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Wolfgang Wahlster: „Derzeit stehen Firmen bei uns Schlange, um einen Gesellschafteranteil und damit den direkten Zugang zur Spitzenforschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu erhalten.“ Bild: DFKI

| von Werner Beutnagel

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) ist die weltweit größte Einrichtung auf diesem Gebiet. Google, Intel, VW und viele andere Hightech-Konzerne sind Anteilseigener und kooperieren mit dem DFKI in strategischen Bereichen. Einer der Forschungs-Schwerpunkte des Forschungszentrums sind die Grundbausteine autonomer Systeme, die eine ihnen gestellte Aufgabe selbstständig ohne jegliche Fernsteuerung lösen. In Saarbrücken als einer der 6 Niederlassungen des DFKI in Deutschland sprach unser Autor Harald Weiß mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und wissenschaftlichen Leiter des DFKI, Prof. Wolfgang Wahlster.

Wahlster: Autonome Systeme sind in der Tat ein weitaus größeres Feld als nur selbstfahrende Autos. Auch Schiffe, Flugzeuge und Bahnen werden in Zukunft immer stärker autonom agieren, letztlich auch um den Verkehr noch sicherer zu machen. In lebensfeindlichen Umgebungen wie der Tiefsee, dem Weltraum und kontaminierten Gebäuden werden autonome Roboter zum Einsatz kommen. Bei Bergungsarbeiten in Krisengebieten können autonome Systeme helfen, Menschenleben zu retten. Wir haben am DFKI eine allgemeine Referenzarchitektur für autonome Systeme entwickelt und einen Baukasten mit Komponenten für Autopilot-Funktionen inklusive Deep Learning realisiert.

carIT: Haben Sie ein Beispiel dafür?

Wahlster: Für Brasilien haben wir am DFKI Bremen ein erstes Projekt abgeschlossen, bei dem autonome Unterwasserfahrzeuge Gas- und Öl-Pipelines auf die Gefahr von Leckagen überprüfen. Eine Fernsteuerung über Funk ist ja im Meer nicht möglich, so dass die Systeme auf ihre eigene Intelligenz angewiesen sind. Die Systeme wurden von einem Energiekonzern erfolgreich getestet und verfügen auch über eine gewisse Selbstregulation. Wird die Batterie zu schwach, so kehrt das System rechtzeitig zurück zu seiner Docking-Station auf dem Meeresboden, in der Ladevorrichtungen vorhanden sind.

carIT: Wie kommt man von Deutschland aus an ein Projekt in Brasilien?

Wahlster: Das DFKI ist inzwischen auf allen Kontinenten als Center of Excellence bekannt. Wir wurden mehrfach auch von Regierungen gebeten, DFKI-Zweigstellen etwa in China, Korea, Malaysia oder Brasilien zu errichten. Prof. Kirchner vom DFKI Bremen hat in Bahia dem neuen Brazilian Institute of Robotics auch Hilfestellungen in der Startphase gegeben.

carIT: Es gibt besonders intensive Kooperationen des DFKIs mit der Industrie. Wie sieht das konkret aus?

Wahlster: Wir haben arbeiten in mehr als 90% aller unserer über 200 Projekte mit der Industrie zusammen. Derzeit stehen Firmen bei uns Schlange, um einen Gesellschafteranteil und damit den direkten Zugang zur Spitzenforschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu erhalten. Wir haben beispielsweise ein Visualisierungszentrum am DFKI Saarbrücken mit Intel aufgebaut. Nehmen wir als Beispiel Intel. Das Unternehmen hat hier auf dem Campus ein eigenes Gebäude. Wir haben dort auch Mitarbeiter von Intel aus den USA beschäftigt – Sie arbeiten aber hier in gemeinsamen Projekten. Solche Beistellungen von Mitarbeitern haben wir auch mit unseren anderen Gesellschaftern, etwa der Deutschen Telekom. Damit wird der direkte Knowhow-Transfer über Köpfe sichergestellt.