Ein computeranimiertes Bürogebäude von Svolt verdeutlich die Baupläne des chinesischen Batteriespezialisten im Saarland

Svolt Energy Technology erreichtet nahe der saarländischen Ortschaft Überherrn ein Batteriezellfertigung. Bild: Svolt

| von Ralf Bretting

Nicht nur in Brandenburg und Thüringen entstehen derzeit neue Gigafabriken, in denen Batteriezellen für E-Elektroautos gebaut werden. Im Saarland siedelt sich nun schon bald der aufstrebende chinesische Hersteller Svolt Energy Technology an, um von dort aus den europäischen Markt zu beliefern. Svolt wird zwei Milliarden Euro investieren und eine Modul- und Packfabrik sowie eine Zellproduktion errichten, die in der finalen Ausbaustufe auf eine Kapazität von 24 Gigawattstunden kommen soll. Damit können zwischen 300.000 bis 500.000 E-Autos versorgt werden. Anke Rehlinger, Wirtschaftsministerin des Saarlandes, bezeichnete die Neuansiedlung als größte Investition in ihrem Bundesland seit dem Bau der Ford-Werke Ende der 1960er-Jahre. Bis zu 2.000 neue Arbeitsplätze werden entstehen.

Hot-Spot für Innovationen

Tobia Hans, Ministerpräsident der Saarlandes
Freut sich über die Zusage von Svolt, künftig E-Autobatterien im Saarland zu produzieren: Ministerpräsident Tobias Hans. Bild: CDU Saarland

„Das Auto ist im Saarland eine der zentralen Stützen des Industriestandortes. Wir wollen beim Strukturwandel der Automobilbranche ganz vorne mitfahren und unser Bundesland zu einem Hot-Spot für Innovation in Europa weiterentwickeln, gerade in und für die Automobilbranche”, sagte Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) bei der offiziellen Bekanntgabe der Entscheidung.

Im Auswahlverfahren nahm Svolt zwischen Oktober 2019 und September 2020 über 30 Standorte in Europa unter die Lupe. Den Ausschlag für das Saarland gab am Ende nicht zuletzt die geografische Nähe zu Frankreich. Im August war durchgesickert, dass Svolt sich einen Großauftrag des PSA-Konzerns sichern konnte und die Batteriezellversorgung unterstützt, bis die Franzosen ab 2022 beginnen, eigene Batteriezellen herzustellen.

Die Batteriezellfertigung mit geplantem Produktionsstart Ende 2023 wird nahe der Ortschaft Überherrn entstehen. Der Spatenstich ist für das dritte Quartal 2021 geplant. Die Modul- und Pack-Fabrik entsteht auf einem 30 Kilometer entfernten, bereits industrialisierten Gelände bei Heusweiler, das für die Modul- und Packfertigung einem Retrofit unterzogen wird. Hier läuft die Produktion Mitte 2022 anlaufen.

2018 offiziell aus dem chinesischen Hersteller Great Wall Motors ausgegliedert, verfügt Svolt über Knowhow im Bereich Batteriesysteme und -management sowie über Kompetenzen bei der Fahrzeugintegration. Im Portfolio finden sich Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP), Lithium-Nickel-Kobalt-Mangan-(NCM)-Batterien, aber auch neuartige kobaltfreie Batterien (NMX).

In zwei großen Forschungs- und Entwicklungszentren in Baoding und Wuxi, China, arbeiten derzeit rund 1.500 Mitarbeiter an umweltschonenden Verfahren. Svolt war das erste Unternehmen, dem es gelungen ist, eine Hochnickelzellchemie ohne Kobalt zu massentauglicher industrieller Serienreife zu bringen. Nickel-Mangan-Batteriezellen verzichten vollständig auf das umstrittene Schwermetall. Sie bestehen zu 75 Prozent aus Nickel und 25 Prozent aus Mangan und werden über eigens entwickelte Doping- und Coating-Prozesse stabilisiert. 2019 meldete Svolt über 550 Patente an.

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