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Für Nick Heidfeld fühlte sich die Formel E anfangs an wie ein Startup an. Mittlerweile sei die Rennserie jedoch Vorreiter für viele Technologietrends in der Elektromobilität. Bild: Christoph Hammerschmidt

| von Werner Beutnagel

carIT: Warum fährt ein eingefleischter Formel-1-Fahrer jetzt plötzlich elektrisch, was ist dabei anders?

In erster Linie, weil es Spaß macht. Nach der Formel 1 bin ich erst einige Jahre Sportwagen gefahren. Es gab da bereits Diskussionen um die Formel E. Ich dachte erst nicht, dass ich da wechseln würde, aber nach und nach wurden die Informationen zu spannend, um nein zu sagen. Die Formel E gibt es ja erst seit vier Jahren – sie fühlte sich daher anfangs an wie ein Startup, auch das Team war ganz neu. Seit drei Jahren bin ich nun bei Mahindra und baue das mit auf. Aus der Sicht des Fahrers unterscheidet sich die Formel E gewaltig. Was man als Erstes spürt – oder gerade nicht spürt: Der Sound. Der extreme Motorsound der Formel 1 ist so nicht vorhanden. Da muss man sich dran gewöhnen, das funktioniert aber sehr schnell. Interessant daran ist: Man entdeckt neue Geräusche, die vorher überdeckt waren – Reifen, Getriebe, man hört teilweise sogar die Fans.

Welche Elemente eines elektrischen Rennwagens – Batterie, Antrieb, Steuerelektronik etc sind geeignet, in Serienfahrzeuge einzugehen?

Das Thema diskutieren wir auch intern. Gerade Mahindra baut ja schon seit vielen Jahren Elektrofahrzeuge; sie haben übrigens auch Pininfarina gekauft, und ich bin jetzt bei Automobili Pininfarina an der Entwicklung eines Hypersportwagens beteiligt. Hier benutzen wir die gleichen Batteriezellen wie in der Formel E. Der Wagen wird über 1900 PS haben. Bei Mahindra und generell in der Formel E kann man mehr Bauteile für den normalen Straßenverkehr übernehmen, als das bei der Formel 1 der Fall ist. Was die Motoren anbelangt, so müsste ich jetzt die Frage an unsere Techniker weitergeben. Ich sehe immer wieder, dass da viele Teile drin sind, die auch in die Serie einfließen können. Ob man die kompletten Motoren übernehmen kann, das kann ich nicht beantworten, aber ganz sicher haben die Technologien, die in der Formel E entwickelt werden, eine klare Relevanz für den Automobilsektor.

Was müsste sich ändern, damit Elektroautos zum Mainstream werden, woran fehlt es?

Ich glaube, diese Frage wird sich schon in ein paar Jahren nicht mehr stellen. Es gab in den letzten Jahren einen großen Push, und schon bald wird der Zeitpunkt kommen, wo der große Umschwung in Richtung Elektromobilität einsetzt und wir auf den Straßen viel mehr Elektroautos sehen werden. Das hat einmal damit zu tun, dass mittlerweile praktische alle großen Hersteller Elektrofahrzeuge im Programm haben und die natürlich auch vermarkten wollen. Viele Hersteller haben im Vergleich zu Tesla lange hinterhergehinkt, doch jetzt sind sie dabei, aufzuschließen. Das wird natürlich auch befeuert von den Beschlüssen der Regierung in vielen Ländern, den Verbrenner zugunsten der Elektromobilität in den Hintergrund zu drängen. Ich denke, es wird ähnlich laufen wie bei der Formel E, wo vor vielen Jahren die Idee war, zu zeigen, dass Elektromobilität nicht langweilig ist. Diese Vorurteile haben sich mittlerweile komplett erledigt. Man muss den Leuten heute nicht mehr erklären, das Elektroautos spannend sind und sehr schnell sein können. Ich bin davon überzeugt, dass wir in einigen Jahren erheblich mehr Elektroautos auf den Straßen sehen werden.

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