Adaptiver Fahrassistent

Fahrerassistenzsysteme sind heute bei vielen Neufahrzeugen Standard, einheitliche Bezeichnungen leider nicht. Bild: Audi

| von Werner Beutnagel
Ein Kommentar von Ralf Bretting

Früher war nicht alles besser, vieles aber deutlich einfacher. In meinem ersten Auto zum Beispiel, einem Datsun Bluebird, gab es ein Ukw-Radio mit Verkehrsfunk. Das war’s in Sachen Connectivity. Seit November letzten Jahres fahre ich einen neuen Audi Q5 mit einer schier endlosen Ausstattungsliste: Audi pre sense city, Audi connect Notruf und Services inklusive Fahrzeugsteuerung, Lane Assist, kamerabasierte Verkehrszeichenerkennung, Einparkhilfe plus, Assistenzpaket Tour, ACC plus, MMI Navigation, und, und, und… Ich habe brav gelernt und spreche inzwischen ganz gut Audi. Heißt: Ich kann Mitreisenden das Technik-Kauderwelsch so übersetzen, dass sie es verstehen, wenn sie Autos anderer Marken fahren. Denn bei Mercedes, Volkswagen oder BMW tragen die Fahrerassistenzsysteme und der übrige Schnickschnack natürlich andere Namen.

Für die Wahl eines Assistenzsystems im Auto sollte man kein Wörterbuch benötigen, findet Ralf Bretting, stellvertretender Chefredakteur von carIT. Bild: Klaus Michelmann

War ein Sicherheitsgurt früher in jedem Modell noch einfach ein Sicherheitsgurt, schlägt das Marketing heute gnadenlos zu und preist die neuesten technischen Errungenschaften mit einer wahren Begriffskanonade an. Der US-Automobilclub AAA hat die 2018er-Modelle von 34 Automarken untersucht und ist dabei auf 40 verschiedene Bezeichnungen allein für den Notbremsassistenten gestoßen. Es gibt also Hersteller, die muss man zu den Wiedertäufern zählen. Intelligent Brake, Pre-Safe-Bremse, Front Assist – meint alles mehr oder weniger dasselbe. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die adaptive Geschwindigkeitsreglung, für die 20 unterschiedliche Bezeichnungen kursieren, sowie der Spurhalteassistent mit 19 Namen.

Die vom AAA geäußerte Kritik erscheint mehr als berechtigt: Für Käufer von Neufahrzeugen ist es wichtig, die einzelnen Funktionen genau zu verstehen. Angesichts der Vielfalt an Marketingbegriffen, die aktuell im Umlauf sind, war es aber noch nie so schwierig auf einen Blick zu erkennen, welche technischen Merkmale ein in Betracht gezogenes Modell auszeichnen und wie sie genau funktionieren. Durch die Cockpits weht ein Hauch babylonischer Sprachverwirrung. Dass Branchenverbände und Regulierungsgruppen es nicht schaffen, für leicht verständliche und einheitliche Bezeichnungen zu sorgen, macht die Sache nicht besser. Wer heute einen Neuwagen kauft, benötigt leider ein Wörterbuch – am besten ein deutsch-englisches. Vielleicht tut es aber auch eine smarte App – Intelligent Babelfish, AI Translate plus, Active Mymanu oder so…

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