ID.4-Produktion in Zwickau. Ein Mann arbeitet an einem elektrischen ID.4.

Der befürchtete Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen durch Elektromobilität bleibt laut Studie beim Wolfsburger OEM aus. Bild: Volkswagen

| von Götz Fuchslocher

Zu den Kernaussagen zählen, dass der Abbau von Beschäftigung im Zeithorizont bis 2030 deutlich geringer als befürchtet ausfällt, dass strategische Gegenmaßnahmen etwa durch Erschließung neuer Geschäftsfelder Beschäftigungseffekte im Bereich der Elektromobilität abfedern und ein hoher Initialaufwand bei Digitalisierung zunächst zu mittelfristigem Jobzuwachs führt.

Für aussagekräftige Analysen und Prognosen bedarf es dem Fraunhofer-Institut zufolge konkreter produkt- und prozessbezogener Zahlen, Planungsdaten und fachlicher Einschätzungen aus dem Unternehmenskontext. Diese habe der Volkswagen-Konzern auf Initiative seines Nachhaltigkeitsbeirats erstmals zur Verfügung gestellt, heißt es beim IAO. Im Rahmen der Studie wurden mehrere Standorte analysiert. Das zentrale Ergebnis der Studie lautet: Das immer wieder befürchtete Szenario von massenhaft wegfallenden Arbeitsplätzen bewahrheitet sich aufgrund der Planungen und Szenarien bei Volkswagen nicht. So werden die Beschäftigungsverluste durch Elektromobilität in der Fahrzeugfertigung weitaus geringer ausfallen, als in bisherigen globalen Studien prognostiziert. Stärker betroffen sei der Bereich der Komponentenfertigung, da der Arbeitsaufwand für den elektrischen Antriebsstrang hier im Gegensatz zum herkömmlichen Antrieb sinke.

Die Digitalisierung erfordert entsprechende Ressourcen

Was den zweiten Treiber Digitalisierung angeht, ist der Studie zufolge mittelfristig sogar zunächst mit einem Jobzuwachs zu rechnen, da deren Umsetzung sehr komplex sei und entsprechende Ressourcen erfordere. Dies betreffe vor allem den Bereich der indirekten Beschäftigten.

Es gebe keinen einheitlichen Trend der Beschäftigungsentwicklung für die nächsten zehn Jahre, sagt Florian Herrmann, Projektleiter und Institutsdirektor am Fraunhofer IAO. Michael Sommer, Mitglied des Nachhaltigkeitsbeirats von Volkswagen betont, dass der Wandel infolge der beiden großen Veränderungstreiber Elektromobilität und Digitalisierung beherrschbar sei, wenn er wie im Falle Volkswagens aktiv gestaltet werde. Jetzt gelte es, die vorhandenen Transformationsinstrumente und -maßnahmen in einem weiteren Schritt näher zu untersuchen und weiter auszubauen.

Die am Beispiel Volkswagen erarbeiteten Ergebnisse der Studie zeigen dem IAO zufolge, wie sich unter Anwendung wissenschaftlich gesicherter Methoden die Auswirkungen von Elektromobilität und Digitalisierung auf die Quantität und Qualität der Beschäftigung erheben lassen.

Wir hoffen, dass weitere Unternehmen dem Beispiel VW folgen und so neue Partnerschaften auf Augenhöhe zwischen OEMs, Zulieferern, Wissenschaft und Politik entstehen." Hierbei gelte es neue Wertschöpfungssysteme aufzubauen und das Wissen zu neuen Geschäftsmodellen und Technologien zu teilen und abzusichern, sagt Florian Herrmann.

 

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