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Im Projekt „Lautlos & einsatzbereit“ setzt die Polizei Niedersachsen auf den Einsatz elektrifizierter Fahrzeuge. Bild: Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen

| von Claas Berlin

„Hybridfahrzeuge sind zu 100 Prozent einsetzbar. Bei reinen Elektroautos liegt die mögliche Elektrifizierungsrate der Gesamtflotte zwischen 40 und 70 Prozent im Einsatz- und Streifendienst, wenn schnelle Gleichstrom-Ladestationen genutzt werden“, sagt Rico Wiersig, zuständig für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte im Dezernat Interdisziplinäres Fuhrparkmanagement. Im Kripo- und Ermittlungsdienst liegt dieses Potenzial bei 60 bis 90 Prozent, weil die Fahrten besser planbar sind. Die Einschränkungen bei Elektroautos wie Reichweite, Höchstgeschwindigkeit und Verfügbarkeit durch lange Ladezeiten spielen hier eine geringere Rolle. Wenn die billigeren, aber langsameren Wechselstrom-Ladestationen genutzt werden, sind die Potenzialraten etwas niedriger.  

Das Bundesumweltministerium und das niedersächsische Wirtschaftsministerium finanzieren das Projekt mit insgesamt 2,3 Millionen Euro. Es begann 2016 und endet im März 2020. Andere Bundesländer setzen zwar auch bereits E-Polizeiautos ein, werten aber ihre Erfahrungen nicht so detailliert und mit einer wissenschaftlichen Begleitung aus, die im Fall Niederschsen durch die TU Braunschweig durchgeführt wird.

Langfristig seien reine E-Autos billiger als Verbrenner und Hybride, da sie zwar höhere Beschaffungskosten, aber niedrigere Betriebskosten hätten, berichtet Wiersig. Das macht die batteriebetriebenen Autos für die Polizei attraktiv. Die Nutzerakzeptanz sei gut, wenn Reichweite und Ladezeit ausreichten. „Da die Fahrzeuge im Antrieb höher motorisiert und daher leistungskräftiger sind, sind sie bei den Kollegen beliebt.“ Negative Erfahrungen haben Polizisten gemacht, die nicht beachtet hatten, dass die Autos grundsätzlich sofort an der Ladestation aufgeladen werden müssen, sobald sie an der Dienststelle geparkt werden. Dabei war die Lernkurve steil, denn den Fehler, das Fahrzeug zu spät aufzuladen, machte keiner ein zweites Mal.

Das größere Problem bildet die Ladeinfrastruktur. Die Ladestationen wurden auf Liegenschaften der Polizei gebaut. Die zuständige Liegenschaftsverwaltung war oft nicht auf die Beschäftigung mit dem Thema vorbereitet oder es standen keine Haushaltsmittel für die sechsstelligen Kosten zur Verfügung. Besonders die teuren Gleichstrom-Stationen können den Landeshaushalt künftig belasten.

Erste Erfahrungen mit der Batterietechnik hat die Polizei Niedersachsen schon seit 2013 im Vorgängerprojekt „Schaufenster Elektromobilität“ gemacht. Es umfasste 38 Elektro- und Hybridautos sowie 48 Ladestationen. Die Fahrzeuge wurden damals aber nur für Stabs- und Lehrgangsfahrten und nicht im Streifendienst eingesetzt. Ein reines Beschaffungsvorhaben zur Förderung der E-Fahrzeuge und Ladestationen ist das Projekt Air, das 2018 startete. Bis Ende 2020 sollen 185 solche Autos und bis zu 188 Ladestationen gekauft werden.

Dagegen hat man in Berlin bisher negative Erfahrungen mit der Elektromobilität für die Polizei gemacht. Elektro-Autos kämen für die Polizei nur eingeschränkt infrage, sagte Innensenator Andreas Geisel. Grund sei die begrenzte „Platz- und Zuladungskapazität“. Da die Anforderungen an die polizeiliche Schutzausrüstung wegen der Terrorgefahr gestiegen sind, müssen mehr Ausrüstungsgegenstände mittransportiert werden, so dass der Platz im Kofferraum und das Gesamtgewicht besonders für E-Autos problematisch geworden sind. Ausschreibungen endeten in Berlin ohne Ergebnis, weil von den Herstellern kein Angebot einging oder die Angebote nicht passten. Wiersig berichtet von ähnlichen Erfahrungen in Niedersachsen, meint aber: „Dieses Problem wird sich durch die E-Initiativen der großen Hersteller nach 2020 erledigen.“