covid-19 wird der Überlebenskampf noch verschärft. Zahlreiche Anbieter mussten ihre Dienste aufgrund der geringen Nachfrage bereits einstellen.“

Den Boom der Roller erklärt sich Nienhaus auch mit dem Mangel an Alternativen: „Viele Investoren sahen in den E-Scootern die neuen Heilsbringer, als sich der Hype um Carsharing abkühlte und auch klar wurde, dass es mit dem autonomen Fahren viel länger dauern wird als bis 2021, wie einst avisiert“, betont der Oliver Wyman-Experte. Klein, flexibel und vor Ort emissionsfrei – die Roller sollten Zubringerverkehr zum ÖPNV ermöglichen und dank niedriger Fixkosten finanzielle Vorteile für die Anbieter bringen. „Tatsächlich ersetzen sie keinen Individualverkehr, sondern Fußgängertum – und die Scooter überfluten die Städte“, so Nienhaus.

Den Analysten zufolge standen jedoch bereits in der Frühphase die Geschäftsmodelle der Anbieter wegen betriebswirtschaftlicher Luftschlösser unter Druck: „Die Kosten des laufenden Betriebs sind höher als angenommen. Anbieter müssen alle zwei bis drei Monate die Flotte tauschen“, betont Nienhaus. Eine Differenzierung der Anbieter sei daher nur über den Preis und in geringem Umfang über die schiere Masse des Angebots möglich.

Coronavirus belastet die Branche

Die Coronakrise kommt zu einer eh schon schwierigen Zeit für die Branche, da die Wintermonate typischerweise schlechter für das Geschäft waren. Im Zusammenhang mit der Pandemie ergeben sich kurzfristig erhebliche Störungen für alle Akteure, die sich nicht nur auf die Einnahmen, sondern auch auf die Finanzierungsrunden auswirken werden, da Investoren Kapital in weniger risikoreichen Sektoren einsetzen, prophezeien die Analysten.

Ein Erfolgsfaktor läge künftig darin, die elektrischen Tretroller besser in multimodale Mobilitätsverbünde zu integrieren, die übersichtlich in nutzerfreundlichen Apps zusammenfließen. Diese Entwicklung zeichnet sich bereits ab: Der Fahrdienstvermittler Uber hat in Lime investiert und fügt E-Scooter zum Leihfahrradgeschäft der Eigenmarke Jump hinzu. Und auch der Uber-Konkurrent Lyft integriert E-Scooter in sein neues Leihfahrrad-Angebot. Nienhaus: „Die Marktführer der Zukunft werden über smarte Kooperationen gemacht und bedient so das stetig steigende Bedürfnis der Kunden an Flexibilität und Spontanität, um von A nach B zu kommen.“

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