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Marketing- und Innovationschef Tobias Breyer stellt GreenPacks Idee von austauschbaren Akkus vor. Bild: GreenPack

| von Chris Löwer

Akku leer? Jetzt nicht panisch werden. Denn neuerdings gibt es „Energy to go“. Der Energiespender sieht aus wie der Koffer einer Schlagbohrmaschine und lässt sich mit zen­tralem Griff genauso bequem tragen. Doch in der grünen Kunststoffhülle steckt ein Akkusystem mit 48 Volt und einer Kapazität von bis zu 1400 Wh. Der GreenPack des gleichnamigen Startups aus Berlin-Adlershof wiegt nur knapp neun Kilo und macht dank eines cleveren technischen Layouts Schluss mit Eigenbrötlerei: Der Wechselakku ist soweit standardisiert, dass er in etliche Leichtfahrzeuge wie Cargobikes, E-Rikschas, E-Roller oder auch mobile elektrische Geräte passt.

Mitunter helfen die Adlershofer Akkus sogar liegengebliebenen DriveNow-BMWs wieder auf die Beine: Dann kommt GreenPack-Kunde Chargery, ein weiteres Berliner Startup, mit den Akkus im Gepäck angeradelt und liefert frischen Strom – sozusagen als mobile Ökostromtankstelle. „Wir wollen grüne Energie hersteller- und geräteübergreifend auf denkbar einfachste Weise verfügbar machen“, erklärt Marketing- und Innovationschef Tobias Breyer. „So wird Elektromobilität eher akzeptiert“, hofft er.

Gerade kleinen und mittelgroßen Unternehmen soll der Umstieg erleichtert werden. Die leicht handelbaren Packs verlagern den Ladevorgang weg von der Straße in Werkshallen, Büros oder Wohnungen. Leergelutschte Akkus sollen an öffentlichen Servicestationen, Tankstellen, in Supermärkten oder im Power Tower gegen volle ausgetauscht werden.

Der erste Wechselautomat, alias Power Tower, wurde im Frühjahr in Berlin aufgestellt. Weitere sieben folgen bis Herbst. Breyer verrät, dass das Startup mit weiteren deutschen Städten im Gespräch ist. Freiburg und Stuttgart könnten bald folgen. Gemeinsam mit einem Netzwerk aus Partnerunternehmen will die Berliner Firma in der Fläche nach und nach eine Infrastruktur aus Wechselakku-automaten realisieren.

Mobile Stromkanister hatte Gründer Hans-Peter Constien ursprünglich gar nicht im Sinn: Ihn ärgerte, dass es auf dem Markt keine leistungsfähigen Batterien für leichte Fahrzeuge gab, sondern allenfalls kostspielige individuelle Anfertigungen. Plug & Play – das wär’s. Also trieb er die Standardisierung und möglichst einfache Handhabe voran: Die Zellen stecken in einer robusten, industrietauglichen und dank innenliegender Kontakte spritzwassersicheren Hülle, einem Koffer nicht unähnlich. Die stabilen, verdrehsicheren Stecker lassen sich ohne Werkzeug anschließen.

„Vor allem aber sorgt das Batteriemanagement dafür, dass der Akku – je nach Anwendung – schonend ge- und entladen wird, indem die Ströme entsprechend begrenzt werden“, erklärt Tobias Breyer. Temperatursensoren wachen darüber, dass sich die Zellen nicht zu stark erwärmen. Bewegungssensoren erfassen, ob der Akku heruntergefallen oder in einen Unfall verwickelt war und ausgetauscht werden muss. Jeder GreenPack verfügt über eine eindeutige elektronische ID, über die etwa Flottenbetreiber von Sharing-Scootern die Zahl der Ladezyklen und den Zustand auslesen können.

GreenPacks können über den CAN-Bus mit Lade- oder Endgeräten kommunizieren, was ihren flexiblen Einsatz ermöglicht. Sogar unterschiedliche Batteriechemie lässt sich in ihnen unterbringen. „Wenn morgen jemand das Wunderspeichermaterial erfindet, dann könnten wir entsprechende Zellen einsetzen“, sagt Tobias Breyer. Wird mal mehr Energie gebraucht, lassen sich die Packs auch parallel zu einem Cluster mit bis zu 64 Stück zusammenschalten.

In die Energiebox darf nur nachhaltig hergestellter Strom fließen – daher kommt ihre grüne Farbe. Aber auch noch auf andere Weise sollen die Powerpacks einen Beitrag zur Energiewende liefern: als Pufferspeicher. „Wenn der Akku nicht für Mobilität benötigt wird, kann er als dezentraler Speicher zur Netzstabilisierung beitragen“, erklärt Breyer. GreenPacks können in Wechselspeichern erneuerbare Energie puffern und Lastspitzen der Energieversorger absenken. Die entscheidende Rolle spielt hierbei der Akku-Automat, durch den die Packs zu Clustern zusammengeschlossen werden, sich also zu einem großen Energiespeicher vereinigen.

An das Stromnetzwerk angeschlossen, wird erneuerbare Energie zuverlässig gespeichert und abgegeben, wenn sie gebraucht wird. Breyer: „Dieses System sorgt nicht nur für die Absenkung von Lastspitzen innerhalb eines Mikrogrids, etwa einer einzelnen Solaranlage, sondern auch für die Netzstabilisierung der großen Energieversorger.“ Natürlich taugen die Akkus zudem als Hausstromspeicher in Privatwohnungen und Einfamilienhäusern. Kommerzielle Nutzer – und nur die peilt das Startup derzeit an – können Packs entweder gegen eine Gebühr über Wechselstationen beziehen oder sie für rund 1000 Euro kaufen.

Derweil lobt Miroslaw Sledzinski, CEO des polnischen Automatisierungstechnikunternehmens Aksel Grupa, das auch Lastenräder vertreibt, die Adlershofer Akkus als „leistungsstark, robust und zuverlässig“. Markus Wozniak-Mauersberger, Chef des Berliner Startups KickTrike, stellt Elektroklapproller für Kleintransporte her und hat ebenfalls gute Erfahrungen gesammelt: „Mit einem Akku kommt man problemlos 50 Kilometer weit und der Wechsel dauert nur wenige Sekunden.“

Manch einer verspricht sich eine rasche Verbreitung der GreenPacks, in der Hoffnung, dass sich so durch die Hintertür ein Standard etablieren könnte. Breyer hört das zwar gern, bleibt aber bodenständig: „Sicher wäre das großartig. Doch wir haben zunächst Großbetriebe, Kommunen und Stadtwerke im Visier, denen wir ein schlüsselfertiges, rasch skalierbares System anbieten können.“ Das sollte für den Anfang tatsächlich erst einmal reichen.