| von Hilmar Dunker

Ohne IT wird kein Fahrzeug budgetiert, entwickelt, produziert oder verkauft. Doch die Bedeutung der IT nimmt auch im Produkt selbst zu. Wesentlich über Hard- und Software werden sich die Hersteller zukünftig von ihrem Wettbewerb unterscheiden und ihre Marken prägen. Das Auto wird sich dem Internet komplett öffnen und sich mit seinem Umfeld vernetzen. Dem intelligenten, vernetzen Auto gehört wohl die Zukunft. car-IT hat dazu wichtige Entwicklungschefs der Automobilindustrie befragt. Teil 2: Klaus Draeger, BMW Group, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Entwicklung

Viele der Schritte auf dem Weg haben wir bereits erfolgreich eingeleitet. Schon seit gut 20 Jahren bieten wir Mobilfunk- und Internet-basierte Dienste im Fahrzeug an. Wir sehen uns auf diesem Innovationsfeld als Pionier und Wegbereiter. Wer hätte 1997, als wir unseren Notruf ins Fahrzeug gebracht haben, beispielsweise gedacht, dass heute solche Systeme gesetzlich gefordert werden. Aber wir ruhen uns nicht auf unseren Innovationen aus, sondern entwickeln diese konsequent weiter, was der erweiterte Notruf 2007 mit zusätzlichen Informationen zur Verletzungsschwere unterstreicht. Ähnliches gilt für die weiteren über 50 Funktionen, die wir mittlerweile unter BMW ConnectedDrive und MINI Connected unseren Kunden anbieten können.Das ist möglich, da unsere Fahrzeuge bereits heute hoch vernetzt sind. Entscheidende Faktoren für diese Vernetzung waren, sind und bleiben weiterhin skalierbare Architekturen auf Fahrzeugseite, stabile Standards in allen Bereichen der Vernetzungstechnologie und die Verfügbarkeit entsprechender Infrastruktur. So können wir konsequent unserer Vision vom vernetzten Fahrzeug weiter folgen, der wir in diesem Jahr im Konzeptfahrzeug BMW Vision ConnectedDrive sogar eine sichtbare Form gegeben haben.

Kann das Internet im Fahrzeug helfen, der Vision vom unfallfreien Fahren ein Stück näher zu kommen – Thema Sicherheit?

Die Informations- und Kommunikationstechnologie leistet schon heute einen großen Beitrag zum Thema Sicherheit. Alle relevanten Sicherheitsinnovationen der letzten Jahrzehnte basieren auf Elektronik und Software. Und gerade diesen Systemen ist es zu verdanken, dass die Anzahl der Verkehrstoten 2010 erneut erheblich zurückging. Mit Vernetzungstechnologien kann das Spektrum noch erweitert werden. Das fängt mit besseren – weil schnelleren und umfangreicheren – Verkehrsinformationen und präzisen Gefahrenwarnungen an. Noch diesen Sommer werden wir hier mit der Real-Time Traffic Information einen weiteren entscheidenden Schritt gehen. Großes Potenzial liegt zukünftig in der Car2x-Kommunikation. Wenn Fahrzeuge miteinander oder mit der Infrastruktur Informationen austauschen, kann dies gerade in unübersichtlichen Situationen, die heute noch einen Unfallschwerpunkt ausmachen, die aktive Sicherheit weiter erhöhen. Denn für uns gilt das Motto: Der beste Unfall ist der, der gar nicht passiert.

Welchen Beitrag leistet das vernetzte Auto beim Thema Klima- und Umweltschutz?

Wir waren auch in Sachen Klima- und Umweltschutz Vorreiter mit unserem Maßnahmenpaket Efficient Dynamics, durch das wir es geschafft haben, die Emissionen unserer Flotte innerhalb von 15 Jahren um 30 Prozent zu senken. Eine nächste Generation von Efficient Dynamics wird auch vorausschauendes Energie- und Wärmemanagement beinhalten. Nutzen wir die Basistechnologien für das vernetzte Auto wie Sensoren und das Navigationssystem zur Generierung einer Vorausschau auf die dem Fahrzeug vorausliegende Strecke, können wir Funktionen wie die Motor-Start-Stopp-Automatik, die Bremsenergierückgewinnung oder auch das Energiemanagement von Hybrid- und Elektrofahrzeugen ganz anders und wesentlich effektiver nutzen. Das führt zu weniger Verbrauch, weniger Emissionen und mehr Reichweite für Elektrofahrzeuge.

Steht die individuelle Mobilität vor einem Paradigmenwechsel – entwickeln sich die Automobilhersteller vom Autobauer zum „intermodalen“ Mobilitätsanbieter?

Wir denken dabei langfristig. 2007 haben wir mit unserer Strategie Number ONE die Weichen in dieser Richtung gestellt. Unsere Zielsetzung lautet, der führende Anbieter von Premium-Produkten und Premium-Dienstleistungen für individuelle Mobilität zu sein. An erster Stelle stehen dabei unsere Kunden. Und gerade im städtischen Umfeld wird Intermodalität die individuelle Mobilität der Zukunft prägen. Mit unserer neuen Submarke BMW i setzen wir deshalb ganz bewusst auf Mobilitätslösungen. Dazu gehören nicht nur Fahrzeuge, sondern auch intelligente Mobilitätsdienstleistungen wie beispielsweise das Premium-Carsharing-Angebot DriveNow, das wir zusammen mit unserem Partner SIXT vor kurzem gegründet haben.

 

 

 

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