P90332245_highRes_alejandro-vukotich-1

Vukotich: „Die Zukunft wird deutlich vernetzter und durch Kooperationen geprägt sein.“ Bild: BMW

| von Götz Fuchslocher

Die Entwicklungsgeschwindigkeit beim hat in den letzten Jahren rasant an Fahrt aufgenommen. Nicht zuletzt liegt das an klar erkennbaren Bemühungen von Herstellern wie BMW. Im Interview mit carIT erklärt Alejandro Vukotich, Leiter des Bereichs Entwicklung Fahrerassistenz und Autonomes Fahren bei BMW, dass es bei neuen Technologien künftig nicht mehr ohne Partner gehen wird und welchen Platz sich BMW in der Mobilitätswelt der Zukunft sichern will. 

Wie könnte BMWs Slogan im Jahr 2030 lauten? „Freude am Fahren“ in einer Welt voller autonomer Fahrzeuge ja wohl nicht mehr.

Damit suggerieren Sie einen Widerspruch, den es in unseren Augen nicht gibt. Das autonome Fahren schränkt den Fahrer und damit die Freude am Fahren in keiner Weise ein. Es handelt sich vielmehr um ein Zusatzangebot, von dem der Fahrer Gebrauch machen kann – immer dann, wenn er es möchte. Das könnte zum Beispiel in Stausituationen sein oder auch in Situationen, in denen der Fahrer selber einer anderen Tätigkeit wie beispielsweise E-Mails beantworten lieber nachgehen möchte. Unser Slogan bleibt „Freude am Fahren“ und wird durch das Autonome Fahren noch „freudiger“.

Sie setzen bei der Entwicklung autonomer Fahrsysteme auf ein großes Partnernetzwerk. Mit FCA und neuerdings auch Daimler sind auch zwei Konkurrenten mit im Boot. Inwiefern verändert die neue Mobilität den Wettbewerb innerhalb der Autoindustrie?

Es gibt heute nicht eine Firma, die alle Komponenten und Kompetenzen „inhouse“ hat, die notwendig sind, um automatisiertes Fahren zu ermöglichen. Die einen haben gute Software, aber keine Autos, die anderen Autos und damit ein gutes Sicherheitsverständnis, aber keine Sensoren. Andere haben Mobilitäts-Kunden aber keinen Hardware- und Software-Stack und so geht es weiter. Die Zukunft wird deutlich vernetzter und durch Kooperationen geprägt sein. Diese Kooperationen werden sich über unterschiedliche Branchen erstrecken. So kooperieren wir mit Tech-Unternehmen wie Intel und Mobileye aber auch mit anderen Automobilherstellern wie FCA und Daimler. Am Ende wird es nur wenige solcher Ökosysteme geben, die überleben werden. Zu hoch sind die technischen Herausforderungen und das notwendige Investment.

Wann wird Daimler Teil der Entwicklungsgemeinschaft und inwiefern werden Sie sich hinsichtlich der Technologie, der Patente und Konzepte zum autonomen Fahren austauschen?

Aktuell existiert ein Memorandum of Understanding. Wir sind mit den Kollegen in intensiven Gesprächen und werden bis Mitte des Jahres eine vertragliche Vereinbarung verabschieden. Ziel ist zusammen Level-1- bis Level-4-Systeme der nächsten Generation zu entwickeln, die in der Mitte des nächsten Jahrzehnts marktreif sein sollen.

Wird BMW in Zukunft weiter auf individuelle, auch autonome Mobilität setzen oder steigen Sie über ihr Mobilitäts-Joint-Venture YourNow auch in den Markt für Robotaxis ein?

Die Mobilitätsbedürfnisse unserer Kunden verändern sich. Speziell wenn wir uns die unterschiedlichen Weltregionen und Lebensrealitäten ansehen. Klar ist, dass sich mit den Robotaxis ein neuer Markt auftun wird, den wir als Chance sehen. Wir bereiten uns darauf vor, indem wir die notwendigen Technologien entwickeln. Dazu schauen wir uns auch neue Fahrzeugkonzepte an. Mit unseren „Now“-Marken haben wir heute schon ein Produkt am Markt und Zugang zu unseren Mobilitätskunden. Wann und ob wir einen Robotaxi-Service starten, lässt sich heute noch nicht beantworten. Wir treffen eine Entscheidung dazu, dann wenn die Zeit reif dafür ist.

Sind Sie der Ansicht, dass Sie mit der Konkurrenz der neuen Player um Uber, Waymo oder auch Baidu in China langfristig mithalten können, wenn diese die autonome Mobilität früher oder später in die Breite ausrollen?

Wir glauben, dass der Mobilitätsmarkt der Zukunft sehr groß ist und Raum für unterschiedliche Modelle und technologische Lösungen offenlässt. Es wird nicht die eine Lösung geben, die alle Bedürfnisse abdeckt. Die BMW Group ist für die Zukunft richtig aufgestellt. Wir investieren in Technologie und in Mobilitätsservices, und das in den unterschiedlichen Weltregionen. China wird als Markt, aber auch als Technologie-Standort zweifellos eine große Rolle auf dem Weg zum autonomen Fahren spielen. Wir sind dort seit vielen Jahren stark engagiert. Im Mai 2018 waren wir zum Beispiel der erste ausländische Hersteller, der in Shanghai eine Lizenz zur Erprobung in ausgewählten Bereichen der Stadt erhalten hat. Wir unterhalten BMW Group Tech Offices in Peking und Shanghai und sind seit Juli 2018 Teil der Apollo Initiative, die sich mit allen Aspekten des autonomen Fahrens beschäftigt. Darüber hinaus kooperieren wir mit unterschiedlichen Partnern. Wir fürchten uns nicht vor der Zukunft, wir gestalten diese.

Der Eintrag "freemium_overlay_form_cit" existiert leider nicht.