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Der Parkroboter „Stan“ bugsiert Fahrzeuge automatisch zu ihrem Stellplatz. Bild: Stanley Robotics

| von Werner Beutnagel
Ebenfalls kein Vergnügen: Die Parkplatzsuche auf dem Weg in den Flieger – oftmals unter Zeitdruck Das autonome Fahren könnte Abhilfe schaffen Die Entwicklung dauert jedoch noch einige Jahre, wenn nicht sogar Dekaden Doch bereits heute arbeiten findige Flughäfen daran, dem Besucher das eigene Fahrzeug schnell abzunehmen – mit Hilfe von Parkrobotern

Der Parkroboter Ray hebt Fahrzeuge von der Seite an. Bild: Serva Transport Systems

Am Flughafen Düsseldorf etwa übernimmt der von der oberbayrischen Firma Serva Transport Systems entwickelte Roboter „Ray“ den Parkvorgang für die Gäste. Diese müssen ihr Fahrzeug lediglich in einer Übergabestation abstellen, den weiteren Parkvorgang übernimmt das autonome System, das äußerlich einem Gabelstapler ähnelt. Durch den automatischen Transport sollen Kunden Zeit und Parkhausbetreiber Platz sparen. Durch die Verknüpfung von Flug- und Parkdaten steht das eigene Auto bei Ankunft sofort bereit, so das Versprechen des Anbieters. Seit 2014 ist das System am Düsseldorfer Flughafen im Einsatz, seit 2017 in seiner aktuellen Generation.

Den Betrieb des Systems übernimmt die SITA Airport IT GmbH unter der Marke „Parkvogel“ in einem gesonderten Parkbereich. Fluggäste können über ein Online-Buchungssystem im Vorfeld der Reise einen Stellplatz buchen und ihr Fahrzeug in einer von sechs Übergabeboxen abstellen. Über einen Touchscreen werden die Flugdaten erfasst und der Transport des Autos zu einem der 267 autonomen Stellplätze beginnt. Eine Schlüsselabgabe ist nicht nötig, da Ray das Auto transportieren kann, ohne dass ein Zugriff auf das Interieur notwendig ist. Um die Umrisse des Fahrzeugs zu erkennen, werden durch die integrierten Laser rund 200.000 Messpunkte ausgewertet. Ist dies geschehen, passt Ray seine Länge automatisch den Gegebenheiten an und hebt mit Hilfe seiner Metalarme die Räder des Fahrzeugs an. Beim Transport prüft das System pro Sekunde rund 100 Mal, ob der geplante Fahrweg frei ist und kommuniziert pro Einlagerung 6.000 Mal mit der Leitsteuerung, um die kostbare Ladung an den geplanten Stellplatz zu befördern. Die eigene Position erfasst das bis zu elf Stundenkilometer schnelle Systeme mit einer Genauigkeit von vier Millimetern.

Durch Technologien aus der Materiallogistik könne Ray, so die Aussage von Serva Transport Systems, geeignete Flächen nutzen, um bis zu 60 Prozent mehr Fahrzeuge unterzubringen als in traditionellen Parkhäusern. Möglich macht dies einerseits die hohe Beweglichkeit des Roboters, der sich auf der Stelle um 360 Grad drehen kann, andererseits ein Algorithmus, der die Fahrzeuge nach Größe und Abholzeit sortiert und in seitlichen „Stacks“ nebeneinander positioniert. Da die Türen der geparkten Autos durchgehend geschlossen sind, kann so wertvoller Parkraum gespart werden.

Seit 2017 kommt Ray auch im Audi-Werk Ingolstadt serienmäßig zum Einsatz. Die Parkroboter übernehmen hier die automatische Zwischenlagerung von Fahrzeugen, die für die Bahnversendung bestimmt sind. Nach der Produktion werden die Modelle des Ingolstädter Herstellers hierfür ebenso wie am Flughafen in Düsseldorf an Übergabestationen abgestellt und von hier aus automatisch weitertransportiert.

Mit Hilfe der Parkroboter soll sich die genutzte Fläche deutlich reduzieren lassen. Bild: Stanley Robotics

Ähnlich wie Ray funktioniert auch der äußerlich etwas freundlicher daherkommende Parkroboter Stan. Auch Stan nimmt Pkw in einer Übergabebox in Empfang und transportiert diese platzsparend in ein Parkareal, zu dem menschliche Fahrer keinen Zugang haben. Anders als Ray platziert sich der britische Roboter aber in Längsrichtung zum Fahrzeug. Betreut wird Stan vom Team des 2015 gegründeten Unternehmens Stanley Robotics aus Paris. Bereits ein Jahr später wurde die zweite Generation von Stan am Flughafen Charles de Gaulle erprobt, 2017 kamen Auslieferungen an den Flughafen Saint-Exupéry in Lyon hinzu, wo der wetterfeste Roboter seit 2018 im Außeneinsatz tätig ist. Doch damit ist die Reise von Stan noch nicht beendet: Auch am Londoner Flughafen Gatwick soll der Robo-Parker künftig zum Einsatz kommen.