Ein Kohlekraftwerk böläst Rauch aus einem Schornstein, davor steht ein Windkraftrad.

Solange E-Autos mit Kohlestrom fahren, ist keine Verbesserung des Klimas zu erwarten.

| von Fabian Pertschy

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel bewertet Elektrofahrzeuge momentan nicht als umweltfreundlichere Alternative zu Verbrennern. Aktuelle Studien, die der E-Mobilität eine positive Klimabilanz ausstellen, würden den zunehmenden Stromverbrauch nicht berücksichtigen, erklärt IfW-Forscher Ulrich Schmidt. „Erst wenn die Energiewende weit fortgeschritten ist und der Strom nahezu ausschließlich aus erneuerbaren Energien besteht, ist das Elektroauto klimafreundlicher als moderne Diesel-Fahrzeuge.“

Bisher würden die E-Autos de facto mit 100 Prozent Kohlestrom fahren, da der Anteil erneuerbarer Energie an ihrem Stromverbrauch nicht zur Verfügung steht, um fossile Energieträger zu verdrängen, so Schmidt. Im aktuellen Kiel Policy Brief kommt er zu der Erkenntnis, dass eine vollständige Umstellung allein im deutschen Pkw-Bereich zu einem rund 20 Prozent höheren Strombedarf führen würde.

E-Autos sind für mehr Emissionen verantwortlich

Ohne eine erhöhte Verfügbarkeit erneuerbarer Energien müssten somit verstärkt fossile Energieträger verstromt werden. Elektroautos würden dadurch zu 73 Prozent höheren Treibhausgasemissionen als moderne Diesel-PKW führen. Der Grund: Es ist laut Schmidt klimaschonender, mit erneuerbaren Energien den Anteil fossiler Energieträger im Strommix zu reduzieren, als damit Elektroautos zu betanken.

Der IfW-Forscher fasst zusammen: Nach Schätzungen der EU-Kommission machen fossile Energieträger auch im Jahr 2050 noch einen Anteil von rund 40 Prozent aus. Elektrifizierte Fahrzeuge würden deshalb etwa 300 Gramm CO2 pro Kilometer verursachen, wohingegen moderne Diesel-Fahrzeuge einer von ihm zitierten ADAC-Studie zufolge nur etwa 173 Gramm CO2 emittieren.