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Kössler über die kommende Premium Platform Electric: „Wir könnten jederzeit die PPE in derselben Größe in Brüssel fahren.“ Bild: Frank Röthel

| von Götz Fuchslocher

Herr Kössler, Sie wollen die Produktivität in den Werken um 30 Prozent steigern. Es gibt Stimmen, die behaupten, allein mit der Umstellung auf die Elektromobilität ließen sich 20 Prozent einsparen. Heißt das, Sie müssen nur noch zehn Prozent in den Werken beisteuern? Oder geht die Rechnung so nicht auf?

(lacht) Sie haben sich die Frage schon selbst beantwortet. Grundsätzlich stimmt das schon. Aber nur, wenn ich die gesamte Prozesskette betrachte. Der Impact auf die einzelnen Werke ist verschwindend gering: Ein E-Auto hat auch vier Räder, Scheiben, Sitze, ein Cockpit. All das muss vormontiert werden. Und in der Montage gibt es noch immer eine Hochzeit. Salopp ausgedrückt: Anstatt einen Verbrenner mit seinem Abgasstrang zu verbinden, verheiraten wir dann zwei Elektromotoren mit einer Batterie. Der Unterschied besteht vielmehr im Bau der Aggregate.

Das Werk in Brüssel musste für die Fertigung des E-Tron massiv umgestaltet werden. Allein 6000 Tonnen Stahl wurden neu verbaut.

Übrigens so viel wie im Eiffelturm …

Also eine beachtliche Menge. Wie nachhaltig ist das? Das Werk stand immer wieder zur Diskussion. Und ein solch komplexer Umbau klingt zunächst nicht nach Sparkurs.

Die Entscheidung pro Brüssel war absolut richtig. Der Auslöser dafür war die Verlegung des A1 nach Spanien, um wiederum dort Synergien mit den  Schwestermodellen zu heben und die Beschaffungsnebenkosten und Logistikströme zu optimieren. Damit wurde das Werk Brüssel frei und seine Größe passte optimal zu unseren Plänen. Selbstverständlich war der Umbau ein großer Aufwand. Aber dafür haben wir jetzt ein CO2-neutrales, modernes Werk – die Prozesse sind durchaus Benchmark. Und die Mitarbeiter brennen regelrecht für das Thema. Wenn man mit den Menschen dort redet, spürt man, mit wie viel Herzblut sie bei der Sache sind.

Auch langfristig? Der E-Tron ist technologisch ein Übergangsmodell auf einer Variante des modularen Längsbaukastens. In Zukunft basieren Elektromodelle bei Audi auf dem modularen Elektrifizierungsbaukasten MEB und der Premium Platform Electric PPE. Sind dann nicht wieder neue Umbauten im Werk erforderlich?

Es wird oft so beschrieben, aber de facto ist es anders. Schauen Sie: Wenn ein neues Produkt etwa auf Basis des modularen Querbaukastens MQB anläuft, dann entwickeln wir die Plattform auch weiter, passen sie an. Das können durchaus massive Veränderungen sein, mit großen Auswirkungen auf die Fertigung. Man könnte die Basis des Audi E-Tron also als PPE1 beschreiben. Der nächste Schritt ist folglich PPE2 – eine Evolution dessen, was wir gerade beim  E-Tron haben. Ergo: Wir könnten jederzeit die PPE in derselben Größe in Brüssel fahren. Theoretisch könnten wir in Brüssel sogar mit relativ geringen Mitteln kurzfristig wieder Verbrenner fertigen.

Das gesamte Interview mit Audi-Vorstand Peter Kössler lesen Sie auf automobil-produktion.de