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Die Transportbranche gerät wegen des Fahrermangels und strengen Umweltauflagen immer stärker Druck. Smarte Technologien sollen den Logistikern aber künftig Auftrieb geben. Bild: Daimler

| von Claas Berlin

Dreiviertel des chinesischen Warenverkehrs werden von Lastern bewegt, in Europa und den USA sind es 70 Prozent. Tendenz steigend. Dumm nur, dass es an Fahrern mangelt, Umweltauflagen strenger werden und der Verkehr dichter. Die Transportbranche steht unter Druck. Doch: Glaubt man Marktbeobachtern wird innovative Technik für deutliche Entspannung sorgen – sofern sie genutzt wird. „Obwohl der Transport mit Lkw im Güterverkehr den höchsten Anteil hat, haben die meisten Unternehmen immer noch sehr ineffiziente Prozesse sowie hohe Kosten für ihre Lkw-Flotten und können deshalb ihr Potenzial nicht vollständig ausschöpfen“, bedauert Norbert Dressler, Partner und Leiter des Automotive Competence Center von Roland Berger in der DACH-Region.

Dressler setzt auf autonome Nutzfahrzeuge, Elektrifizierung und Digitalisierung (etwa um Leerfahrten zu vermeiden), die der Branche aus der Bredouille helfen können. Laut einer Studie der Berater könnten durch konsequenten Einsatz smarter Technologien die Betriebskosten um 25 bis 40 Prozent gesenkt werden. Den größten Effekt haben natürlich autonome Lkws. Allein schon mit automatisierten Langstreckentransporten im Konvoi, bei denen die Fracht für die letzte Meile an konventionelle Fahrzeuge übergeben wird, könnten die Kosten pro Kilometer um 40 Prozent gesenkt werden, so die Berater.

Dressler ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass komplett selbst fahrende Lkw zwischen 2025 und 2030 auf der Straße sein werden.“ Laut der Strategieberatung Strategy& kann die Logistikbranche durch Digitalisierung auf allen Ebenen bis 2030 sogar fast die Hälfte aller aktuell anfallenden Kosten einsparen. Dabei miteinbezogen werden allerdings auch Rationalisierungen wie die vollautomatische Lagerbewirtschaftung durch Roboter.

Autonome Brummis an sich würden allein schon konstruktiv beim Kostendrücken helfen: Die Kabine sei mit rund 30.000 Euro eine der teuersten Komponenten, die nun entfiele und der Raum für zusätzlichen Frachtraum genutzt werden könne. „Für Lkw-Hersteller schwindet durch den Wandel zum autonomen Truck die Bedeutung von Ausstattungsmerkmalen und Fahrkomfort – in Zukunft geht es darum, die bessere Kostenbilanz pro Kilometer zu bieten“, so Gerhard Nowak, Partner bei Strategy&.

OEMs scheinen das begriffen zu haben, wie Studien von Daimler & Co. ahnen lassen. Etwa der „Vision Urbanetic“ von Daimler, ein autonom und elektrisch fahrender Lastenesel, auf dessen Plattform flexibel Personen oder Güter transportiert werden können. Oder der autonome E-Truck „Vera“ von Volvo, der eine auf das nötigste reduzierte Zugmaschine ohne Kabine ist. Diese Fahrzeuge machen einfach ihren Job und müssen nicht noch für eine kuschelige Koje sorgen.

Das passt zur Bilanz der Berger-Berater: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten sich Lkw-Hersteller zu Mobilitätsdienstleistern wandeln. Die Ansage: Mit „Mobility-as-a-Service“ lassen sich Kosten sparen und das Geschäft der OEMs zukunftssicher gestalten.

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