Goldene Zeiten mit roten Zahlen

Der Fahrdienstvermittler Uber ist ein begehrtes Spekulationsobjekt an der Börse. Bisher konnte das Unternehmen seine Strahlkraft aber nicht mit schwarzen Zahlen untermauern. Bild: Uber

| von Claas Berlin

Wenn eine Farbe die Bilanzen für aufstrebende Konzerne wie etwa Uber, Lyft oder die des Elektro-Pioniers Tesla in der Vergangenheit dominierte, dann war es Rot. Allein Uber häufte seit seiner Gründung vor zehn Jahren bis zum heutigen Tag rund 13 Milliarden Euro Verlust an.

Auch Rivale Lyft vermeldete bereits einen Monat nach dem Börsenstart im April 2019 tiefrote Zahlen. Dieses Jahr könnte sogar das verlustreichste in der noch jungen Unternehmensgeschichte werden. Unter anderem weil Lyft massiv in Service-Stationen sowie in neue Geschäftsmodelle mit elektrischen Fahrrädern und Tretrollern investiert, summiert sich der Verlust bereits auf 1,1 Milliarden Euro.

Etwas positiver stimmte die Aktionäre die jüngste Entwicklung beim Elektro-OEM Tesla: Der kalifornische Autobauer, der durch die missglückten Tweets seines CEOs Elon Musk im Frühjahr unter US-Börsenaufsicht gestellt wurde, fuhr Ende 2018 immerhin zwei Quartale in Folge Gewinn ein. Anfang 2019 kehrte Tesla jedoch wieder in die Verlustzone zurück.

Doch der Glaube an den Durchbruch neuer Mobilitätsservices und der Elektromobilität ist – allen Unkenrufen und miesen Quartalszahlen zum Trotz – immer noch ungebrochen. Was die Anziehungskraft der Fahrdienste für Investoren in erster Linie ausmacht, ist das starke Wachstum in der Vergangenheit. 2018 stieg der Gesamtumsatz des Uber-Konzerns um 42 Prozent.

Genährt werden die Hoffnungen zudem durch zahlreiche Studien. So prognostiziert die Strategieberatung Oliver Wyman, dass neue Mobilitätsdienste bis zum Jahr 2040 ein Marktpotenzial von 200 Milliarden Euro entfalten könnten. Besonders in den USA und China sei mit deutlichen Gewinnzuwächsen zu rechnen, so die Studienautoren.

Der Boom bei der Elektromobilität sei hingegen schon spürbar, unterstreicht eine Analyse der Managementberatung McKinsey. Allein im vergangenen Jahr ist der Absatz der Stromer um 85 Prozent gestiegen. Damit waren weltweit erstmals mehr als fünf Millionen Elektroautos auf den Straßen unterwegs. Davon hat auch Tesla mit weltweit 240.000 verkauften Stromern im Jahr 2018 ungemein profitiert.

Nach den Prognosen der Unternehmensberatung PA Consulting führen die Kalifornier auch in diesem Jahr den Markt für Elektromobilität an. Dahinter bringen sich aber schon die deutschen Autobauer in Stellung. Ab 2021 werde sich Daimler den Analysten zufolge an die Spitze des E-Auto-Marktes setzen. Auf die Stuttgarter folgen dann BMW, Renault und Volkswagen. Tesla werde hingegen auf den siebten Platz abrutschen. Das alles ist aber natürlich nicht in Stein gemeißelt.

Was die Durchschlagskraft neuer Fahrdienst- und Plattformanbieter angeht, ist die Zukunft noch deutlich ungewisser. „Wer das Rennen letztlich macht, ist derzeit völlig offen“, sagt auch Joris D‘Incà, Partner bei Oliver Wyman. Um die eigene Plattform zum Erfolg zu führen, sei ein hoher Einsatz nötig: „Es gilt alles auf eine Karte zu setzen – auch wenn man dafür über seinen Schatten springen muss.“ Investitionen in die Wertpapiere von Uber, Lyft und Tesla bleiben somit eine riskante Wette.