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Mit einer Flotte von autonomen BMW-5er-Limousinen ist Aptiv bereits in Las Vegas unterwegs. Bild: Aptiv

| von Christoph Hammerschmidt

Aptiv ist ein noch junges Unternehmen, verfügt aber über alte Wurzeln. Die Firma ist im Dezember 2017 aus dem Autozulieferer Delphi hervorgegangen, nachdem dieser sein Powertrain-Geschäft abgespalten hatte. Es mag dem Beobachter vielleicht etwas verwirrend erscheinen, aber die abgespaltene Sparte behielt den eingeführten Markenbegriff Delphi im Firmennamen Delphi Technologies bei. Der weitaus größere Unternehmensteil änderte seinen Namen und firmiert heute als Aptiv PLC mit Unternehmenszentrale im irischen Dublin. Die abgespaltene Firma, die den Namen Delphi in der Welt der Automobilzulieferer am Leben erhält, hat ihren Sitz in London. Delphi soll uns hier nicht weiter beschäftigen, nur noch so viel: Gegründet wurde das Unternehmen Ende der neunziger Jahre von General Motors, was eine ausgeprägte geschäftliche und technologische Bindung an den US-Autobauer vermuten lässt. Nach seinem Börsengang im Jahr 1999 schwamm sich Delphi zunächst von seiner ehemaligen Konzernmutter frei, geriet dann aber bald in schwere See und musste schon 2005 Gläubigerschutz anmelden. Nach weiteren Turbulenzen mit Werksschließungen und Teilverkäufen übernahm eine britische Investorengruppe das Rumpfunternehmen, das seither unter dem Namen Delphi Automotive firmierte. Ende 2017 gliederte man den am traditionellen Geschäft mit Verbrennungsmotoren orientierten Firmenteil aus und gab ihm als Aussteuer den etablierten Namen Delphi mit. Aptiv darf sich dafür um die zukunftsträchtigeren Themenfelder rund um Connectivity und autonomes Fahren kümmern.

Durch die Ausgliederung ist das Unternehmen zwar deutlich geschrumpft, stellt aber im weltweiten Zulieferermarkt immer noch eine solide Mittelmacht dar. Das globale Automobilzulieferer-Ranking des Beratungsunternehmens Berryls Strategy Advisors sieht Aptiv auf Platz 21, gleich hinter Schaeffler, aber deutlich vor altgedienten und bekannteren Namen wie Autoliv, Hella und Brose. In Deutschland zeigt Aptiv an zwölf Standorten Präsenz. Eine dreiköpfige Geschäftsleitung steuert vom Hauptquartier Wuppertal aus die Aktivitäten der deutschlandweit rund 2500 Mitarbeiter – weltweit sind es mehr als 150 000 Beschäftigte. Aptiv gliedert sich konzernweit in zwei Segmente: Signal and Power Solutions kümmert sich um die fahrzeuginterne Datenverteilung und Stromversorgung. Advanced Safety and User Experience entwickelt und fertigt Komponenten und Systeme für Insassenschutz, Komfort und Fahrzeugbedienung. Dazu gehören auch Fahrzeugüberwachung, Infotainment, Datennetze, passive und aktive Sicherheitselektronik, Displays und Systemintegration. Die Aptiv-Ingenieure tüfteln an Techniken zum autonomen Fahren ebenso wie an Leichtbau, Funkentstörung, Infotainment und Software (siehe Interview mit Geschäftsführer Markus Kerkhoff). Sogar eine Lizenz zum Testen autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Raum besitzt das Unternehmen – im Umland östlich von Wuppertal darf Aptiv seine selbstfahrenden Autos erproben.

An der Technikfront tat sich Aptiv in jüngerer Zeit mit zahlreichen Aktivitäten hervor. Einige Beispiele sollen die technische Bandbreite verdeutlichen: So arbeitet das Unternehmen, nach wie vor einer der führenden Player im Bereich Kontakt- und Verkabelungssysteme, bei der Entwicklung der Breitbanddatennetztechnik HDBaseT mit. Ein solches Datennetz ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um im Auto der Zukunft wirklich leistungsfähige Computer miteinander sprechen zu lassen. Ebenfalls im Bereich Kabelsysteme ist eine ganz andere Entwicklung von Aptiv angesiedelt: Mit dem Verfahren Selective Metal Coating (SMC) könnten leichte Aluminiumkabel im Auto die schweren und zudem teureren Kupferkabel ablösen. Bisher führte die Kombination von Kupfer und Aluminium unweigerlich zu Korrosionsproblemen. Mit SMC soll das kein Thema mehr sein. Anwendern winken deutliche Gewichtseinsparungen. Aber damit nicht genug: Vor gut einem Jahr kaufte Delphi ein MIT-Startup namens NuTonomy, das Software für autonome Autos entwickelte. In Deutschland forscht Aptiv in mehreren Projekten am automatisierten Fahren auf Level 3. Und so richtig Aufsehen erregte das Unternehmen – damals noch als Delphi – mit der Aufnahme in das elitäre Trio aus BMW, Mobileye und Intel, die gemeinsam eine Plattform für autonomes Fahren schaffen wollen. Aptiv wird darin die anspruchsvolle Aufgabe der Systemintegration übernehmen. Ein Prototyp der Rechnerplattform ist bereits fertig.

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