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Nicole Magiera: „Große Städte brauchen Lösungen, um die Mobilität der Einwohner, Pendler und Unternehmen strategisch planen zu können.“ Bild: Volkswagen

| von Werner Beutnagel

Volkswagen gründete das Data Lab Munich vor fünf Jahren, um mit Hilfe von KI und maschinellem Lernen Daten zu analysieren. Heute hat sich das Data Lab zum KI-Kompetenzzentrum im Volkswagen-Konzern weiterentwickelt. Die rund 80 Fachleute unterstützen andere Konzernbereiche, zum Beispiel durch die Entwicklung von Algorithmen und Quantum Computing. Nicole Magiera ist im Data Lab Teamleiterin für Datenanalysen in urbaner Mobilität und parallel dazu Leiterin Smart City in der Volkswagen Konzern-IT in Wolfsburg.

Nicole Magiera: Bisher waren Städte weniger aktiv in Technologie- und Datenmanagement involviert. Da es keinen unabhängigen Planer gab, ist eine fragmentierte Landschaft von Daten, zum Beispiel von Sensoren, mit kaum kompatiblen Systemen entstanden. Man kann mit integrierten Daten aber verstehen, wie Mobilität funktioniert. Es stellt sich die Frage: Wie können die Verkehrsströme besser gelenkt werden? An dieser Stelle kann die Stadt eine oder mehrere Rollen übernehmen. Als Netzwerkpartner kann die Stadt aktiv ihr Netzwerk beeinflussen und Mauern zwischen Datensilos öffnen, so dass alle Akteure einen Gesamtüberblick bekommen. Die Stadt kann auch über Auftragsvergaben und Vorgaben mitentscheiden, wer aktiv teilnehmen darf und das zu welchen Bedingungen. Und eine Stadt kann selbst zum Kunden von Mobilitätsservices Dritter werden. Sie schaffen sich unter anderem durch EU-Finanzierung ein Budget für neue Initiativen, dazu zählen automatisierte Verkehrssteuerung oder die Digitalisierung des Nahverkehrs. Städte schließen deshalb Partnerschaften mit Technologie- und Serviceanbietern. Auch wir von Volkswagen sind mit vielen europäischen Städten in engem Austausch und bringen unser Know-how ein. Ein Patentrezept gibt es dabei nicht, denn jede Stadt hat unterschiedliche Voraussetzungen. Man muss auf die jeweiligen Bedarfe und Möglichkeiten der vorhandenen Infrastruktur und Technologien eingehen.

Welche Herausforderungen hat die Smart City?

Die Urbanisierung ist die größte Herausforderung: Großstädte wachsen in rasanter Geschwindigkeit und der Trend beschleunigt sich. Dadurch wird die Infrastruktur überlastet, was wir beispielsweise an Stau oder überfülltem Nahverkehr sehen. Große Städte brauchen Lösungen, um die Mobilität der Einwohner, Pendler und Unternehmen strategisch planen zu können. Die Voraussetzung dafür ist ein flexibles digitales System, das auf Daten basiert, idealerweise in Echtzeit. Ein guter Partner für die Daten sind Telekommunikationsanbieter, denn sie können Bewegungsströme über anonymisierte Mobilfunkdaten transparent machen. Das hat aber nichts mit „Big Brother“ zu tun. Denn wichtig ist dabei zu erwähnen, dass es nicht um einzelne Personen geht, sondern solche Daten immer zu anonymen Gruppen zusammengefasst werden. Das nennen wir Aggregation.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Rolle des Datenschutzes?

Der Datenschutz hat oberste Priorität. Zugleich liegt auch häufig ein Missverständnis vor. Man muss in der Granularität der Daten nicht tief gehen, braucht also keine individualisierten Daten, um Bewegungsströme in einer Stadt zu analysieren. Es geht nicht um Einzelpersonen, sondern um Gruppen von Verkehrsteilnehmern. Zum Auswerten von Verkehrsströmen reicht es aus zu wissen, wieviele Menschen sich innerhalb einer halben Stunde auf einem bestimmten Weg bewegt haben – und nicht wer. Solche Daten werden deshalb immer zusammengefasst.

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