Warum Autobauer Patente freigeben

Rund 24.000 Patente aus dem Bereich Hybridantrieb hat Toyota Anfang des Jahres für Mitbewerber freigegeben. Bild: Toyota

Ja, ist denn schon Weihnachten? Autohersteller „verschenken“ wertvolles geistiges Kapital, indem sie Wettbewerbern Patente zugänglich machen. Bedingungs- und kostenlos. Zuletzt überraschte Toyota damit, fast 24.000 Patente aus mehr als 20 Jahren Hybridentwicklung freizugeben. Das Konvolut mit tiefen Einsichten unter anderem zu Elektromotoren, Steuergeräten und der Brennstoffzellentechnologie kann von Wettbewerbern bis zum Jahr 2030 genutzt werden.

Als ob OEMs auf Kuschelkurs in eine Love-and-Peace-Kommune wären, verkündete Toyota-Vorstandsmitglied Shigeki Terashi: „Die Zeit der Zusammenarbeit ist gekommen.“ Die hatte Tesla schon vor fünf Jahren ausgerufen, als Elon Musk theatralisch die neue Brüderlichkeit ausrief: „Alle unsere Patente gehören euch.“ VW öffnet derweil seine Elektro-Plattform der ID.-Baureihe für die Konkurrenz.

Ein altruistischer Akt? Eher nicht. Die Devise der vermeintlich Freizügigen lautet: Teile und herrsche. Volkswagen etwa will seinen Elektro-Baukasten als Industriestandard für Stromer etablieren. Deshalb sind die Wolfsburger bereit, die Technik mit Wettbewerbern zu teilen. Sie bemänteln ihre Aktion erst gar nicht: „Unser Baukastensystem für Elektroautos – der Modulare Elektrifizierungsbaukasten (MEB) – soll ein Standard nicht nur für den VW-Konzern sein“, erklärte Strategiechef Michael Jost gegenüber dem Tagesspiegel. Abgesehen davon schadet es nie, sich als transparentes, kooperatives Unternehmen zu präsentieren – die Marketingexperten vom Mittellandkanal wissen davon mittlerweile ein Lied zu singen.

Toyota wiederum trachtet danach, seine ins Hintertreffen geratene Hybridtechnik zu pushen: Nachdem große Player auf reine Stromer setzen oder andere der Brennstoffzelle noch eine Chance geben, gelten Hybride als Übergangstechnologie. Zwar beherrscht Toyota zu rund 80 Prozent den weltweiten Hybrid-Fahrzeugmarkt, doch die Jahrzehntelange technologische Zugeknöpftheit sorgte auch dafür, dass die Technologie nicht breiter verankert ist. Im Wettlauf um die Antriebstechnik der Zukunft droht eine Vollgasfahrt in die Sackgasse. Wie es aussieht, haben Mazda, Suzuki und – strategisch wichtig – der chinesische Autohersteller Geely bereits angebissen und wollen mit Toyota Allianzen eingehen. Wenn dabei noch der ein oder andere kostenpflichtige Entwicklungsauftrag abspringt, warum nicht? Denn ein Patent allein macht noch kein Fahrzeug. So werden geschickt aus Konkurrenten Kunden.

By the way: VW, Tesla und Toyota haben in Teilbereichen einen technologischen Vorsprung, den sie so nicht aufs Spiel setzen, weil das wirklich Eingemachte weiterhin unter Verschluss bleibt. So sind Patente zur Lithium-Ionen-Batterietechnik aus gutem Grund von Toyotas Charme-Offensive ausgenommen. Riskant ist das Spiel also keineswegs, sondern wohlkalkuliert.

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