autonomersupermarkt

Die Supermarktkette Stop & Shop testet in Boston einen selbstfahrenden Lebensmittelmarkt. Bild: Stop & Shop

| von Claas Berlin

Unflexible Öffnungszeiten, lange Warteschlangen an den Kassen oder vergriffene Artikel? Das alles waren Fremdwörter für die Stadtbewohner von Shanghai, die den sogenannten „Moby Mart“ im Sommer 2017 testen durften. Dabei handelt es sich um einen solarstrombetriebenen, autonomen Lieferwagen, der für ein Jahr in der chinesischen Millionenmetropole unterwegs war. Der rollende Supermarkt konnte per App auf einen Parkplatz gelotst werden, um dort einzukaufen – und das rund um die Uhr.

Denn von der Buchung, über das Öffnen der Ladentüren bis zur Zahlung wird im Moby Mart alles per Smartphone abgewickelt. Künstliche Intelligenz überwacht im Mini-Markt zudem laufend den Warenbestand und schickt ihn für Nachschub ins Lager. Menschliches Personal sucht man hier vergebens.

Hinter dem Projekt steckt das schwedische Startup Wheelys, das sein Geld auch mit individuell konfigurierbaren Mini-Café-Fahrrädern verdient. Im Portfolio der Schweden stehen mittlerweile drei verschiedene autonome Lebensmittelshops, die den Markt nachhaltig auf den Kopf stellen könnten.

Die Idee, den Kunden nicht zur Ware, sondern die Ware autonom direkt zum Kunden zu bringen, hat Wheelys aber nicht exklusiv. In Boston startet die US-Lebensmittelkette Stop & Shop einen Testlauf mit autonomen Lieferwagen in Kooperation mit dem Startup Robomart. Das kalifornische Jungunternehmen hat dafür einen vollelektrischen und selbstfahrenden Supermarkt auf Rädern entwickelt.

 „Jahrzehntelang hatten Verbraucher die Möglichkeit, dass ihr lokaler Gemüsehändler und Milchmann von Tür zu Tür kam. Wir glauben, dass wir durch den Einsatz von fahrerloser Technologie dieses Maß an Komfort und Barrierefreiheit wieder herstellen können“, betont Ali Ahmed, einer der Gründer von Robomart.

Werden Geschäftsmodelle mit autonomen Lebensmittel-Lieferanten also bald auch in Deutschland zum Selbstläufer? Eher unwahrscheinlich. Laut Studie der Managementberatung PriccewaterhouseCoopers (PwC) ist bereits der klassische Onlinekauf von Lebensmitteln hierzulande im globalen Vergleich mit 40 Prozent nur unter­durchschnittlich verbreitet. In China sind es mit 88 Prozent mehr als doppelt so viele, die frische Waren über digitale Wege beziehen.