Fahrzeugtest im Tüv Süd-Zentrum Heimsheim

Im neuen Zentrum prüft der Tüv Süd Fahrzeuge aller Antriebsarten. Bild: Tüv Süd

| von Michael Vogel

Zwei Jahre Bauzeit und 20 Millionen Euro Investitionen waren am Standort Heimsheim bei Stuttgart erforderlich, bevor der Tüv Süd nun sein neues Mobilitäts- und Antriebszentrum (MAZ) eröffnen konnte. „Es ist das größte unabhängige Prüflabor dieser Art in Europa“, sagt Patrick Fruth, CEO der Division Mobility bei Tüv Süd. Auf sechs Prüfständen lassen sich hier im Drei-Schicht-Betrieb jährlich 25.000 Emissionstests durchführen. Fruth betont, dass sämtliche Antriebsarten – vom Verbrenner über Plug-in-Hybride bis zu reinen Stromern – gemessen werden können. Wenn die Hersteller in einigen Jahren so weit sind, soll noch die Brennstoffzelle hinzukommen. Das Heimsheimer MAZ koordiniert künftig auch das Abgaslabor-Netzwerk von Tüv Süd mit weiteren Standorten im hessischen Pfungstadt und dem tschechischen Roztoky.

Alternative Anforderungen für alternative Antriebe

Pascal Mast, Leiter Operations Automotive Deutschland bei Tüv Süd, weist darauf hin, dass nur Tests auf Rollenprüfständen „wirklich vergleichbare Bedingungen für die existierenden Antriebsarten liefern“. Wie unterschiedlich aufwändig solche Emissionsprüfungen sind, verdeutlicht er mit drei Zahlen für die Typprüfung: „Wenn wir täglich einen Test durchführen, dauert sie bei einem Verbrenner eine Woche, bei einem reinen Elektrofahrzeug zwei Wochen und bei einem Hybrid acht Wochen.“ Schließlich müssen immer sämtliche Energieträger, Fahrmodi und Temperaturbereiche getestet werden.

Bei Fahrzeugen mit rein elektrischem Antrieb sind der Stromverbrauch und die Reichweite die entscheidenden Größen. Damit die Daten reproduzier- und vergleichbar sind, müssen die Prüfer Faktoren wie Temperatur, Ladezustand der Batterie und Rollwiderstand berücksichtigen. Selbst die Rekuperation lässt sich in ein CO2-Äquivalent umrechnen.

Bei einem Plugin-Hybrid führen die Prüfer pro Temperaturvorgabe und gewähltem Fahrmodus jeweils zwei Testläufe durch: den Charge-Depleting- und den Charge-Sustaining-Test. Beim ersteren wird der Fahrzyklus gemäß international verbindlichen Testkriterien so oft gefahren, bis die Batterie leer ist, besser: Bis sie einen als leer definierten Zustand erreicht hat. Beim zweiten Test wird dann mit entladener Batterie gefahren. Um Gesamtverbrauch und Reichweite zu ermitteln, verrechnen die Prüfer schließlich beide Testergebnisse gewichtet miteinander.

Internationale Testverfahren können abgebildet werden

Da die OEMs ihre Fahrzeuge im Idealfall international vermarken, kann Tüv Süd alle internationalen Testverfahren in Deutschland anbieten, besonders für die neben Europa wichtigen Märkte in China, Südkorea und den USA. So erkennen zum Beispiel die chinesischen Behörden Produktkonformitätstest des Tüv Süd an. Dabei handelt es sich um Tests an Serienfahrzeugen, um sicherzustellen, dass auch sie die Grenzwerte der Typzulassung einhalten. Mit dem südkoreanischen staatlichen Messinstitut K-ECO (Korean Environment Cooperation) wiederum hat Tüv Süd bereits seit 2015 eine weitreichende Kooperation: Für diesen asiatischen Markt können europäische OEMs ihre Fahrzeuge zum Beispiel für die Typzulassung bei Tüv Süd prüfen lassen.

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