Carsharing-Angebote wachsen in der Fläche

Carsharing ist nicht mehr nur ein urbanes Phänomen – auch in ländlichen Gebieten finden sich zunehmend Angebote. Bild: Volkswagen

| von Claas Berlin

Die Zahl der Anbieter ist bundesweit um 45 auf 226 gestiegen. Sie stellen ihre Fahrzeuge inzwischen an 840 Orten in Deutschland zur Verfügung – das sind Nehrke zufolge 100 mehr als ein Jahr zuvor. „Carsharing wächst nicht nur in den Großstädten“, sagte er. „Es ist auch in der Fläche immer stärker verbreitet.“

Allerdings gilt dabei nach wie vor: Je größer die Stadt, umso besser das Angebot. So gibt es Carsharing in 238 Orten zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern – das ist ein Anteil von 46,8 Prozent – und in 445 Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern. Dort ist der Anteil mit 4,3 Prozent erheblich geringer.

Dagegen sind Carsharinganbieter in 77 deutschen Großstädten zu finden – also in fast allen (95,1 Prozent). Bundesweit liegt der Durchschnitt bei nur 7,6 Prozent aller Kommunen. Auf dem Land funktioniert Carsharing Nehrke zufolge wirtschaftlich nach wie vor in der Regel nicht. Häufig würden die Angebote von Kommunen mitfinanziert oder von Vereinen getragen.

Bund und Kommunen sollten überlegen, wie sie Carsharing noch mehr fördern könnten, sagte Kerstin Haarmann, Vorsitzende des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die Anzahl der Pkw in Deutschland deutlich zu reduzieren, gehe nur mit Carsharing. Nehrke sagte, er wünsche sich eine Förderung von Carsharingstationen. Außerdem plädierte er für die Einführung einer City-Maut und höherer Gebühren für Anwohnerparken, um den klassischen individuellen Autoverkehr unattraktiver zu machen.

Die Zahl der Fahrzeuge ist im vergangenen Jahr im Free-Floating-Bereich auf 13.400 gestiegen, 4.400 mehr als ein Jahr zuvor. Grund für die Zunahme sind dem Verband zufolge neue große Anbieter wie Sixt share und We share von Volkswagen. Die Zahl der Fahrzeuge an festen Stationen hat dagegen nur um 800 auf 12.000 zugelegt. E-Fahrzeuge waren mit insgesamt 4.561 noch die Ausnahme, wie Nehrke erläuterte. Für die Anbieter seien sie wegen des vergleichsweise hohen Kaufpreises und des unklaren Wiederverkaufswerts weiterhin ein schwieriges Thema. Sie seien außerdem häufig schlechter ausgelastet. Dennoch geht der Verbandschef davon aus, dass ihr Anteil weiter zunimmt.

Die Zahl der Nutzer im stationsbasierten Carsharing stieg um 60.000 auf 710.000. Bei den Free-Floating-Anbietern ist die Zahl der Nutzer um 230.000 auf 1.580.000 zurückgegangen – Nehrke zufolge „ein rein statistischer Effekt“. Hintergrund ist die Fusion der beiden Branchengrößen car2go und DriveNow zu ShareNow, die ihre Kunden zusammenführen. Dies sei Anfang des Jahres noch nicht abgeschlossen gewesen. Die Statistik berücksichtige nur Kunden, die zum Stichtag 1. Januar 2020 neu registriert waren. Die Gesamtzahl der Nutzer von Carsharingangeboten lag zu Jahresbeginn bei 2.290.000.