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Zukunftsforscher Lars Thomsen spricht mit carIT über die Tank- und Raststätte im Zeitalter elektrischer Mobilität. Bild: Future Matters

| von Werner Beutnagel

Mit der zunehmenden Verbreitung des elektrisch angetriebenen Autos verändert sich das gesamte Ökosystem der Mobilität. Neue Services gewinnen hierbei ebenso an Gewicht wie neue Player, während der Stand für andere, etablierte Anbieter zunehmend schwerer wird. carIT hat mit Lars Thomsen, Zukunftsforscher beim Think Tank Future Matters, über die Zukunft der Tankstellen gesprochen.

Lars Thomsen: Traditionelle Tankstellen werden uns noch recht lange in den Städten und auf dem Land erhalten bleiben, allerdings ist schon heute die Transformation im Gange. Aufgrund der niedrigeren Kraftstoffverbräuche, aber auch der Veränderung von urbaner Mobilität sinkt der Umsatz mit Kraftstoff seit Jahren kontinuierlich, während die Einzelhandels-Umsätze sowie Gastronomieumsätze steigen. Schon heute konkurrieren Tankstellen, mit Bäckereien, Kiosken und Cafés. Zu den Kunden gehören immer mehr auch Menschen ohne eigenes Fahrzeug. Damit ist es die Aufgabe von Tankstellen-Pächtern, die Attraktivität ihrer Standorte diesem Trend und dem Zeitgeist anzupassen. Mit dem reinen Verkauf von Kraftstoff kann schon heute kaum mehr ein Standort überleben. Allerdings berücksichtigen bislang kaum Tankstellen die Elektromobilität und verzichten damit auf einen Wachstumsmarkt bei Kunden, die längere Verweildauern und entsprechend höhere Konsumpotenziale bringen.

Welche neuen Player werden durch die Elektromobilität zur Gefahr für die derzeitigen Betreiber von Tankstellen?

Einige Hersteller bauen ihre eigene öffentliche Lade-Infrastruktur, beispielsweise Teslas 3.000 Ladepunkte starkes Supercharger-Netzwerk sowie die Destination-Chargers des Herstellers. Die Verweildauer an diesen Ladepunkten beträgt im Durchschnitt mindestens eine halbe Stunde. Hier werden in Zukunft Standorte ausgewählt, die für genau diese Zeitspanne für den Kunden passend oder attraktiv sind. Damit rücken Hotels, Factory Outlets, Einkaufs- und Freizeitzentren und ähnliche Anbieter in den Fokus. Daneben ist die heimische Garage ein nicht zu vernachlässigender Konkurrent der klassischen Tankstelle: Jede Steckdose wird zur eigenen ‚Zapfsäule‘ für den Elektroautofahrer.

Mit welchen Maßnahmen müssen sich Raststätten an Autobahnen auf die Trends zum elektrischen und autonomen Fahren vorbereiten? Über welche Funktionen muss die Raststätte der Zukunft verfügen?

Jede Raststätte braucht schon heute Schnellladestationen, konkret 43 KW Wechselstrom, mindestens 50 KW Gleichstrom, CCS und ChaDeMo. Ein unkomplizierter Zugang, die ‚idiotensichere‘ Aktivierung jeder Ladesäule und klar markierte Flächen, die nicht von Verbrennern blockiert werden, sind aufgrund der europaweit rasant ansteigenden Zulassungszahlen für Elektroautos und Plug-in-Hybrids schon heute unabdinglich. Dies geht einher mit einer entscheidenden Veränderung im Kundenverhalten: Früher fuhr ein Autofahrer an die Tankstelle, weil die Tanknadel Richtung ‚E‘ zeigte. Heute fährt der Fahrer raus, weil sein Display anzeigt, dass dort eine Ladestation und ein gut bewertetes Restaurant zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie innerhalb des Artikels „Neue Energie“ in der neuen Print-Ausgabe der carIT.

 

Im Video: Lars Thomsen auf dem automotiveIT-Kongress 2013

 

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