Das Display in einem BMW 5er zeigt ein System, um automatisch Abstand zum Vordermann zu halten

Automatisiert über die Autobahn: Neue Regularien sollen in Großbritannien ADAS-Technologien fördern. Bild: BMW

| von Ralf Bretting

In Großbritannien hat die Diskussion, bis zu welchem Grad Autos autonom auf öffentlichen Straßen unterwegs sein dürften, neuen Schub erhalten. Aktuell prüft die britische Regierung Vorschläge, ob Fahrzeuge, die mit neuester Kollisionsvermeidungs- und Spurhaltetechnologie ausgestattet sind, schon ab kommenden Jahr autonom über die Autobahnen des Landes fahren dürfen. Das meldete unlängst die Tageszeitung The Guardian.

Interessant: Die Assistenzsysteme sollen Fahrer eigentlich dabei unterstützen, unfallfrei durch nervige Staus zu navigieren. Verkehrsministerin Rachel Maclean, erst seit Februar 2020 im Amt, erwägt nun, die Technik dafür einzusetzen, um Autos auf der Normalspur – in Großbritannien ganz links – mit bis zu 70 Meilen pro Stunde (rund 110 km/h) autonom fahren zu lassen. Die Fahrzeuge sollen automatisch die Spur halten und selbstständig abbremsen, sobald andere Autos vor ihnen auftauchen.

Großbritannien will Vorreiter werden

Wie zu erwarten war, rückten bei den Regierungsberatungen schnell bekannte rechtliche Fragestellungen in den Mittelpunkt – beispielsweise, wie viel Kontrolle ein Fahrer tatsächlich abgeben darf und wie weit seine Verantwortung reicht, wenn er autonome Funktionen aktiviert. Ministerin Maclean zeigte sich progressiv. Sie glaube, dass ein höherer Autonomiegrad das Fahren sicherer, flüssiger und einfacher machen können. „Großbritannien sollte das erste Land sein, das diese Vorteile erkennt und Hersteller dazu veranlasst, neue Technologien zu entwickeln und zu testen“, lautete ihre Forderung.

Skeptiker hielten in der öffentlichen Debatte dagegen und argumentierten, dass die Automobilbranche insgesamt derzeit unter massivem finanziellen Druck stehe und kaum in der Lage sei, große haftungsrelevante Risiken zu schultern. Experten verwiesen darauf, dass die bisherigen Versuche mit automatisierter Spurhaltetechnik nicht eben beruhigend seien. Die Technik befände sich noch nicht an dem Punkt, an dem man ihr bedingungslos vertrauen können. „ADAS-Technologien funktionieren in 90 Prozent der Fahrzeit – aber das reicht eben nicht aus“, kommentierte zum Beispiel Jim Holder, Redaktionsleiter Automotive bei der Londoner Haymarket Media Group.

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