Mobilitaetsplattform_Blockchain

Dass die Mobilität der Zukunft kein Egotrip mehr sein und auf multimodalen Plattformen und Ökosystemen aufbauen wird, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Reisende wollen mit verschiedenen Verkehrsmitteln komfortabel und so schnell wie möglich von A nach B gelangen. Das ist nach heutigem Stand noch mit immensen Herausforderungen rund um Themen wie User Experience, Wettbewerb zwischen Mobilitätsanbietern und Datenhoheit verbunden. Denn Nutzer neuer Mobilität – egal ob Carsharing, Fahrdienst oder ÖPNV – müssen sich durch einen Wust unterschiedlicher Plattformangebote kämpfen, den Zugang zu mehreren App-Anwendungen besorgen und sich jedes Mal mit ihren persönlichen Daten anmelden. Zwar gibt es Multimodalitätsplattformen wie Moovel, Qixxit oder Free2move – doch die decken längst nicht alle Mobilitätsangebote ab. Und über ein einheitliches Bezahlmodell verfügen sie bis dato erst recht nicht.

Viele Mobility Provider sorgen sich um die Datenhoheit gegenüber solchen Plattformbetreibern und um den Schutz sensibler Kundeninformationen. Abhilfe könnte die Blockchain schaffen. „Mit dieser Technologie ist es erstmals möglich, digitale Daten auszutauschen und sich auf die Echtheit dieser Daten zu verlassen“, sagt Thomas Müller, CEO der Evan GmbH. Müllers Unternehmen arbeitet derzeit mit der Daimler Mobility AG, vormals Daimler Financial Services, an einer Mobilitätsplattform auf Blockchain-Basis. „Mithilfe dezentraler Plattformen ist es möglich, absolut verbindliche und vertrauensvolle Vereinbarungen zwischen Mobilitätsanbietern und deren Kunden zu treffen. Die Blockchain-Technologie hilft dabei, eines der größten Probleme der Digitalisierung zu lösen: Vertrauen.“

Die neu entworfene Mobility Blockchain Platform soll die Nutzung von Mobilitätsdiensten verschiedener Anbieter mit einer einzigen Benutzer­identität und mit nur einem Klick bieten. Die Firma von Thomas Müller liefert mit der Business-Blockchain „evan.network“ die technologische Basis. Sie soll auf den Prinzipien der Dezentralisierung, Offenheit und Neutralität beruhen und sich damit fundamental von geschlossenen Mobilitätsökosystemen wie bei Uber und Co. unterscheiden. „Plattformen schaffen ein optimales Match zwischen angebotenen Kapazitäten und der Nachfrage der Kunden“, erklärt Müller. „Die Abhängigkeit von Platt­formanbietern bei klassischen, zentralen Plattformen ist aber ein sehr kritischer Punkt.“ Die Blockchain dagegen ermögliche eine direkte Kommunikation ohne einen zentralen Intermediär.

Auf der von Daimler, Evan und noch drei weiteren Blockchain-Unternehmen entwickelten Plattform soll es in einem ersten Anwendungsfall bereits möglich sein, Autos mit nur einem Klick zu mieten. Die Blockchain-Technologie erlaubt es, das Auto zu authentifizieren und dann Transaktionen direkt vom Fahrzeug durchführen zu lassen. Benutzer können eindeutig identifiziert werden, ihre Identität überprüfen lassen und ihre Daten selbstbewusst verwalten. Die Logik für die Mietverträge hat das Startup 51nodes aufgebaut.

Daimler ist in diesem Netzwerk jedoch auch nur ein Anbieter von vielen, der nicht auf die Daten der anderen Mobility Player zugreifen kann. „Grundkonzept ist, dass kein einzelnes Unternehmen die Plattform beherrscht“, betont Evan-Chef Thomas Müller. „Hierzu werden mit den interessierten Partnern die Spielregeln definiert – diese gelten dann für alle Partner, egal ob diese heute oder erst in Zukunft die Plattform nutzen.“ Bisher ist die dezentrale Mobilitätsplattform auf Blockchain-Basis jedoch lediglich ein „Minimal Viable Ecosystem“, wie Müller es nennt. Aktuell startet die zweite Phase, in der verschiedene Partner gemeinsam erste Lösungen im Markt etablieren wollen. Ganz hierarchiefrei, offen und dezentral.

Bilder: Daimler, Flaticon

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