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Hans Adlkofer: „Insgesamt gehen wir davon aus, dass wir den Verbrenner noch lange sehen werden, aber eben in elektrifizierter Form.“ Bild: Infineon

| von Christoph Hammerschmidt

carIT: Die Klimakrise rückt die Autoindustrie – und damit Infineons wichtigste Kundenbranche – in den Brennpunkt des politischen Diskurses. Von welchem Szenario geht Infineon aus, wie wird sich die Autobranche entwickeln?

Adlkofer: Ab 2021 werden wir in Europa einen CO2-Ausstoß als Flottenwert von 95 Gramm haben. Die Autoindustrie entwickelt jetzt gerade die entsprechenden Elektrofahrzeuge, um diesen Grenzwert einhalten zu können. Konsequenz aus den politischen Vorgaben ist, dass alle Fahrzeuge elektrifiziert werden, das heißt, wir werden kaum noch Fahrzeuge sehen, die nur mit Verbrennungsmotoren ausgestattet sind. Stattdessen erwarten wir verschiedene Stufen der Elektrifizierung – vom Mild Hybrid mit 48-Volt-Technologie und diversen Hybrid-Implementierungen, wie sie Toyota und andere OEMs einsetzen, bis hin zum Plug-in-Hybrid (PHEV) und zum batterieelektrischen Fahrzeug. Mit diesem Wandel wird ein Anstieg im Halbleiter-Content der Fahrzeuge einhergehen. Dieser Anteil beträgt heute etwa 417 US-Dollar in einem Auto mit reinem Verbrenner; beim PHEV sind es bereits 785 Dollar.

Wie sieht es bei reinen Elektrofahrzeugen aus? Dort wird ein beachtlicher Teil der Elektronik wegfallen, weil die Autos keinen Verbrennungsmotor mehr haben.

Der Wegfall des Verbrenners macht etwa 60 Dollar an Halbleiter-Content aus. Im Gegenzug entsteht durch die Elektrifizierung ein zusätzlicher Bedarf an Halbleitern, der ein Vielfaches davon ausmacht. Das betrifft vor allem Leistungshalbleiter, bei denen Infineon Marktführer ist.

Wie lange werden nach Ihrer Einschätzung überhaupt noch neue Verbrenner-Modelle entwickelt werden? Rückt ein „Peak ICE“ (Internal Combustion Engine) in Sichtweite?

Wir sehen momentan noch weitere Entwicklungen bei der Motorentechnik, um weitere Effizienzreserven zu heben. Insgesamt gehen wir davon aus, dass wir den Verbrenner noch lange sehen werden, aber eben in elektrifizierter Form, das heißt als Hybridantrieb in seinen verschiedenen Abstufungen. Die aktuellen Entwicklungen gehen denn auch weniger in komplett neue Motorsysteme, sondern im Wesentlichen in die Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor, dort werden bei den OEMs noch sehr viele Entwicklungen vorangetrieben. Wir sehen den Peak etwa bei 2025, danach gehen wir von einer Abflachung beim reinen Verbrennungsmotor aus.