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| von Götz Fuchslocher

Im amerikanischen Güterverkehr konnte es bis vor Kurzem noch ganz schön altmodisch zugehen. Anstelle von Digitalisierung waren handgeschriebene Logbücher im Einsatz, strukturelle Probleme wurden gerne auf die Konjunktur geschoben. Dass es Aufholbedarf gab, zeigte sich nach der Pflichteinführung von Bordcomputern, die die Fahrstunden aufzeichnen. Damit Lieferungen rechtzeitig zum Kunden kamen, mussten Fahrer in der Vergangenheit oft viele Stunden länger als gesetzlich erlaubt hinter dem Steuer verbringen. Die neuen Regelungen des E-Log machten den gefühlten Mangel an Fernfahrern dann plötzlich drastisch deutlich. Für Uber ein passender Moment, um sich nach dem Taximarkt als Nächstes den Güterverkehr vorzunehmen.

Der Geschäftsbereich Uber Freight will mittels einer App Frachtdienstleister und Kunden zusammenbringen. In einem Video zum Produkt ist ein Trucker zu sehen, der durch die malerische Landschaft New Mexicos in Richtung Kalifornien rollt, seinen Hund – Schlappohren im Wind wehend – neben sich auf dem Beifahrersitz. Nach Auslieferung der Fracht erscheint eine Nachricht auf seinem Smartphone: „Sie haben soeben 1600 Dollar erhalten.“ So weit, so einfach.

Seit Herbst mischt Uber zudem im Leasinggeschäft mit. Die Idee hinter Uber Powerloop soll ebenfalls ein wenig Freiheitsgefühl verbreiten. Im Rahmen eines modernisierten Trailer-Pool-Geschäftsmodells werden fertig beladene Sattelauflieger vermietet. Wer eine freie Zugmaschine hat, zum Beispiel auf dem Rückweg einer Auslieferung, kann an einem Sattelauflieger andocken und gleich den nächsten Auftrag übernehmen. Die Trennung von Zugmaschine und Sattelauflieger ermöglicht das Laden in Abwesenheit des Fahrers, was wertvolle Zeit spart und insgesamt zu einer flüssigeren Abwicklung in der Logistikkette führen soll.

Neu am Modell ist der Leasingansatz, der es auch kleinen und mittleren Spediteuren ermöglichen soll, Leerkilometer zu vermeiden und weniger Zeit mit der Suche nach neuen Fuhren zu verbringen. Bislang waren sie von Trailer-Pools faktisch ausgeschlossen, schreibt Max Pike, Program Manager für strategische Projekte bei Uber Freight, in einem Blogartikel: „Sie haben entweder nicht die Ressourcen, um in mehrere Sattelschlepper zu investieren, oder sind nicht groß genug, um Partnerschaften mit anderen Unternehmen einzugehen.“ Zu den Ausgaben für den Neukauf eines Sattelkraftfahrzeugs, das immerhin zwischen 140 000 und 175 000 Dollar kostet, summieren sich die Betriebs- und Erhaltungskosten.

Verfügbar ist Uber Powerloop derzeit nur in Texas, wo gut 15 Prozent des US-Frachtmarktes zuhause sind und auch Uber Freight seinen Einstand feierte. Uber Powerloop benötige eine gesunde Balance zwischen ein- und ausgehenden Frachtladungen und Texas sei ein guter Ausgangspunkt dafür, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Über seine weiteren Expansionspläne hält sich Uber bedeckt, lediglich Jobausschreibungen könnten auf einen Ausbau im mittleren Westen hindeuten.

So waren im Raum Chicago Ende Januar Positionen für einen Account Executive Powerloop und einen Account Manager ausgeschrieben. Mit der Resonanz zu Powerloop zeigt sich Uber zufrieden. Pike spricht von einer „Handvoll an Fortune-500-Frachtpartnern“ sowie einem „Netzwerk selbstständiger Speditionen“. Einige davon hätten ihren gesamten Betrieb auf Zugmaschinen umgestellt und auf dem Weg auch gleich ihren Fuhrpark ausgebaut. Der erste namentlich genannte Powerloop-Kunde ist die Brauerei Anheuser-Busch. Ties Soeters, Leiter der Beschaffungslogistik, schätzt die Effizienz des Leasingmodells. Es fielen weniger Investitionen und geringere Wartezeiten für die Fahrer an.

2019 dürfte für Uber ein entscheidendes Jahr werden. Nach Einschätzung von Analysten könnte der geplante Börsengang einen Rekordwert von 120 Milliarden Dollar erreichen. Investmentbanken buhlen seit Jahren um die Gunst des Startups. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ soll der Morgan-Stanley-Banker Michael Grimes als Uber-Fahrer unterwegs sein, und zwar seit Jahren – ein Zusatzeinkommen dürfe Grimes als Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Technology Investment Banking wohl kaum benötigen. Doch trotz seiner Börsenpläne schreibt Uber im Moment weiterhin tiefrote Zahlen. Der Versuch, in neue Geschäftsbereiche vorzudringen, darunter Essenszustellung, Fahrrad- und Cityrollerverleih, soll zeigen, dass die Kalifornier mehr können, als junge Städter von und zu ihrer Arbeit zu chauffieren.

Laut „Financial Times“ arbeitet das Unternehmen zudem an einem Geschäftsbereich für Leiharbeit mit der Bezeichnung Uber Works, der zurzeit in Chicago getestet wird. Der Einstieg ins Frachtgeschäft soll zur weiteren Unterscheidung des Unternehmensprofils beitragen, insbesondere gegenüber dem Konkurrenten Lyft, der ebenfalls an die Börse drängt. Und schließlich kämpft Uber auch noch gegen sein Image an, das sich am besten durch ein Unbehagen beschreiben lässt, das UberX-Kunden beschleicht, wenn die Fahrt zum Sonntagsbrunch gerade einmal fünf Dollar und 67 Cent kostet. YouTube-Benutzer Frank J. Luevano formuliert es in seinem Kommentar zu einem Uber-Freight-Video so: „Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Fernfahrer nur noch Peanuts bezahlt bekommen.“

Illustration: Shutterstock/Serhiy Smirnov

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